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Der Samstag in Nogaro

Der Samstag in Nogaro

23. Juni 2007Nogaro - Das Wetter blieb wie erwartet leicht bewölkt, die Temperaturen lagen so um die 25 Grad, dennoch war es häufig unangenehm schwül. Beim Start des Quali-Race lag die Streckentemperatur bei knapp 35 Grad. Irritationen um Simeon Martin gab es nicht nur beim Team Frankie. Der Spanier, der in dieser Saison ja den roten Renault mit der Nummer 22 fährt, war nicht erschienen und telefonisch auch nicht zu erreichen. So wird Frankie-Vertreter Ross Garrett hier in Nogaro allein in den Farben des Renault-Team-Frankie starten. Im Zeittraining zauberte David Vrsecky auf seinem Buggyra-Freightliner mit 1:52,819 dann eine Superrunde auf die Piste. Dem am nächsten kam noch Teamkollege Markus Bösiger. Die drei MAN-Piloten Antonio Albacete, Gerd Körber und Egon Allgäuer belegten die nächsten Start-Plätze vor dem einzigen Mercedes-Benz im Spitzenfeld mit Jochen Hahn.
Im anschließenden Quali-Race verlor Vrsecky allerdings schon beim Start seine Pole an Bösiger, dann sauste auch noch Körber an dem Tschechen vorbei, und nach einigen kleinen Scharmützeln fiel Vrsecky schließlich sogar noch hinter Albacete, Hahn und Jean-Philipe Belloc bis auf die 6. Position zurück. Bösiger zog an der Spitze immer weiter davon und hielt seine Verfolger in sicherem Abstand. In der vorletzten Runde versank die Start-und-Ziel-Gerade in einer weißen Wolke: Turboplatzer bei Jochen Hahn. Vrsecky konnte schließlich Belloc wieder passieren und dem Franzosen auf den letzten Metern noch 4 Sekunden abnehmen. Allgäuer sicherte sich den 6. Platz vor den beiden englischen Dauerduellanten Stuart Oliver und Chris Levett. Gastfahrer Hans-Joachim Stuck fuhr als Neunter ebenso noch in die Punkteränge wie Ross Garrett als Vertreter von Frankie Vojtisek. Und da beginnt wieder das Dilemma. Stuck soll als Race-by-Race-Pilot Punkte bekommen – wie eben auch Vater und Sohn Rodrigues, Garrett dagegen als Vertreter eines eingeschriebenen FIA-Piloten leer ausgehen. Selbst wenn der Deutsche in dieser Saison noch das komplette Restprogramm bestreiten würde, könnte er nicht die notwendige Mindestanzahl an Rennen erreichen. In einem kurzen Statement taten denn somit Permanent Race Director Tony Iddon und FIA Technik-Chef Fabien Calvet gemeinsam kund, dass auch Stuck keine Punkte mehr bekäme.
In der Rekordzeit von rund eineinhalb Stunden wurden in der Mittagspause beim Hahn-Mercedes der komplette Motor und das Getriebe gewechselt. Und der Einsatz sollte sich doch als lohnend erweisen.
Zunächst einmal nutzte Bösiger seine Pole jedoch wesentlich cleverer als Vrsecky im vorherigen Rennen. Der Schweizer ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen, übernahm gleich die Führung und gab sie bis zum Zieleinlauf auch nicht mehr ab. Körber dagegen geriet eingangs der ersten Linkskurve soweit nach außen, dass nicht nur Albacete, sondern auch noch Allgäuer, der einen exzellenten Start erwischt hatte, an ihm vorbeiziehen konnte. Knapp dahinter lagen Vrsecky, Belloc, Oliver, Levett und Stuck. Während Bösiger und Albacete sich direkt leicht absetzen konnten, wurden im Verfolgerfeld die Messer gewetzt. Hahn kam vom 18. Startplatz nach vorn gedüst und packte sich schon anfangs der 3. Runde Hans-Joachim Stuck. Wenig später zog der Schwabe an Levett vorbei und ließ sich auch von Oliver nicht weiter aufhalten, biss sich dann jedoch an Belloc fest. Das Quintett Allgäuer, Körber, Vrsecky, Belloc und Hahn lieferte sich nun rundenlang verbissene Positionskämpfe. Aber was Hahn auch anstellte, an Belloc war einfach kein Vorbeikommen. Etwas erfolgreicher war dagegen Vrsecky. Permanent startete er Angriffe auf seine Vorderleute, in der 8. Runde war es dann soweit. Zunächst schnappte sich der Tscheche Körber und setzte gleich auch Allgäuer unter Druck. In der Kurvenkombination nach der langen Geraden zog er schließlich mit dem Österreicher gleich und lag eingangs der nächsten Linkskurve sogar knapp in Front, Allgäuer fuhr jedoch auf der besseren Innenbahn. Keiner der beiden Kampfhähne gab auch nur einen Zentimeter nach, und dabei zog Vrsecky eindeutig den Kürzeren. Nach einer leichten Berührung rutschte der Buggyra-Pilot auf die Kerbs und dann ins Gras. In Allgäuers Schlepptau konnten Körber und Belloc die Chance nutzen und an dem Tschechen vorbeiziehen. Doch direkt vor Hahn schoss Vrsecky wieder auf die Piste zurück. Nun zog sich auch das Verfolgerfeld leicht auseinander, und es schien als seien nicht nur die beiden ersten Plätze bereits vergeben. Hahns Mercedes war ziemlich lädiert, rechts hinten schliffen Karosserieteile an den Reifen, was dem Vortrieb eher hinderlich war. Doch das übrig gebliebene Quartett schloss in der letzten Runde noch einmal so dicht auf, dass es beim Zieleinlauf nicht einmal eine Sekunde auseinander lag. Und nur wenige Meter vor der Ziellinie schaffte es Körber dann auch tatsächlich noch, seinem Teamchef Allgäuer den dritten Podestplatz zu entreißen.
Hinter Oliver und Levett, die wieder während des ganzen Rennens ihre übliche Fehde ausfochten, belegte Stuck den 10. Rang.
Die Teamwertung ging wieder eindeutig an Buggyra vor Team Allgäuer und Team Hahn.
Vom Veranstalter war es nicht möglich, eine offizielle Punktelisten zu erhalten. Und als am Abend FIA-Truckracing-Kommissions-Präsident Juan Pons im Pressecenter auf das Punktechaos angesprochen sagte, er werde all dies am morgigen Sonntag klären, löste dies bei den anwesenden Journalisten nicht unbedingt Zufriedenheit aus.
Aber es gab auch noch etwas Erfreulicheres. Verbunden mit besten Genesungswünschen für Frankie Vojtisek organisierte Lutz Bernau auf einem großen Nogaro-Veranstaltungsplakat eine Unterschriftenaktion der ganzen Truckracinggemeinde.