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FIA-Gala in Jarama

FIA-Gala in Jarama

12. Oktober 2007Nach all den Querelen und Vorkommnissen insbesondere während des Finalwochenendes kam bei der Meisterschaftsfeier der FIA einfach nicht die rechte Stimmung auf. Das Cepsa-Team war der Veranstaltung demonstrativ ferngeblieben und stieß damit auf allgemeines Unverständnis. Andere hatten erst gar keine Einladung erhalten, was ebensolches Unverständnis hervorrief. Noch vor der Preisverleihung hielt Permanent Race Director Tony Iddon eine kurze Ansprache, in der er ein Saison-Resümee zog. Dabei ließ er gerade auch die unerfreulichen Ereignisse - insbesondere die des letzten Tages - nicht aus. Iddon bekräftigte auch immer wieder, was Truckracing von vielen anderen Motorsportserien unterscheide, dass hier alle zusammen eine einzige große Familie bilden würden. Und diese Familie sei derzeit in Gefahr. Auch Frédérique Trouvé, die innerhalb der FIA als Commission Manager nicht nur für Truckracing, sondern für die FIA Touring Car- und die FIA GT-Serie zuständig ist, betonte auch noch einmal, dass sie dieses Gefühl der großen Familie innerhalb einer Rennserie sonst nirgends so erlebt habe.
Wie in jedem Jahr ging auch diesmal kein Pilot ohne Pokal nach Hause. Mit ganz besonderem Beifall und Jubel wurde Frankie Vojtisek gefeiert, der in Jarama erstmals nach seiner langen, schweren Krankheit wieder an den Start gegangen war. Obwohl Moderator Jonathan Reeves immer wieder versuchte, einzelne Fahrer zu einer kurzen Rede zu animieren, richtigen Erfolg hatte er erst damit beim neuen Europameister Markus Bösiger. Und diese Ansprache wollte Bösiger als eine offene Aussprache innerhalb der viel beschworene Familie verstanden wissen. Mario Kress übersetzte das ganze schließlich recht moderat ins Englische und Frédérique Trouvé beinahe simultan für den FIA-Tisch ins Französische. Ausgangspunkt war der Satz, der nach dem ersten Rennen in Barcelona von Cepsa gegenüber Buggyra geäußert worden sein soll: „Ihr mögt ja die schnelleren Autos haben, wir aber haben die besseren Beziehungen zur FIA.“ Von den Meisten eigentlich eher als Scherz aufgefasst, gaben diverse Entscheidungen und einige Vorkommnisse während der Saison dann doch zu denken. Insbesondere forderte Bösiger die strikte Trennung von FIA-Ämtern und der Funktion als Veranstalter und Promoter.
Je nach Standpunkt gab es kräftigen Beifall oder beinahe betretenes Schweigen, bevor dann schließlich die Special Awards verteilt wurden. So gab es u. a. eine Auszeichnung für den besten Teamauftritt im Paddock, gemeint war das Gesamtbild inkl. Catering und was sonst noch alles zur Eigenpräsentation dazu gehört. Eindeutige Favoriten waren Team Allgäuer und Team Frankie, wobei die Tschechen am Ende knapp die Nase vorn hatten. Rookie of the Year wurde Jean-Philippe Belloc, und auch Jochen Hahn wurde so quasi als Einzelkämpfer geehrt, der als einzig aussichtsreicher Mercedes-Pilot bis zum – für ihn ja eher bitteren – Ende das Banner mit dem Stern hoch gehalten hat. Einen ganz besonderen Preis gab es am Schluss schließlich für David Atkins. Bekanntlich wandert der dienstälteste und mit 6 Titeln auch erfolgreichste Truckracing-Manager nach Neuseeland aus. Neben einem Trikot seiner neuen Heimat erhielt Atkins noch eine riesige Karikatur, in der die einzelnen Abschnitte seiner langjährigen Karriere dargestellt wurden.
Egon Allgäuer, hatte während der Ehrungen auf eine etwas andere Art seine Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation im Truckracing ausgedrückt. Er verlegte Weiberfastnacht einfach um ein Vierteljahr nach vorn und schnitt einigen FIA-Offiziellen unter dem Gelächter der übrigen Anwesenden die Krawatten ab.