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Truck-Racing wird erste FIA-Rennserie mit synthetisch hergestelltem Kraftstoff

Truck-Racing wird erste FIA-Rennserie mit synthetisch hergestelltem Kraftstoff

06. April 2021In seiner Sitzung am 9. Oktober letzten Jahres hat der FIA World Motor Sport Council bekannt gegeben, dass die Truck Racing Championship ab der nun aktuellen Saison mit synthetisch hergestelltem HVO-Diesel (Hydrotreated Vegetable Oil) der neuesten Generation fahren wird. So können bis zu 90 Prozent CO2 eingespart werden.
Im vergangenen Jahrzehnt stand Bio-Diesel immer wieder auf der Agenda der Truckracer. Man wollte erneuerbare Energien nutzen, weg von den schließlich nicht unendlich zur Verfügung stehenden fossilen Brennstoffen, und so auch einen weiteren Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Zuvor waren die Rennmotoren durch die technische Weiterentwicklung immer sauberer geworden. Dennoch galt es auch, den immer lauter werdenden Rufen nach zusätzlichem Umweltschutz Rechnung zu tragen und z.B. Bio-Diesel zu fahren.
Diverse Hersteller versuchten immer wieder im Truckracing Fuß zu fassen. Es gab lange Diskussionen zwischen den Verantwortlichen aller Seiten. Schließlich war Bio-Diesel ja auch nicht gleich Bio-Diesel, da gab es ziemliche Unterschiede.
Zwischenzeitlich hat Bio-Diesel aber einen ganz anderen Stellenwert. Der normale an den Tankstellen angebotene Diesel enthält schon sieben Prozent Bio-Diesel, zudem wird auch ein Diesel als Bio-Diesel angeboten, der in der Regel allerdings auch nur einen 30prozentigem Bio-Anteil hat.
Die klassischen Bio-Kraftstoffe, wie eben auch das HVO der ersten Generation, stammen zwar aus erneuerbaren Rohstoffen, aber eben auch aus Pflanzen, die als Lebensmittel verwendet werden könnten. Das hat gerade in letzter Zeit zu immer schärferen Diskussionen geführt, weil vielfach landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Ölpflanzen zur Gewinnung von Bio-Diesel umfunktioniert wurden – das ist einfach lukrativer. Nicht zuletzt haben die umfangreichen Rodungen beim Regenwald – um Platz zum Anbau z.B. von Palmölpflanzen zu schaffen – schwer am positiven Image von Bio-Kraftstoffen gekratzt.
Doch das HVO der ersten Generation hat nicht mehr viel mit dem aktuellen HVO zu tun. Dieses wird nun hauptsächlich aus Abfällen der Lebensmittelindustrie wie Frittierfett, aus Abfällen der Fleisch- und Fischverarbeitung, aus Tierfutter-Resten gewonnen.
Der neue HVO-Diesel läuft problemlos in jedem Dieselmotor, er hat eine gute Zündwilligkeit, eine sauberere Verbrennung, ist bei gleicher Leistung und gleichem Verbrauch wesentlich schadstoffärmer, und am Ende werden gegenüber dem herkömmlichen Diesel rund 90 Prozent CO2 eingespart.
Nicht zuletzt ist die Cetan-Zahl – das ist das, was beim Benzinmotor die Oktanzahl darstellt –grundsätzlich wesentlich höher als beim normalen Diesel.
Der Diesel an der Tankstelle hat im Normalfall rund 54 Cetan, Premium-Diesel um die 60,
die neueste Generation von HOV-Diesel hat zwischen 70 und 90.
Für die nächste Zeit hat die FIA die Veröffentlichung der exakten Spezifikationen angekündigt, zur Chancengleichheit wird es voraussichtlich einen einheitlichen Kraftstofflieferanten für alle Teilnehmer geben.
So ist die FIA European Truck Racing Championship auf dem besten Wege, in der kommenden Saison eine der saubersten klassischen FIA Rennserien überhaupt zu werden.