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2020 - Das Jahr der Jugend - Teil 2

2020 - Das Jahr der Jugend - Teil 2

18. Januar 2020In dieser Saison wird ein junges Trio das Durchschnittsalter in der FIA European Truck Racing Championship drastisch senken.
Vor knapp einer Woche gerade mal zweiundzwanzig geworden, ist Lukas Hahn, Sohn von Jochen und Enkel von Conni Hahn, schon der Älteste dieser Drei. Beim letztjährigen Truck Grand Prix konnte Lukas schon mal sein Truckracing-Talent unter Beweis stellen. Mit dem Rennauflieger des Europameisters von 2007, Markus Bösiger, hatten Lukas und sein Team den Iveco-RaceTruck zum Nürburgring gebracht. Die Truckracing-Community ist nun mal auch eine große Familie, in der man sich gegenseitig hilft. Und in dieser Familie ist Lukas ja auch förmlich groß geworden. In den vergangenen 20 Jahren hat Lukas alle Truckracing-Paddocks kennen gelernt – und alle im Paddock kannten den Jungen aus dem Schwarzwald. Denn niemand sonst sauste mit beinahe jedem Gefährt, dessen er habhaft werden konnte, so flott kreuz und quer durch die Fahrerlager. Schon damals deutete sich an, dass der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen war. Mit viel Enthusiasmus eiferte Lukas seinem erfolgreichen Vater mittlerweile im Hahnschen Freizeitsport, dem „Driften“, nach – selbst in Kleinlastern, von denen einzelne noch mehr PS unter der Haube hatten, als die aktuellen Race Trucks.
Am Nürburgring konnte Lukas in den Läufen zum Mittelrhein Cup dann auch erstmals sein Talent im Truckracing beweisen – Truck gegen Truck, Mann gegen Mann. Gegen sehr erfahrene und knallharte Mitstreiter aus England, die hier um Punkte für ihre Nationale Meisterschaft fuhren, konnte sich der junge Hahn bestens behaupten. Mit außergewöhnlichem Geschick brachte er seinen Iveco in allen drei Rennen beinahe makellos über die Ziellinie und fuhr dennoch in dem 25er-Feld jedes Mal aufs Podium – einmal als Zweiter und zweimal als Dritter.
Nach diesem erfolgreichen Auftakt soll Lukas in diesem Jahr, so plant man im Team Hahn-Racing, nun auch in Rennen der FIA European Truck Racing Championship antreten.
Der Zweite im Jung-Trio, Téo Calvet, wird im nächsten Monat zwar erst neunzehn, hat aber dennoch seinem deutschen Mitstreiter schon etwas an Truckracing-Erfahrung voraus, auch als „Race-by-Race“-Driver in einzelnen Rennen der Europameisterschaft. Vor allem hat Téo schon einen „Titel“ errungen, den ihm so schnell wohl niemand wird streitig machen können. Mit 16 Jahren und 134 Tagen wurde der junge Pilot 2017 in Nogaro bei den Rennen zur Französischen Meisterschaft jüngster Sieger eines Truck-Rennens überhaupt.
Wie Lukas Hahn ist auch Téo Calvet im Truckracing groß geworden. Sein Vater Fabien war französischer Meister bei den SuperRaceTrucks und ist von 1997 bis 1999 auch in der Europameisterschaft gestartet, wo er einmal den zweiten und einmal den dritten Platz im Endklassement belegte - da war Téo noch gar nicht geboren.
Den meisten Truckracing-Fans ist Fabien Calvet aber sicherlich durch seine offiziellen Tätigkeiten bekannt, als FIA Technical Delegate, als FIA Coordinator, als Präsident der Truck Race Organisation-TRO, als Präsident der Truckracing-Kommission der Fédération Française du Sport Automobile-FFSA und nicht zuletzt als Streckensprecher und Moderator bei vielen Rennen in Frankreich.
So war denn Téo auch immer, wenn es die (Schul-)Zeit erlaubte, bei den Rennen dabei. Als er 2017 alt genug war, die Truckracing-Lizenz zu erwerben, erhielt der junge Franzose gleich ein Cockpit in einem MAN des französischen Lion Truckracing Teams, mit dem mehrfachen Französischen Champion Anthony Janiec als Teampartner an der Seite. Schon bald wurde der junge Pilot Abonnementssieger in der Nachwuchswertung. Bereits ein Jahr später fuhr Téo die komplette Saison und wurde am Ende Vierter in dem 25er-Teilnehmerfeld. In der vergangenen Saison holte er sich gar den dritten Platz im Championatsklassement.
2020 wird Téo Calvet für Buggyra in der FIA European Truck Racing Championship an den Start gehen. (Siehe auch: Vom Löwen zum Panther vom 16.Oktober 2019).
Dort wird er dann auch seine Teampartnerin begrüßen können, Aliyyah Koloc. Wie die beiden anderen Youngster ist auch Aliyyah im Truckracing groß geworden und hat die entsprechenden Gene schon in die Wiege gelegt bekommen. Ihr Vater, Buggyra-Chef Martin Koloc, ist schließlich von 1994 bis 1998 selbst sehr erfolgreich in der Truck-Europameisterschaft gefahren und gewann dort auch zweimal den Titel.
Auf die Truckracing-Erfahrungen der zwei anderen Jungpiloten kann Aliyyah noch nicht verweisen, die junge Dame wird Anfang Juli erst sechzehn. Auch erst dann erhält sie ihre Truckracing-Lizenz. Aber in den letzten Jahren nutzte sie jede Möglichkeit zum Testen und Trainieren, zumeist auf dem Autodrom von Most, der Hausteststrecke von Buggyra.
Möglicherweise erleben wir ja ihren ersten ernsthaften Truckracing-Einsatz als Gastfahrerin schon im Juli, spätestens aber bei ihrem Heimrennen Ende August in Most wird sie dann wohl dabei sein.

Photos: Buggyra, truckracing.de