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2020 - Das Jahr der Jugend - Teil 1

2020 - Das Jahr der Jugend - Teil 1

09. Januar 2020Dem Truckracing haftete ja seit dem Beginn auch immer so ein wenig das Image an, eine Rennserie gestandener Männer vornehmlich aus der Transport- und Logistikbranche und ein Meeting der Industrie rund ums Nutzfahrzeug zu sein. 1988 gaben bei einer von Mercedes-Benz im Rahmen des Truck Grand Prix initiierten Umfrage nur knapp 17 Prozent der Befragten an, nicht aus diesen Bereichen zu stammen. Tatsächlich waren die ersten Truck-Rennen ja auch eigentlich eher so „just for fun“ vor rund 40 Jahren im Rahmen von Trucker-Treffen ausgetragen worden. Doch schon 1981 beim ersten 24h-Camions auf der renommierten Rennstrecke Circuit Bugatti in Le Mans hatte es unter sportlichen Bedingungen organisierte Rennen gegeben. Zwar waren die meisten Piloten auch da eigentlich Trucker mit motorsportlichen Ambitionen, es stiegen aber auch schon „gelernte“ Rennfahrer ins Cockpit der für sie riesigen Kolosse mit bis zu 6,5 Tonnen Eigengewicht.
Trotz all ihrer Meriten in anderen Serien mussten sie sich den Truckern jedoch meistens geschlagen geben. Die Renntrucks hatten recht wenig mit den filigranen und auf Leichtgewicht ausgelegten Rennern zu tun, die diese Piloten sonst so gewohnt waren.
Der damals wohl bekannteste Berufsrennfahrer im Truckracing war Slim Borgudd. Nachdem der Schwede jahrelang in der Formel 1 unterwegs gewesen war, kam er 1985 zum Truckracing. In der Folgezeit gewann er schließlich dreimal den EM-Titel, zuletzt 1995 – da wurde Borgudd 49.
Andererseits war der deutsche Mercedes-Pilot Axel Hegmann 1990 erst 22 Jahre alt, als er in Zolder schon vorzeitig als bisher immer noch jüngster Europameister gefeiert wurde.
Jüngster Gewinner eines Rennens der FIA European Truck Racing Championship war 2013 der Ungar Benedek Major, exakt eine Woche vor seinem 18. Geburtstag.
Der Franzose Noel Crozier (Jahrgang 1947), seit den ersten 24h-Camions dabei und 2000 Europameister, mischte vor wenigen Jahren – eigentlich schon längst im Rentenalter – noch kräftig bei der Nationalen Französischen Meisterschaft mit, während sein junger Landsmann Teo Calvet hier als gerade mal 16-Jähriger jüngster Truckracing-Sieger aller Zeiten wurde.
Truckracing ist einfach alterslos.
Um aber schließlich eine komplette Saison ganz vorn mitfahren zu können, braucht es im Truckracing nicht nur Talent und einen sehr guten Truck, sondern auch sehr viel Erfahrung. Als Adam Lacko 2003 sein erstes Rennen in einem Renntruck fuhr, war er gerade achtzehn, es dauerte 15 Jahre bis der Tscheche dann das Championat gewann.
Jochen Hahn, mittlerweile erfolgreichster Truckracer überhaupt, kam 2000 zum Truckracing, da war er Mitte zwanzig. Noch im selben Jahr mischte der junge Deutsche bei seinem erst neunten Rennwochenende überhaupt das Truckracing-Establishment ganz kräftig auf, als er auf der klitschnassen Piste von Zolder alle vier Rennen gewann. Der absolute Überflieger schien gefunden. Dann dauerte es aber doch noch 11 Jahre, bis Hahn erstmals das FIA-Championat gewinnen konnte – mittlerweile sind es derer ja sogar sechs.
Will man also irgendwann mal auf dem letzten Podium einer Saison der FIA European Truck Racing Championship ganz oben stehen, kann man letztendlich nicht früh genug anfangen. Für 2020 wird die letztjährige Truckracing-„Jugendgruppe“ der beiden Zwanzigjährigen José Eduardo Rodrigues (POR) und Fabio Citignola (GER) nun noch durch ein Trio mit einem Twen und zwei Teenies ergänzt – es könnte ein Jahr der Jugend werden. (Mehr dazu bald in "2020 - Jahr der Jugend - Teil 2")