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Zolder Vorbericht

Zolder Vorbericht

12. September 2019Zolder - Mit dem 6. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship im belgischen Zolder biegen die Truckracer schon beinahe auf die Zielgerade des diesjährigen Championats ein. Wer das Wochenende hier verbockt, ob nun wegen technischer Probleme und wegen eines Unfalls, hat anschließend kaum noch Chancen, verlorenes Terrain wieder gutzumachen.
Titelverteidiger Jochen Hahn hatte das vor mehr als einem Jahrzehnt selbst schmerzvoll erfahren müssen – die damaligen Ereignisse haben wir hier ja schon mehrfach beschrieben. In den letzten vier Rennwochenenden – von Most bis zum Finale – büsste der damalige Mercedes-Pilot als klar Führender – mit 38 Punkten – gegenüber dem späteren Europameister Antonio Albacete (nach wie vor auf MAN) 93 Punkte ein. Dabei fuhr der Spanier ab Most – dort mit dem Traumergebnis von 60 Punkten – auch auf einer absoluten Erfolgswelle. Als es nach Zolder ging, führte Hahn dennoch weiterhin die Meisterschaft an, wenn auch nicht ganz so überlegen – und dann erlebte der junge Deutsche hier ein echtes Horrorwochenende.
Nun kommt Hahn erneut als Führender nach Zolder – jetzt aber mit 75 Punkten Vorsprung. Mittlerweile hat er die Erfahrung von fünf Meistertiteln, avancierte zum absolut erfolgreichsten RaceTruck-Entwickler und -Hersteller, ob nun auf Mercedes-, MAN- oder aktuell auf Iveco-Basis. Der Altensteiger fährt ausgesprochen kluge Rennen, konzentriert extrem auf die punktereicheren ersten Tagesrennen und geht weniger effektiven Scharmützeln möglichst aus dem Weg.
Andererseits sind für den einzelnen Piloten im Idealfall immer noch 180 Punkte zu gewinnen – da scheint selbst ein Vorsprung von 75 Zählern dann doch nicht mehr so absolut uneinholbar. Wer aber dennoch meint, der Titelkampf sei schon entschieden, wird umso mehr beim Sechskampf der engsten Verfolger des Spitzenreiters mitfiebern. Tatsächlich haben noch weitere fünf Piloten und eine Pilotin beste Aussichten, bei der FIA-Finalfeier in Jarama auf das letzte Podium der Saison zu fahren.
Insgesamt sind neunzehn Starter gemeldet, darunter auch der Engländer David Jenkins (MAN), der hier erstmals in diesem Jahr in der Europameisterschaft an den Start geht. Jenkins liegt in der nationalen Britischen Meisterschaft knapp hinter dem führenden Markenkollegen Ryan Smith auf dem zweiten Platz. Also beste Gelegenheit für einen Leistungsvergleich der beiden Truckracing-Serien.
Aber es gibt ja noch weitere Truckracing-Serien in Europa, so auch die Dutch Truck Racing Championship. Man wird den Piloten dort nicht zu nahe treten, wenn man sie als ambitionierte Amateure bezeichnet, die eben noch mehr aus „Spaß an der Freude“ ihre Rennen fahren und dabei weniger auf der sportlichen Erfolge schielen – ganz getreu des Olympischen Mottos, „Dabei sein ist alles.“
Die Truckrennen in Zolder sind Traditionsrennen, schon seit den Achtzigern sind die großen Boliden hier am Start. Den Fans werden gerade auf der auf beiden Seiten durch Mauern eng begrenzten Start- und Zielgeraden immer wieder aufsehenerregende Action-Szenen geboten. Auch wenn diese noch so spektakulär waren – mit aus den Verankerungen gerissenen Mauerteilen, mit steil aufsteigenden Trucks, mit Überschlägen – ernsthaft passiert ist auch hier nie etwas. Ein weiteres Indiz dafür, wie sicher und stabil die RaceTrucks gebaut sind. Bei den vorgeschriebenen 5,3 Tonnen Mindestgewicht ist man als Konstrukteur ja auch nicht gezwungen, mit entsprechendem Material zu geizen.
Zolder ist auch die einzige Rennstrecke, an der die Teams, insbesondere die Mechaniker und Mechanikerinnen, die ja häufig bis spät in die Nacht an den Trucks arbeiten müssen, am Sonntagmorgen so richtig ausschlafen können.
Im Prinzip beschreiben wir diese Besonderheit hier ja jedes Jahr. Dennoch wird verwundert gefragt, warum es sonntags erst so spät losginge. Inmitten der Renntrecke liegt eine kleine Kapelle, in der am Sonntagmorgen bis zehn Uhr die Messe gelesen wird. Solange es herrscht also „Motor-Silence“. So beginnt in diesem Jahr das sonntägliche WarmUp erst um halb elf.
„Motor-Silence“ herrscht im Übrigen auch nach 18:00. Wenn es schon etwas längere Unterbrechungen gibt, wie zum Beispiel durch einen spektakulären Unfall mit stark havarierten Trucks, kommen die Organisatoren schon mal arg in die Bredouille.
Der Circuit Zolder hat aber noch eine weitere Besonderheit zu bieten, einen bei den Fans extrem beliebten Campingplatz, um den die Rennstrecke herumführt. Im Kalender der FIA European Truck Racing Championship ist dies einmalig.
Los geht es in Zolder bereits am Freitag mit den beiden Freien Trainings. Für 17:15 ist dann der Start zur City-Parade geplant. Rund sieben bis acht Kilometer ist der Weg ins Zentrum von Heusden-Zolder. Der ganze Tross trifft sich dann am Heldenplein 1, und da werden die Teams und die Fans dann wohl wieder – schließlich ist man ja in Belgien – mehr als nur reichlich mit Fritten versorgt.