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Die zweite Saisonhälfte beginnt in Most

Die zweite Saisonhälfte beginnt in Most

28. August 2019Vierzig Tage mussten die Truckracing-Fans auf den einmaligen Sound der 13-Liter-Rennmaschinen, der sich doch so wohltuend unterscheidet von den hochdrehenden Motoren vieler anderer Motorsportserien, verzichten, wenn am kommenden Freitagnachmittag mit dem 1. Freien Training die FIA European Truck Racing Championship mit dem 5. Lauf in die zweite Halbzeit startet. Wie seit jeher zu dieser Jahreszeit sind die Truckracer auf dem Autodrom im tschechischen Most zu Gast. Diese vom Kohleabbau und großen Abraumhalden geprägte rund 70.000 zählende Stadt liegt nur wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze. So sind die Rennen auf dem Autodrom gerade bei Fans aus Sachsen, Thüringen, Berlin-Brandenburg und Bayern ungemein populär. Traditionell ist der Streckenkommentar auch zweisprachig, tschechisch und deutsch.
Nach der langen Pause darf man sicher auch gespannt darauf sein, wie die jeweils zuständigen Rennkommissare in die zweite Saisonhälfte gehen werden. Am Slovakiaring wurde ja beim dritten Lauf der Saison ein Novum geschaffen, indem im Zeittraining aufgrund der Meldungen „Tracklimits“ verhängte Strafen nachträglich – noch vor dem verzögerten Start zur SuperPole – wieder zurückgezogen wurden. So ging dann erstmals eine „Top-Eleven“ statt einer „Top-Ten“ in die schnellen Runden um die besten Startplätze.
Beim Saisonhöhepunkt am Nürburgring gab es keine nennenswerten Strafen. Dabei waren einzelne RaceTrucks durchaus auch jenseits der Streckenmarkierungen unterwegs und auch die Corner-Marker überstanden das Wochenende nur in ziemlich mitgenommenen Zustand.
Wird man das nun in Most ähnlich großzügig handhaben?
Wurden doch hier im letzten Jahr nachträglich noch einige Sanktionen ausgesprochen – so in der Regen-SuperPole am Samstag.
Allerdings hat es vor zwölf Monaten während des ganzen Wochenendes immer wieder geschüttet wie aus Eimern, was die Einschätzung umstrittener Situationen sicherlich nicht einfacher machte. Diesmal jedoch prognostizieren die Wetterfrösche – auch wenn sie sich nicht ganz einig sind – vorwiegend bestes Rennwetter.
Doch absolut im Vordergrund steht natürlich nicht nur für die Fans, ob die unmittelbaren Verfolger des Meisterschaftsführenden, Jochen Hahn, in der Sommerpause ein Lösung gefunden haben, um die in den bisherigen Rennen nicht zu übersehende Lücke zum Iveco-Piloten zu schließen.
Den Deutschen aber jetzt schon als designierten neuen Meister zu handeln, wird bei dem Team aus dem Schwabenland ganz und gar nicht gern gesehen.
Häufig genug haben wir hier an dieser Stelle Hahns Geschichte von vor dreizehn Jahren erzählt. Der damals noch titellose junge Pilot fuhr seinerzeit Mercedes, hatte nach der Halbzeit schon 38 Punkte vor dem MAN-Piloten Antonio Albacete (ESP). Anschließend fuhr der Spanier jedoch auf einer unglaublichen Erfolgswelle, und Hahn erlebte eine ebenso unglaubliche Pechsträhne. Nach dem Finale hatte Albacete in auch nur vier Wertungsläufen 93 Punkte gut machen können, momentan beiträgt Hahns Vorsprung 67 Zähler.
Auch wenn der Altensteiger zwischenzeitlich schon fünf Championstitel eingefahren hat, diese Erfahrungen hat er immer im Hinterkopf.
Aber es geht ja nicht nur um das Duell zwischen Hahn und Albacete. Der Lokalmatador Adam Lacko (Buggyra Freightliner) liegt nur knapp hinter dem Spanier – und das Autodrom in Most ist schließlich „Buggyra-Land“. Mehrfach im Jahr wird hier gestestet.
Norbert Kiss wiederum liegt gerade mal einen Zähler hinter dem Tschechen, und mit dem ungarischen tankpool24-Mercedes-Piloten ist immer zu rechnen. Auch die beiden Deutschen, Steffi Halm (Iveco) und Sascha Lenz (MAN), haben als Fünfte und Sechster der aktuellen Gesamtwertung noch beste Aussichten bei der FIA-Feier nach dem Finale in Jarama auf dem Podium zu stehen.
Insgesamt sind zwanzig RaceTrucks gemeldet, darunter allein sechs mit deutscher Cockpit-Besatzung, was natürlich den Interessen der deutschen Fans sehr entgegenkommt.

Impressionen:

Die zweite Saisonhälfte beginnt in Most
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