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Championat de France Camions - Der Samstag in Albi

Championat de France Camions - Der Samstag in Albi

13. Oktober 2018Albi - Während die Truck-EM ja schon am letzten Wochenende auf dem Circuito del Jarama bei Madrid ihren Saisonabschluss gefeiert hat, steht an diesem Wochenende das Finale des Championat de France Camions in Albi auf dem Programm. Touristen aus aller Welt zieht es eigentlich aus ganz anderen Gründen in den malerischen Ort im Süden Frankreichs mit seinen rund 50.000 Einwohnern. Henri de Toulouse-Lautrec dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt, ist hier ein ganzes Museum gewidmet, das Ziel vieler Kunstfreunde.
Doch auch der Motorsport hat hier schon Geschichte geschrieben, das wissen aber außerhalb von Albi nur noch wenige. Vor mehr als 70 Jahren fand auf der Rennstrecke von Albi einmal der Grand Prix von Frankreich statt, gewonnen hat dieses Rennen damals die italienische Rennfahrer-Legende Tazio Nuvolari.
So hat nicht nur die schon bei den Römern erwähnte Stadt historisches Flair, sondern auch die Rennstrecke, die sich das Gelände mit dem Flugplatz von Albi teilt – entweder es wird Rennen gefahren oder geflogen.
Der deutsche EM-Pilot Sascha Lenz (MAN) ist vom Promoter „France Routes“ als Gastpilot nach Albi eingeladen worden. Hier traf er auf zwei gute Bekannte aus der FIA European Truckracing Championship, seine beiden MAN-Markenkollegen Anthony Janiec und Thomas Robineau. Diese beiden machen das Französiche Championat einmal mehr unter sich aus. Vor dem Finale hatte Robineau gerade mal einen halben Punkt Vorsprung vor Titelverteidiger Janiec.
Bevor es ernster wurde, stand am Donnerstagabend erst einmal der Spaß auf dem Programm. Auf der Kartbahn von Albi, die direkt am Paddock liegt, fuhren die Teams ein Mannschaftsrennen aus. Am Ende lag Lion-Truck-Racing vor Team-Robineau und Team-Lenz. Lion-Pilot Janiec würde es natürlich sehr gefallen, wenn es nach den Wertungsrennen auch so aussähe.
In den Freien Trainings und den zusätzlichen Presse- und Sponsoren-Fahrten fuhren die drei EM-erfahrenen MAN-Piloten auf dieser völlig ebenen und – bis auf eine Schikane – sehr flüssigen Rennstrecke, auf der die RaceTrucks mit einem für sie eher im oberen Bereich liegenden Durchschnittstempo von knapp 125 km/h unterwegs sind, auch die Bestzeiten unter sich aus.
Lenz nutzte jede Möglichkeit, die Strecke kennenzulernen, denn gerade die Mitstreiter um die Podiumsplätze sind ihm hier Tausende von Renn- und Test-Kilometern voraus.
Am Samstagmittag galt es dann Flagge zu zeigen. Im 1. Zeittraining fuhr Robineau die schnellste Zeit. Janiec lag mal gerade 2 Tausendstel dahinter, Lenz auch nur eine 1 Zehntel.
Es hatte nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer eine schnelle Runde absolviert, da es gab es erst einmal einen Abbruch. MAN-Pilotin Jennifer Janiec hing mit ihrem Truck auf einem schmalen „Rettungs“-Weg zwischen Leitplanke und einer Mauer. Da nicht absehbar war, wie lange es nun dauern würde, bevor man mit schwerem Gerät den 5,3-Tonner wieder auf die Piste heben konnte, um ihn anschließend ins Paddock zu schleppen, wurde das Zeittraining – eigentlich ja die Qualifikation für die SuperPole der Top-Ten – komplett abgebrochen.
Mit mehr als dreistündiger Verspätung, zu der Zeit hätte eigentlich schon das erste Tagesrennen starten sollen, begann die Qualifikation noch einmal bei Null.
Schon zuvor hatte man mitgeteilt, es werde am heutigen Samstag nur ein Rennen geben.
Und erneut machten Robineau, Janiec und Lenz keinen Hehl daraus, dass sie hier die Podiumsplätze unter sich ausmachen wollten. Da sie ein bis eineinhalb Sekunden vor den nächsten Verfolgern lagen, fuhren sie gleich wieder in die Boxengasse, um Reifen zu schonen.
Diesem Beispiel folgten anschließend auch noch diverse andere, schließlich galt es ja auch nur, sich für die SuperPole der Top-Ten zu qualifizieren.
Hier war man dann schon leicht überrascht, wie locker Robineau die 1:43er-Marke unterbot.
An 1:42,577 kam niemand heran, Janiec brauchte knapp 4 Zehntel mehr. Renault-Pilot Lionel Montagne brauchte schon rund eine Sekunde mehr als der Polesetter und jagte Lenz dennoch um 8 Hundertstel Startplatz 3 ab.
Als dann endlich das erste und auch einzige Rennen des heutigen Tages anstand wurde es langsam dunkel. Es war kurz vor Sonnenuntergang, und der Himmel war im Gegensatz zu den vorherigen Tagen stark bewölkt.
Janiec kam beim Start wesentlich besser in die Puschen, jagte Polesetter Robineau schon am Start die Führung ab, und gab sie bis zum Zieleinlauf nicht mehr her. In den letzten Runden kam der zu dem Zeitpunkt das Championat noch anführende Robineau einige Male ganz dicht auf, klopfte auch mal schon mal an, doch eine echte Überholchance bot sich ihm nie.
Hinter dem Führungsduo kämpfte ein zweites Pärchen um den 3. Podiumsplatz, Renault-Pilot Montagne, derzeit auch Dritter in der Französischen Meisterschaft und Gastpilot Lenz.
Der Deutsche ordnete sich mit seinem MAN erst einmal hinter Montagne ein. In der Folgezeit setzte er zwar gelegentlich zu leichten Überholversuchen an – aber nur dort, wo keinerlei Karambolagegefahr bestand, schließlich wollte er die Meisterschaftsentscheidung in keiner Weise beeinflussen. Andererseits fährt Lenz auch hier mit dem kleineren Air Restrictor aus der Europameisterschaft. In der Französischen Meisterschaft wird aber weiterhin der größere gefahren, wie er früher auch in der EM üblich war. Dieser, so schätzt man, verschafft dem Motor 80 Mehr-PS, vielleicht aber auch noch mehr. Beim Beschleunigen fehlt dem Lenz-MAN dann im Vergleich zur Konkurrenz einfach die Power von unten heraus.
Vorab war das Handicap ja schon deutlich geworden, als die französischen Piloten, die gelegentlich ja auch bei EM-Läufen gestartet sind und dort rund ein bis zwei Sekunden langsamer waren als Lenz, hier – wenn meist auch nur unwesentlich – schneller fuhren.
So musste Lenz sich schließlich mit dem vierten Platz zufrieden geben. Und dann gab es noch ein Kampf-Duo, dabei ging es um die Punkte für den 4. Platz in der Meisterschaft.
Der für das französische Team 14 fahrende Renault-Pilot Gregory Ostaszewski passierte schließlich ganz knapp die Ziellinie vor Janiecs Lion-Teamkollegen Teo Calvet.
Da es kein zweites Tagesrennen mehr gab, geht Janiec nun in den letzten Tag der Meisterschaft mit einem Vorsprung von gerade mal 4,5 Punkten – dreißig kann man aber noch gewinnen, wenn beide Rennen gefahren werden.

Impressionen:

Championat de France Camions - Der Samstag in Albi
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