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Misano Vorbericht

Misano Vorbericht

23. Mai 2018Nachdem die britischen Truckracer schon vor einigen Wochen in Brands Hatch und die französischen vor wenigen Tagen in Le Castellet ihren Saisonauftakt feierten, steht am kommenden Wochenende auf dem Misano World Circuit an der italienischen Adria nun auch der Saisonstart der FIA European Truck Racing Championship an. Ein solch großes Feld mit 21 RaceTrucks hat es zuletzt beim Truck Grand Prix am Nürburgring gegeben, selten aber in Misano. Allein schon das verspricht packende Kämpfe, in der Spitzengruppe, im Mittelfeld und auch in den weiter hinten liegenden Fahrergruppen, jenseits von Platz zehn. Auch wenn es da keine FIA-Punkte mehr zu gewinnen gibt, so möchte doch eigentlich niemand Letzter werden, zumal ja einige dieser Piloten auch um Punkte für den „Grammer Truck Cup“, den früheren Promoter’s Cup, fahren.
Das Fahrerlager in Misano ist zwar erheblich vergrößert worden, aber für die vielen Teams reicht es nun so gerade. Bekanntlich ist der Platzbedarf der Teams beim Truckracing ja auch etwas größer als bei den Tourenwagen oder gar bei den Motorrädern. Die andere Seite des Paddocks gehört seit jeher den Decorated Trucks, die schon immer ein fester und höchst populärer Teil des jährlichen Truckracing-Events in Misano waren.
Zum Begucken und zum Staunen gibt es im Paddock also eine ganze Menge, aber im Vordergrund stehen natürlich die Rennen.
Als Meisterschaftsfavoriten gelten in erster Linie Titelverteidiger Adam Lacko (CZE) mit seinem Buggyra Freightliner und der vierfache Europa-Champion Jochen Hahn (GER) auf einem völlig neu gebauten Iveco. Überhaupt ist Iveco in seinem Heimatland sehr stark vertreten. Für das Ulmer Team Schwabentruck geht in diesem Jahr die – erneut – einzige Dame im Truckracing-Feld, Steffi Halm, an den Start. Ihr deutscher Landsmann und Vorgänger bei Schwabentruck, der dreifache Europameister Gerd Körber, will sie in Misano als Gastfahrer kräftig unterstützen, und mit André Kursim sitzt noch ein weiterer Deutscher im Cockpit eines italienischen Renners.
Kursims früheres tankpool24-Team schickt erneut den zweifachen Champion Norbert Kiss aus Ungarn ins Rennen um den Titel, mit dem das Mercedes-Team in den letzten beiden Jahren beinahe einen Quantensprung erlebt hat. Den zweiten Mercedes-RaceTruck, die in diesem Jahr in dem tiefen Schwarz des neuen Teampartners Roadstars glänzen, fährt der Deutsche Steffen Faas. In der vergangenen Saison hat der Schwabe als Gastfahrer eines Schwabentruck-Ivecos nicht nur schon Erfahrung, sondern direkt auch ein paar FIA-Punkte sammeln können.
Den größten Teil an RaceTrucks stellt aber weiterhin MAN, mit zwölf nicht nur farblich sehr gemischten Rennern. Die Speerspitze der Münchner bilden die beiden Deutschen René Reinert und Sascha Lenz sowie der dreifache Champion Antonio Albacete (ESP). Allen drei Piloten werden echte Siegchancen eingeräumt. Von den übrigen MAN-lern dürfte man die beiden Engländer Ryan Smith und Shane Brereton sicherlich auch mal auf dem Podium erwarten.
Überhaupt sind die Piloten von der Insel in Misano ganz stark vertreten, nach den sieben Deutschen stellen sie mit fünf Racern das stärkste Kontingent. Dazu gesellen sich je zwei Tschechen, Franzosen und Spanier, sowie ein Ungar, ein Holländer und ein Portugiese.
Genauso international wie das Teilnehmerfeld ist auch die Touristenhochburg um Rimini und Misano aufgestellt. Wenn man also mal etwas Abstand vom Renngeschehen und lauten Motoren haben möchte, es gibt zahlreiche weitere Attraktionen – und Ende Mai sind die auch noch nicht so überlaufen. Eine Reise lohnt sich also immer, zumal auch San Marino fast um die Ecke liegt.