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Misano Drumherum

Misano Drumherum

03. Juni 2016Der zweite Lauf zur FIA European Truck Racing Championship auf dem Misano World Circuit wurde dann doch nicht so ganz das Schönwetter-Event, das die Truckracer an der italienischen Adria eigentlich erwartet hatten. Allerdings wissen die Truckracer spätestens seit dem letzten Jahr, als es nur geregnet hatte, auch Misano bietet keine Garantie für Sonne pur.
Der Samstag war genauso wie erhofft, am Sonntagvormittag herrschte auch noch bestes Rennwetter, und mittags gingen über den Misano World Ciruit heftige mit Gewitter verbundene Schauer runter.
Doch wer nach den Erfahrungen von Spielberg gemeint hatte, trocken bedeutet Vorteil für Jochen Hahn, nass für Adam Lacko, der musste sich eines Besseren belehren lassen.
Lacko gewann neben einem Regenrennen die beiden Rennen im Trockenen, Hahn aber eben auch ein Rennen auf nasser Piste. So wie der Tscheche nun für trockene Verhältnisse ein wesentlich besseres Setup gefunden hatte, so war es bei Hahn im Nassen. War der MAN-Pilot aus Altensteig in Spielberg auf der nassen Piste einem wie auf Schienen fahrenden Lacko noch mit Abstand hinterher geschliddert, so folgte er auch im Regenrennen Lackos Buggyra Freightliner bis zum Schluss wie ein Schatten. Ausschlaggebend für den Sieg des Tschechen war einfach seine Polepostion.
Und im letzten Rennen des Wochenendes, auf weiterhin nicht optimalem „Geläuf“, fuhr Hahn so dominant, dass nun endgültig klar ist, der MAN des dreifachen Champions ist nicht nur ein Schönwetter-Auto.
Ebenso klar schält sich derzeit heraus, Hahn und Lacko sind die beiden heißesten Titelanwärter.
Als dritte Kraft präsentierte sich in Spielberg Hahns Reinert Adventure Teamkollege René Reinert, und auch wenn es auf den ersten Blick den Ergebnissen nach anders scheinen sollte, hat sich das in Misano bestätigt.
In der Sonntagsqualifikation hatte der deutsche MAN-Pilot mit dem Lenkungsschaden großes Pech, sonst wäre sicherlich noch ein Podiumsplatz mehr raus gesprungen. So war es denn auch beeindruckend, wie Reinert vom letzten Starplatz des 16er-Feldes aus auf den 6. Platz vorpreschte, obwohl das sicher nicht sein Wetter war.
Aber in seinem „Schützling“ Steffi Halm, die ja auch für Reinert Racing an den Start geht, ist dem Lausitzer echte Konkurrenz gewachsen. So hat das Spitzenduo nun zwei hartnäckige Verfolger – Hahn gar noch aus seinen eigenen Reihen, denn sowohl das Reinert- als auch das Halm-Auto sind ja nun mal Hahn-Autos.
Und gelegentlich gesellt sich den „Top-Four“ dann auch noch mit Anthony Janiec ein weiterer MAN-Pilot dazu. Der Franzose weist sehr unterschiedliche Ergebnisse auf, entwickelt aber gerade im Nassen unheimliche Stärken. Und wenn er im zweiten Tagesrennen mit der umgekehrten Reihenfolge erst einmal weiter vorn ist, dann ist es auch für nominell stärkere RaceTrucks schwierig an Janiec vorbei zu kommen.
Das hat nicht nur Reinert erfahren auch sein Landsmann Gerd Körber hat sich auch schon in der Vergangenheit das eine oder andere Mal die Zähne an Janiec ausgebissen. Unabhängig davon, so wirklich zufrieden scheint das Schwabentruck-Team mit Körbers neuem Iveco auch noch nicht zu sein. Eigentlich brauchte man doch sehr viel mehr Testfahrten, die zweimal zwanzig Minuten Freies Training an einem Rennwochenende reichen letztendlich nicht aus, wenn man ein komplett neues Auto auf die Räder stellt.
Auch Norbert Kiss würde mehr Zeit zum Testen brauchen, auch wenn er in Misano schon alle überrascht hat. Dass der Ungar bereits an seinem zweiten Rennwochenende mit dem tankpool24-Mercedes aufs Treppchen fahren würde, damit hatten selbst die größten Optimisten im MB-Motorsport-Team nicht gerechnet.
Auffallend war – auch schon in Spielberg, dass Kiss von den Freien Trainings bis dann eben zu den Wertungsläufen sich jeweils massiv steigern konnte, in dem Mercedes-RaceTruck scheint noch erhebliches Potential zu stecken.
Tradition haben in Misano seit jeher die „Decorated Trucks“, und auch diesmal standen sie am Samstagabend wieder im Focus der Besucher. Schade nur, dass sie ihr Korso über die Rennstrecke erst angesetzt war, als die meisten Besucher schon längst wieder auf dem Heimweg waren.

Impressionen:

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