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Truck Grand Prix Drumherum

Truck Grand Prix Drumherum

04. Juli 2015Da sei ja wohl viel Lärm um nichts gemacht worden, mussten sich manche von denen, die zuvor noch beim 4. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship in Nogaro gewesen waren und dann in aller Eile die rund 1.300 Kilometer von Südfrankreich in die Eifel hinter sich gebracht, gelegentlich anhören; es seien doch alle besten am Ring angekommen.
Tatsächlich war alles relativ problemlos verlaufen, keine Staus, kein Unfall, aber eben auch kein Sicherheitspolster, wenn es tatsächlich Verzögerungen gegeben hätte.
In Nogaro hatte es glücklicherweise eben auch niemanden wirklich ernsthaft erwischt, es gab nur die üblichen Blessuren, die schon mal so „zwischen Tür und Angel“ behoben werden. Andererseits haben ja auch Teams auf einen Start in Nogaro verzichtet – nicht zuletzt auf Geheiß ihrer Sponsoren – um beim 5. Lauf zut FIA ETRC, dem Truck Grand Prix am Ring, dem jährlichen Höhepunkt der Truckracingsaison, unbeschadet an den Start gehen zu können.
Und dann hat es eben auch noch einige Teams gegeben, die schweren Herzens auf den TGP verzichten haben, weil sie Starts in Nogaro und am Ring personell und zeitlich einfach nicht stemmen konnten.
Umso bemerkenswerter die Leistung des französischen Teams Robineau, das erst als eines der letzten im Paddock eintraf. In Nogaro war der rote MAN mit Thomas Robineau in den Rennen der Französischen Meisterschaft gestartet. Dort hatte man sich einen Defekt an der Vorderachse eingefangen und fuhr zum Achsentausch noch in die heimatlichen Werkstätten in der Nähe von Le Mans.
Am Ring fuhr dann Bruder Jeremy den RaceTruck mit der Nr. 83 in den FIA ETRC-Rennen und Thomas im Mittelrhein-Cup, und der stand tatsächlich nach jedem der drei Rennen auf dem Podium, nacheinander auf Drei, Zwei und Eins. Der MAN-RaceTruck wurde gar nicht mehr kalt und hat diese Dauerbelastung klaglos überstanden.
Der Niederländer Erwin Kleinnagelvoort war mit seinem Scania auch bereits in Nogaro in den FIA-Rennen am Start und ließ es sich dennoch nicht nehmen, auch am Ring als Doppelstarter – FIA RTRC und Mittelrhein Cup – anzutreten.
Ebenso schien Sascha Lenz vom Truckracing nicht genug bekommen, er absolvierte insgesamt sieben Rennen plus Training und Zeittraining und gewann als Dreingabe auch noch den Go&Stop-Wettbewerb. Der junge Deutsche wäre auch gern in Nogaro dabei gewesen, da war sein MAN allerdings noch in der Rekonvaleszenz-Phase. Nach dem schweren Crash in Misano, musste das komplette Chassis erneuert werden.
Es waren – zumindest in den Rennen der FIA ETRC – zwar nicht ganz so viele Trucks am Start wie gewohnt, aber dennoch wurde den insgesamt 114.000 Fans bei herrlichstem Sommerwetter bester und spannender Truckracing-Sport geboten.
Wenn die RaceTrucks nicht auf der Piste bestaunt werden konnten, dann besuchte sie man einfach mal im Paddock.
Das war zeitweise so proppenvoll, dass kaum mehr ein Durchkommen war.
Auch die Hersteller und Zulieferer, die ja ihre Zelte und Ausstellungsflächen in der zweiten Fahrerlagerstraße aufgebaut hatten, konnten sich über mangelndes Interesse nicht beklagen.
Bei einem Stand konnte man das Glücksrad drehen und natürlich auch etwas gewinnen.
Zeitweise standen dort Schlangen aus weit mehr als hundert Leuten, und dennoch ging alles extrem relaxed zu.
Nicht ganz so relaxed war es in den Rennen der FIA ETRC.
Der Ungar Norbert Kiss scheint einfach nicht zu stoppen, der MAN-Pilot steuert schnurstracks auf die Verteidigung seines im letzten Jahres gewonnen EM-Titels zu.
Wieder einmal holte er mehr Punkte als die Konkurrenz und konnte seinen Vorsprung im Championat gar noch ausbauen. Dabei hatten sich die Verfolger doch vorgenommen, den Abstand in der Fahrerwertung zu verkürzen.
Insbesondere der Altensteiger Jochen Hahn hatte sich viel vorgenommen bei seinem Heimatrennen. Doch gerade das, was zum krönenden Abschluss werden sollte, das letzte Rennen, endete schon nach wenigen Metern bei der Einfahrt in die Mercedesarena in einem Fiasko. Rennen zu Ende und Null Punkte, ebenso wie für seine Landmännin Steffi Halm, die ja auf dem MAN unterwegs war, der in diesem Jahr eigentlich als Double für Hahns RaceTruck bei Messen und Ausstellungen vorgesehen war.
Und auch die zweite Lady im Feld, Ellen Lohr, hatte schon am Samstag kräftig einstecken müssen, als sie mit dem tschechischen Buggyra-Piloten Adam Lacko extrem spektakulär aneinander geriet.
Überhaupt lief es für die deutschen Pilotinnen und Piloten, immerhin acht an der Zahl – damit stellten sie fast die Hälfte des Fahrerfeldes – gar nicht so gut beim Heim-Grand-Prix, von Gerd Körber einmal abgesehen. Der Race-by-Race-Pilot fuhr mit seinem Schwabentruck-Iveco gleich zweimal aufs Podium.
Wer sich all das noch einmal zu Gemüte führen möchte, dem sei die 13-Minuten-Fassung des TRO-Video-Reports vom TGP auf „truckrace.tv“. empfohlen.
Ganz schlecht lief es schließlich dann noch für einige englische Teams als der Truck Grand Prix schon vorbei, bei der Heimreise. Mit Vierzehn Trucks – beim Mittelrhein-Cup – stellten die Briten zahlenmäßig überhaupt die größte Nation. Die, die über Calais nach Hause fahren wollten, gerieten dann in einen Streik der Fährarbeiter, wodurch auch die Fahrten durch den Eurotunnel immer wieder ins Stocken gerieten. Noch bis kommenden Montag soll der Streik dauern, nach Angaben der „DVZ-Deutsche Verkehrs-Zeitung“ ist die LKW-Schlange mittlerweile mehr als 100 km lang und reicht fast bis zur belgischen Grenze.
Und all das bei Temperaturen von weit über 30 Grad.

Impressionen:

Truck Grand Prix Drumherum
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