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Zolder Vorbericht

Zolder Vorbericht

18. September 2013180 Punkte kann man in den restlichen drei Läufen zur FIA European Truck Racing Championship noch gewinnen, wenn alles optimal läuft. Rein rechnerisch hätte somit gar der aktuell Siebtplatzierte, der Schweizer Markus Bösiger (MKR-Renault), noch Titelchancen. Tatsächlich läuft aber alles auf ein Duell zwischen dem derzeit im Gesamtklassement führenden Spanier Antonio Albacete und dem deutschen Titelverteidiger Jochen Hahn hinaus. Gerade mal sieben Pünktchen liegen die beiden MAN-Piloten auseinander. Und wenn die Zwei auf der Zielgeraden der Saison vom Pech geradezu verfolgt sein sollten, steht mit Markus Oestreich noch ein dritter MAN-Pilot parat. Also der Titel dürfte der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg nicht mehr zu nehmen sein.
Und auch in der Teamwertung liegen mit Truck Sport Lutz Bernau (Albacete / Oestreich) und Castrol Team Hahn Racing (Hahn / Mäkinen) zwei MAN-Teams realistisch gesehen uneinholbar an der Spitze.
Das hatte man sich beim zweimaligen Team-Europameister MKR-Renault zu Beginn der Saison sicher anders vorgestellt. Allgemein war erwartete worden, dass MKR bei den Entscheidungen beider Championate ein ernsthaftes Wörtchen würde mitreden können. Und nun liegt in der Einzelwertung mit dem Buggyra-Freightliner von David Vrsecky (CZE) sogar noch ein weiteres Fabrikat vor den besten Renaults von Adam Lacko (CZE) und Bösiger. Da gilt weiterhin die Devise, die man bei MKR auch schon in Most gut umsetzen konnte, Podiumsplätze einzufahren. Mit etwas Glück könnte es auch mal wieder fürs oberste Treppchen reichen.
Und Zolder ist für die MKR-Piloten in der Vergangenheit nicht gerade das schlechteste Pflaster gewesen. Erinnert sei da nur an den denkwürdigen haushoch überlegenen Doppelsieg von 2010. Nur damals hatte es in Strömen geregnet - und es gab auch noch nicht den zugelosten Einheitsreifen. Diesmal wird es nun wahrscheinlich trocken bleiben, und mittlerweile gibt es zwischen den zugelosten Reifen auch kaum mehr Unterschiede.
Dennoch müsste es Bösiger und Lacko ebenso wie Vrsecky – zumindest in den zweiten Tagesrennen mit der umgekehrten Startaufstellung der Top 8 – eigentlich schon gelingen der übermächtig erscheinenden MAN-Phalanx Paroli zu bieten.
Momentan liegt – zumindest uns – zwar noch keine Entry-List vor, doch es ist bekannt, dass auch das beim letzten Rennwochenende im tschechischen Most so arg gebeutelte tankpool24-Team wieder dabei sein wird. Man hat es in Nürtingen geschafft, die gravierenden Schäden an beiden Motoren des Mercedes-Benz-RaceTrucks zu analysieren und auch zu beheben. Dies musste in langer Feierabendarbeit erledigt werden, denn alle Teammitglieder sind hauptberuflich ja anderweitig tätig und schrauben bei MB-Motorsport nur in ihrer Freizeit. Bei soviel Engagement hat es sich Hauptsponsor tankpool24 denn auch nicht nehmen lassen, mit einer zusätzlichen Prämie zumindest den finanziellen Schaden in Grenzen zu halten, denn einer der beiden Motoren, die in Most den Geist aufgegeben hatten, war gerade erst für sehr viel Geld revidiert worden. Die in Zolder traditionell vielen deutschen Fans wird es jedenfalls freuen, ihre Ellen Lohr nicht nur in Zivil neben einem nicht einsatzfähigen Truck, sondern auch wieder im Rennoverall im RaceTruck sitzend auf der Piste zu sehen.
Die vielen Fans von „Mr.Truckracing“ Gerd Körber werden allerdings vergeblich nach seinem Iveco Ausschau halten. Der frühere Europameister geht auch in dieser Saison wieder als Race-by-Race-Pilot an den Start. Das Budget war von vornherein auf insgesamt 4 Events ausgelegt, denn auch das Ulmer Schwabentruck-Team besteht wie das tankpool24-Team aus lauter „Ehrenamtlichen“. Und gerade diese Teams ohne Werksunterstützung haben es natürlich ausgesprochen schwer, gerade auch finanziell mit den Top-Teams mitzuhalten. Dabei hat das Schwabentruck-Team noch das Glück, dass bei der Iveco-Motorenentwicklung im schweizerischen Arbon ja auch Werksmotoren für die Dakar-Rallye gebaut werden. Von diesen Erfahrungen können Körber und seine Jungs hervorragend profitieren. „Mr.Truckracing“ dankt es, indem er bei seinen gerade mal drei Starts schon 24 Punkte eingeheimst hat und damit als Race-by-Race-Pilot immerhin 10 permanente FIA-Starter hinter sich lassen konnte.
Und noch einen weiteren deutschen Publikumsliebling werden die Fans leider in Zolder vermissen, Stephanie Halm. Die junge Pilotin ist ja amtierende Französische Meisterin – ihr MAN-Lion-Team ist in Lyon zuhause – und liegt auch in diesem Jahr wieder auf Titelkurs. Und warum auch immer hat man in Frankreich exakt zum Zeitpunkt des 8.Laufs zur FIA ETRC in Zolder den 4. Lauf zur nationalen Französischen Meisterschaft in Charade angesetzt.
Dennoch werden die Fans auf ihre Kosten kommen, zumal Petrus den Truckracern offenbar gnädig gestimmt ist. Bei Temperaturen um die 20-Grad-Marke lässt es sich bestimmt gut aushalten – wenn auch für nachts gerade noch einstellige Temperaturwerte angekündigt sind. Aber es soll das ganze Wochenende über trocken bleiben, also beste Voraussetzung für einen Besuch des Circuit Zolder, zumal an den Tageskassen noch ausreichend Tickets vorhanden sind.

Impressionen:

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