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Red Bull Ring Vorbericht

Red Bull Ring Vorbericht

03. Juli 2013Zehn Jahre ist es nun her, dass die Truckracer das letzte Mal ein Rennen im österreichischen Spielberg gefahren sind. (Wer in Erinnerungen schwelgen möchte, hat dazu auf Facebook unter TruckRacingInformation beste Gelegenheit.) Damals hieß der Österreichring noch A 1-Ring, mittlerweile ist es ja der Red Bull Ring. Seitdem hat sich in der FIA European Truck Racing Championship viel geändert. Die seinerzeit noch die Tuckracing-Weekends dominierenden SuperRaceTrucks gibt es schon lange nicht mehr, nun stehen die seriennäheren RaceTrucks im Focus. Denn obwohl sie eine Tonne mehr auf die Waage bringen und (nominell) rund 400 bis 500 PS weniger unter der Haube haben, sind sie mittlerweile auf den meisten Pisten genauso schnell wie die einstige Truckracing-Königsklasse.
Auf jeden Fall ging es bei den RaceTrucks immer schon freundschaftlicher und lustiger zu – auch vor 10 Jahren noch am damaligen A 1-Ring. Nach dem das erste offizielle Foto der RaceTruck-Piloten – bis dahin gab es das nur bei den SuperRaceTrucks !!! – im Kasten war, zogen sich die beiden Franzosen Dominique Orsini und Marco Gauthier unbemerkt zurück und standen plötzlich ganz ohne da. Sie hatten nur noch ihren Helm dabei und schützten damit ihr wertvollstes Körperteil. Das Foto ging um die Welt.
Orsini ist heute noch dabei und fährt abwechselnd mit seinem Sohn Florian den tankpool24-Mercedes mit der Startnummer 19. Als die Sprache in Nogaro auf das nächste Rennen in Österreich kam, meinte Dominique schmunzelnd, ob wir dieses Foto denn noch hätten – wir haben es.
Trotz all dieser Späße steht auch weiterhin der Kampf um die Meisterschaft im Vordergrund – und hier geht es ausgesprochen spannend zu. Die drei MAN-Piloten Jochen Hahn (GER), Antonio Albacete (ESP) und Markus Oestreich (GER) führen das Klassement an und liegen mit 118, 116 und 101 Punkten ganz dicht beieinander. Hinter dem derzeitigen Überraschungsvierten David Vrsecky (CZE) – so stark hatte man den Buggyra-Piloten und zweimaligen Europameister vor der Saison kaum eingeschätzt – folgt mit dem Ungar Norbert Kiss der nächste MAN-Pilot, im Vorfeld schon vielfach als Geheimfavorit bezeichnet. Dazu kommen dann noch die beiden gerade durch das Pech im ersten Rennen von Nogaro punktemäßig etwas zurückgefallenen beiden Renault-Piloten Adam Lacko (CZE) und Markus Bösiger (SUI), so viele potentielle Siegfahrer gab es lange nicht mehr.
Insgesamt sind für die Rennen auf dem Red Bull Ring 20 Piloten gemeldet. Von den FIA-Fahrern haben sich der Russe Iurii Egorov (Buggyra Freightliner) und der französische MAN-Pilot Jeremy Robineau abgemeldet, dazu kommt der Österreicher Markus Altenstrasser auf einem Schwabentruck-Iveco als einziger Race-by-Race-Pilot.
Wer sich den Zeitplan ansieht, bemerkt gleich, wie beim Truck Grand Prix am Ring gibt es hier keine Minute Pause. Dazu kommen parallel und natürlich auch am späten Abend noch Musikevents. Tatsächlich zeichnen für die Truck Race Trophy einige Leute mitverantwortlich, die auch jahrelange Erfahrungen mit dem TGP am Ring haben sammeln können.
Die extrem zeitliche Nähe ist es aber, die den Organisatoren der nicht nur für die deutschen und deutschsprachigen Truckracingfans absoluten Saisonhöhepunkte etwas Sorgen bereiten könnte. Denn es wird kaum ein Fan mal eben die fast 900 Kilometer zwischen der Steiermark und der Eifel fahren, um seine Truckracer innerhalb einer Woche gleich zweimal sehen zu können. So nimmt man sich gegenseitig die Zuschauer weg. Auch für die Teams ist diese Konstellation nicht ganz einfach.
Erstens muss man am Dienstagabend, wenn sich das Paddock-Tor für die Truckracer am Nürburgring öffnet – vorher gibt die Formula One Association das Fahrerlager nicht frei – schon in der Eifel sein, und zweitens hat sich für einen Piloten der TGP, für alle eigentlich ein absolutes Muss, erledigt, sollte er sich am Red Bull Ring einen kapitalen Schaden welcher Art auch immer eingefangen haben.
Mit diesem Kalender scheint niemand so richtig glücklich, nicht die Fans, nicht die Veranstalter und erst recht nicht die Teilnehmer.
Wenn schon nicht die Planer bei der FIA so scheint zumindest der Wettergott es mit den Truckracern gut zu meinen. Heute Abend gingen zwar noch einige kurze Schauer über Spielberg nieder, doch für den Rest des Wochenendes sieht die Prognose sehr gut aus, so um die 25 Grad und eigentlich immer trocken.

Impressionen:

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