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Der Samstag in Nogaro – Teil 2

Der Samstag in Nogaro – Teil 2

15. Juni 2013Nogaro - Nach der Mittagspause ging es dann pünktlich um 14:00 mit dem ersten Rennen los. Zwischenzeitlich war die Wolkendecke aufgebrochen, die 25-Grad-Marke längst geknackt. Die Sonne gewann mehr und mehr die Oberhand, und dann brannte sie unerbärmlich. Die Startaufstellung für das Rennen änderte sich noch etwas, denn Reinert hatte ja noch seine Strafe vom letzten Auftritt in Navarra zu verbüßen. So musste der Deutsche statt vom 9. nun vom 14.Startplatz aus ins Rennen gehen.
Die ersten Kurven nach dem Start auf dem Circuit Paul Armagnac haben es in sich, da ist schon so manches Rennen frühzeitig entschieden worden. Diesmal lief aber alles so manierlich ab, als wolle man die Rennkommissare nach den harten Entscheidungen von Navarra gar nicht erst noch weiter reizen. Aber am Ende der endlos langen Gegengeraden, noch bevor es in die langgezogene 180-Grad-Kehre geht, krachte es dann doch. Vrsecky und Bösiger hatten nach dem Start die Plätze getauscht. Auf der langen Geraden zog der Buggyra-Pilot dann hinter dem Schweizer von links nach rechts, so hätte er am Ende vielleicht auf der kürzeren Innenbahn wieder an Bösiger vorbeiziehen können. Doch nun lag neben Vrsecky schon dessen Landsmann Lacko. Der wurde aufs Gras gedrückt, drehte sich leicht, donnerte dann seinem Teamkollegen Bösiger in die Seite, und dessen Truck drehte sich schließlich um die eigene Achse. Das Feld dahinter geriet heftig ins Stocken, das Führungsquartett mit Albacete, Hahn, Kiss und Oestreich vergrößerte derweil seinen Vorsprung und beendete in der Reihenfolge auch das Rennen. Mäkinen war auf den 5. Platz vorgerückt, und den brachte der Finne am Ende auch völlig unbedrängt ins Ziel.
Nur wenige 100 Meter nach dem Crash der beiden Renaults raste in einer scharfen Linkskurve Lackos Renault scheinbar nicht mehr lenkbar auf die Mauer zu. Während einer langen Bergungsphase wurde dann nur noch mit gebremstem Schaum gefahren. Nach Lacko musste dann auch Bösiger die Segel streichen, so war innerhalb kürzester Zeit das komplette MKR-Renault-Team eliminiert worden. Nach Angaben von Teamchef Mario Kress hatte der eine eine defekte Vorder- und der andere eine zerstörte Hinterachse. Der Aufwand war denn tatsächlich so groß, dass sich der heutige Renntag für die MKR-Trucks erledigt hatte.
Das Rennen war so aber auch praktisch schon entschieden, einzig um die Positionen 6 und folgende wurde noch eifrig, aber letztendlich doch eher zurückhaltend gekämpft. Lange Zeit hielt sich hier Janiec an der Spitze einer Verfolgergruppe. Drei Runden vor Schluss ging Vrsecky am Franzosen vorbei, Janiec blieb da nur noch der 7. Platz. Auf dem 8. Rang passierte der spanische MAN-Pilot Javier Mariezcurrena die Ziellinie, was auch die Pole für das 2. Tagesrennen bedeutet hätte. Die TopTen der Punkteränge vervollständigten schließlich der Ungar Benedec Major (MAN) und Reinert.
Und dann gab es einmal mehr lange Diskussionen in der Rennkommission. Kurz vor dem Start des 2. Rennens stand dann das endgültige Ergebnis fest. Vrsecky – wegen des Unfalls – und Reinert – wegen Überholens unter gelber Flagge – erhielten je 30 Sekunden Strafe.
Damit fielen beide nicht nur aus den Punkterängen – zugunsten des Franzosen Jeremy Robineau (MAN) und des Belgiers Jean-Pierre Blaise (Renault) – sie mussten auch in der Startaufstellung weiter hinten Platz nehmen, Vrsecky auf der 11. Startposition und Reinert gar auf der 14.
Die Pole fiel an den ursprünglich neuntplatzierten jungen Ungar Major, und das mit ungeahnten Folgen. In der Startaufstellung neben dem 16jährigen Novizen im Truckracing lag der höchst erfahrene alte Truckracing-Haudegen Mariezcurrena. Eigentlich – so glaubte man – sei das Startduell somit schon entschieden. Doch Major kam nicht nur unbeschadet als Spitzenreiter aus dem Kurvengeschlängel kurz nach dem Start, er parierte auch souverän den Angriff des Spaniers auf der langen Gegengeraden. Und dann setzte Mariezcurrena in der langgezogenen 180-Grad-Kehre, wo im Rennen zuvor noch der folgenreiche Unfall passiert war, auf der Außenbahn zum Überholen an – und das klappte nicht so, wie er es sich wohl vorgestellt hatte. Mariezcurrena geriet ganz weit nach außen, Major sauste davon und die Verfolgermeute raste am Spanier vorbei.
Nun lag Janiec auf der 2. Position, und es passierte etwas, womit wohl niemand gerechnet. Der Truckrace-Rookie Major vergrößerte seinen Vorsprung vor den Verfolgern unaufhörlich und fuhr an seinem 3. Truckracing-Weekend schon seinem ersten Sieg entgegen. Hinter ihm verloren die Verfolger einfach zuviel Zeit, denn Janiec verteidigte mit aller Macht seine Position gegen die ihm an der Stoßstange klebenden – nominell eigentlichen schnelleren – Konkurrenten. So fuhr der Franzose auf einen von seinen Landsleuten viel umjubelten 2. Platz, der dritte Podiumsplatz ging an Oestreich. Auf den weiteren Positionen folgten Kiss, Albacete, Hahn, Mariezcurrena, Mäkinen, Vrsecky und Blaise, der als Zehnter die Punkteränge vervollständigte.
In der Fahrerwertung führt weiterhin Titelverteidiger Hahn mit nun 100 Punkten vor Albacete (90), Oestreich (82), Vrsecky (77), Kiss (65), Mäkinen (61), Lacko (58) und Bösiger (40).
Die Teamwertung holte sich im ersten Rennen Truck Sport Lutz Bernau (Albacete / Oestreich) vor Castrol Team Hahn Racing (Hahn / Mäkinen) und OXXO Energy Truck Race Team (Kiss / Major). Im zweiten Rennen lag OXXO vor Bernau und Team Blaise Janiec
(Janiec / Blaise).

Impressionen:

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