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Nogaro Vorbericht

Nogaro Vorbericht

12. Juni 2013Nicht einmal vier Wochen sind seit dem Saisonstart der FIA European Truck Racing Championship auf dem italienischen Misano World Circuit vergangen, und schon steht das dritte Rennwochenende an, in Südfrankreich auf dem Circuit Paul Armagnac von Nogaro. Manchen Teams und Piloten wäre es nur recht gewesen, wenn das letzte Rennen auf dem Circuito de Navarra und dieses hier in Nogaro binnen Wochenfrist statt gefunden hätten. Auf dem Weg von Nordspanien zurück in die Heimat kamen sie buchstäblich an Nogaro vorbei, man könnte sich so noch einmal gut zwei- bis dreitausend Kilometer an Wegstrecke sparen – und das zum Teil ja auch übe die sündhaften teuren französischen Autobahnen.
Wer es also einrichten konnte, der ließ sein Equipement oder eben Teile davon gleich in Nogaro an der Rennstrecke stehen. Da gibt es schon seit langem eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Circuit Paul Armagnac und den Truckracern. Denn auch als die spanischen Frühjahrsrennen noch in Albacete ausgefahren wurden, ließen manche Teams anschließend gleich ihre Trucks in Südfrankreich stehen.
Manch anderer brachte seine Fahrzeuge zum Firmengelände von TRO-Chef und FIA-Kordinator Fabien Calvet nach Toulouse. Wer seine Heimreise mit dem Flugzeug fortsetzen wollte, musste eh nach Toulouse. Einige wollten die Zeit zwischen den Rennen zu einem Kurzurlaub an der Atlantikküste nutzen. Anderen wiederum, gerade denen aus Tschechien war aber gar nicht nach Urlaub zumute, waren doch ihre Heimatorte und zum Teil auch ihre Häuser und Werkstätten vom Hochwasser bedroht.
Nun in Nogaro, dem 3.000-Seelen-Örtchen, das zum Truckracing jeweils immer rund zehn mal soviel Zuschauer erwartet, wie es Einwohner hat, werden sich alle FIA-Pilotinnen und -Piloten wiedertreffen, wenn auch nicht alle in den Rennen der EM-Läufe starten werden. Die deutsche MAN-Pilotin Stephanie Halm, Shooting-Star beim letzten Rennen in Navarra, ist Titelverteidigerin in der Französischen Meisterschaft. Nach dem ersten Rennwochenende hier liegt Steffi bereits wieder in Führung, und ihr französischer Rennstall, Lion-Racing aus Lyon, und auch einige der französischen Sponsoren möchten natürlich, dass die junge Deutsche sich den nationalen Titel auch in diesem Jahr holt.
Allerdings finden die Läufe zum „Coupe de France“ in Nogaro jeweils unmittelbar vor oder nach den FIA-Rennen. Allein zeitlich ist die Teilnahme an beiden Serien nicht zu schaffen, zudem wären acht Rennen am Wochenende plus Training und Zeittraining sowohl für die junge Pilotin als auch für den RaceTruck einfach zuviel. So vertritt in der FIA ETRC allein Steffies Landsmännin Ellen Lohr das weibliche Geschlecht gegen 21 männliche Konkurrenten. Neben der ansonsten kompletten FIA-Garde hat für Nogaro auch der spanische MAN-Pilot Javier Mariezcurrena gemeldet.
Ellen war in Navarra ja nicht dabei. Beim Saisonauftakt in Misano zeigte ihr tankpool24-Mercedes nach dem Neuaufbau in der Winterpause diverse Kinderkrankheiten. Und die hofft das Team von Markus Bauer nun in den Griff bekommen zu haben. Nur das schwäbische Privatteam hat zwischen den Rennen keine Möglichkeiten zum Ausprobieren. Die Pressefahrten am Freitag und die anschließenden Freien Trainings sind denn auch die ersten Testfahrten, in denen sich zeigen wird, ob das was man sich in der Theorie überlegt hat, sich in der Praxis auch bewähren wird.
Wer in dieser Saison wieder einen solchen anfänglichen Durchmarsch vom deutschen EM-Champion Jochen Hahn erwartet hatte wie im vergangenen Jahr, musste sich eines Besseren belehren lassen. Zwar führt der Titelverteidiger, dessen MAN-RaceTruck bisher noch keinen Ausfall zu beklagen hatte, die Gesamtwertung mit 5 Punkten Vorsprung vor dem Tschechen David Vrsecky (Buggyra Freightliner) an, doch 11 Punkt hinter Vrsecky teilen sich die vermeintlichen härtesten Konkurrenten Hahns im Titelkampf, die beiden MAN-Piloten aus dem Lutz-Bernau-Rennstall, Antonio Albacete (ESP) und Markus Oestreich (GER), mit je 64 Punkten den 3. Rang. Beide wurden schon von Ausfällen gebeutelt, und wenn Albacete nach der Kollision mit seinem ungarischen Markenkollegen Norbert Kiss im ersten Navarra-Rennen nicht ausgefallen wäre, läge er vermutlich schon jetzt in der Championatswertung mit Hahn gleichauf oder gar in Führung. Der EM-Titel 2013 scheint also von Anfang wesentlich härter umkämpft als im letzten Jahr, als Hahn zumindest in der ersten Saisonhälfte die Konkurrenz nach Belieben beherrschte.

Impressionen:

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