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Jarama Drumherum

Jarama Drumherum

19. Juni 20121990 wütete am Karnevalswochenende im Rheinland ein extremer Orkan. Die Karnevalsumzüge, zu dem in Köln Jahr für Jahr mehr als eine Millionen Besucher kommen, wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt. Am 1. Mai wurde dieses Spektakel mancherorts nachgeholt – aber, es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt, keine Atmosphäre, kaum Zuschauer. Und genau daran fühlten wir uns beim 3. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship am 2. Juniwochenende in Jarama erinnert. Das hatte nicht viel zu tun mit dem gewohnten Truckracing-Fest, das seit über einem viertel Jahrhundert jeweils Anfang Oktober auf der Traditionsstrecke im Norden von Madrid stattfindet. Dort wo sonst mehr als 60.000 enthusiastische Fans für eine euphorische Stimmung sorgen, verloren sich die 10.000 nun beinahe.
Im Paddock gab es kein einziges Sponsorenzelt. Auch das MKR-Renault-Team, das in jedem Fahrerlager den größten Platz einnimmt, verzichtete auf ein eigenes Zelt. Gerade bei der Vorstellung von Jarama im Oktober mutete all das schon seltsam an. Rennen gab es natürlich auch. Die MKR-Renaults mögen rein optisch etwas zu den beiden Spitzen-MAN aufgeschlossen haben, den Takt geben aber weiterhin Jochen Hahn (GER) und Antonio Albacete (ESP) vor. Wenn die beiden Titelfavoriten keine Fehler machen und auch keine technischen Probleme haben, müssen sich die Renault-Piloten derzeit noch mit den Plätzen zufrieden geben.
Mit Spannung erwartet war erstmals das Frankie OXXO Truck Racing Team dabei – allerdings nur mit zwei MAN-RaceTrucks. Insbesondere der Ungar Norbert Kiss schien gleich vorn mitmischen zu können, startete einmal gar von der Pole, hatte dann aber immer wieder mit Kupplungsproblemen zu kämpfen. Und als es auch bei Frankie Vojtisek (CZE) etwas besser lief, und der erste Punkt in Reichweite war, musste der noch jungfräulich weiße Renntruck mit plattem Hinterreifen abgestellt werden.
Es gab noch etwas Neues, ein lachender Mika Makinen. Der finnische MAN-Pilot gewann am Sonntagnachmittag erstmals ein Rennen in der FIA ETRC.
Schon am Vorabend durfte er sich schon mal kurzzeitig als Sieger fühlen, es gab unterschiedliche offizielle Ergebnisse, die für reichlich Irritationen sorgten.
Um 17:16 Uhr wurde die 1. (Provisional) Ergebnisliste von den zuständigen Rennkommissaren unterzeichnet. Es hieß aber auch, es werde noch beraten, möglicherweise würde sich das Endergebnis noch ändern.
Fast drei Stunden nach Rennende wurde dann im Paddock verbreitet, Sieger Albacete werde am folgenden Tag wegen Überholens unter gelber Flagge in der Startaufstellung um zwei nach hinten versetzt. Im Pressezentrum lag allerdings eine „Classificacion Oficial“ aus – von der Rennkommission unterzeichnet um 19:30 Uhr, auf der Mäkinen als Sieger aufgeführt worden war und Albacete nur noch den 3. Platz belegte. Und dieses offizielle Ergebnis wurde auch hier veröffentlicht – ganz im Vertrauen auf die Bezeichnung „Classificacion Oficial“ mit den Unterschriften der zuständigen Mitglieder der Rennkommission.
Das sorgte bei den Betroffenen für reichlich Unruhe, von den Verantwortlichen war aber niemand mehr vor Ort, um den Widerspruch klären zu können.
Am Sonntagmorgen wurde dann eine weitere „Classificacion Oficial“ veröffentlicht – von der Rennkommission unterzeichnet am Samstagabend um 19:00 Uhr, in der nun wieder Albacete als Sieger erschien. Dies wurde dann auch als einzig offizielles Endergebnis bezeichnet. Kurz später gab es dann allerdings noch einmal ein weiteres offizielles Endergebnis des 2. Rennens. Die Zeitnahme hatte zuvor wohl übersehen, dass der spanische Race-by-Race-Piloten auf dem 10.Platz – und damit letzten Punkterang – gut eine Minute langsamer war als der eigentliche Zehntplatzierte.