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Der Samstag in Jarama

Der Samstag in Jarama

01. Oktober 2011Jarama - Erneut zeigte sich der Himmel über Madrid strahlend blau. Gelegentlich gab es vielleicht mal ein paar kleine Schleierwölkchen, und so näherten sich die Temperaturen schnell wieder der 30-Grad-Marke. Im ersten Freien Training hatte die Piste kaum Grip, und so maß man dem Ergebnis, vier Renaults an der Spitze – Adam Lacko (CZE) vor Markus Oestreich (GER), Markus Bösiger (SUI) und Anthony Janiec (FRA), nicht sonderlich viel Bedeutung bei. Im zweiten Freien Training trat dann Bösiger wegen eines technischen Problems gar nicht an, Lacko schied nach wenigen Runden wegen eines Injektorschadens aus, und während sich die Konkurrenz massiv verbesserte blieb Janiec etwa auf gleichem Niveau. Das reichte dann nur noch zum 11.Platz. So blieb es allein Oestreich mit Bestzeit vorbehalten, die Renault-Fahne hochzuhalten.
Doch als es dann ernster wurde, beim 1. Zeittraining, waren zumindest die MKR-Renaults wieder ganz vorn dabei, mit Bösiger an der Spitze. Einzig MAN-Pilot Jochen Hahn (GER) konnte sich mit der zweitbesten Zeit in diese Spitzengruppe drängen. Hinter Lacko und Oestreich fuhren die beiden MAN-ler Antonio Albacete (ESP) und Norbert Kiss (HUN) auf die Plätze fünf und sechs, gefolgt von den beiden Buyggra-Freightliner-Piloten David Vrsecky (CZE) und Chris Levett (GBR). Zwei weitere MAN mit Uwe Nittel (GER) und Stuart Oliver (GBR) vervollständigten das Feld der Top-Ten, die sich für die SuperPole qualifizierten.
Und ganz ernst wird es für die Spitzenpiloten ja dann erst in eben dieser SuperPole, und da waren die Renaults wieder eine Klasse für sich. Hinter Polesetter Bösiger sicherten sich Oestreich und Lacko die nächsten Startplätze. Auf der 4. Position folgte Albacete vor Vrsecky, Hahn, Kiss, Levett, Nittel und Oliver.
Es ist allgemein bekannt, dass Bösiger zwar fährt wie ein Schweizer Uhrwerk, aber beim fliegenden Start häufig nicht so recht in die Puschen kommt. Doch diesmal ließ sich der Renault-Pilot nicht die Butter vom Brot nehmen. In der langgezogenen nahezu 180-Grad-Rechtskurve verteidigte der Schweizer seine Führung ganz souverän vor Oestreich und fuhr von da an einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen. Lacko hatte Albacete passieren lassen müssen, und dahinter gab es dann in eben dieser ominösen Kurve, die „Fangio“ heißt, ein fürchterliches Gerangel, in dessen Folge Kiss und Vsrecky heftig ineinander krachten. Der Freightliner des Tschechen stand stark mitgenommen gegen die Fahrtrichtung, und Vrsecky musste erst das ganze Feld passieren lassen, bevor er wieder Fahrt aufnehmen konnte. Hahn hatte großes Glück, entkam dem Ganzen unbeschadet und fand sich nun auf dem 5. Platz wieder, gefolgt von Oliver, der von der 10.Position aus nach vorn geschossen war. Während Bösiger ungefährdeter, als es letztendlich die dreieinhalb Sekunden Vorsprung ausdrücken, dem Ziel entgegen fuhr, wurde hinter dem Schweizer hart um die folgenden Plätze gefochten. Und immer wieder, wenn aus auch nur so schien, als könne Albacete nun endlich an Oestreich vorbeiziehen, ging ein Aufschrei durch die gut besetzten Tribünen – letztendlich meisterte der Renault-Pilot aber recht souverän jede Attacke des Spaniers. Und unmittelbar dahinter lagen ja noch Lacko und Hahn. Sie warteten förmlich darauf, dass sich die beiden Streithähne vor ihnen abschießen würden, um eben dann die frei werdenden Podestplätze einnehmen zu können. Doch dazu kam es dann doch nicht, sodass sich der Tscheche sich schließlich vor Hahn mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben musste.
Fünf Runden hielt Vrsecky die Tortur durch, sich mit dem waidwunden RaceTruck über die Piste zu quälen, dann gab er auf. Oliver wurde derweil von Levett und Nittel gejagt, und nach der Hälfte des Rennens waren sie dann auch am gelben MAN vorbei. Zwei Runden vor Schluss passierte Nittel dann auch noch den Freightliner-Piloten und lag nun auf dem 6. Platz. Oliver kam auf der 8. Position ein, der Engländer hatte damit auch die Pole fürs Folgerennen, in dem die acht Erstplatzierten ja in umgekehrter Reihenfolge an den Start gehen. Die beiden restlichen Punkteränge gingen an Janiec und den Spanier Jose Bermejo (MAN).
Und gerade hier in Spanien erregt eine junge Dame im Renntruck, dazu auch noch mit langen blonden Haaren, besondere Aufmerksamkeit. Steffi Halm war aber zuvor noch nie in Jarama gefahren. Die Strecke mit ihren haarigen Kurvenabschnitten, ihren Steigungen und kurzen, aber starken Gefällstrecken ist lernbedürftig, und die junge deutsche Mercedes-Pilotin lernte sehr schnell. Vom ersten Freien Training bis zum Zeittraining steigerte sie sich um fast 20 Sekunden. Dennoch gegen die Jarama-erfahrene Konkurrenz hatte sie es schwer. Umso begeisternder ihr Duell mit Javier Mariezcurrena (MAN) um den 16. Platz in dem übervollen 30er-Feld. Der Spanier fährt seit 15 Jahren Truckracing und hatte erst im Juni in Nogaro begeistert seinen ersten Sieg gefeiert. Und nun leistete dem alten Trucracing-Fuchs eine Truckracing-Novizin, deren RaceTruck zudem einige PS weniger unter der Haube hat erbitterten Widerstand. Doch in der „Le Mans“-„Farina“-Kurven-Kombination, verlor Halm etwas die Ideallinie, und Mariezcurrena stieß sofort in der engen Kurve, die danach noch leicht ansteigt, innen am Mercedes vorbei. Damit war dieser Zweikampf dann auch entschieden.
Im letzten Tagesrennen stand nun Oliver auf der Pole, vom Platz neben ihm startete Levett.
Von der vierten Position aus ging Hahn ins Rennen, gefolgt von Lacko, Albacete, Oestreich und Bösiger. Und schon kurz nach dem Start hatte sich das Bild unter dem Jubel der vielen Albacete-Fans drastisch verschoben. Noch lag Oliver vorn, doch dicht an seiner Stoßstange hingen bereits Albacete und Hahn. Und nach der zweiten Runde hatte der Spanier dann auch schon die Führung übernommen. Von da an wurde Oliver beinahe nach hinten durchgereicht, am Ende blieb dem Engländer nur der 11.Platz. Vorn fuhren Albacete und Hahn einem MAN-Doppel-Sieg entgegen. Etwa nach der Hälfte des Rennens gesellte sich noch Lacko dazu, und völlig ungefährdet von den Verfolgern fuhr dieses Trio im Sekundenabstand denn auch seine Podestplätze nach Hause. Dahinter wehrte sich Levett vehement gegen die offenbar etwas schnellere Konkurrenz. Drei Runden vor Schluss zog Nittel dann aber doch an ihm vorbei, die Renaultpiloten Bösiger und Oestreich konnte der Engländer aber weiterhin in Schach halten und auf die Plätze sechs und sieben verweisen. Die Top-Ten ergänzten schließlich Vrsecky, der nach seinem Ausfall im ersten Rennen vom 26.Platz aus gestartet war, Kiss und Janiec.
So kamen die ersten Zehn ins Ziel, doch anschließend hagelte es Strafen.
Vier Piloten wurden wegen Overspeeding mit Zeitstrafen zwischen 10 und 20 Sekunden belegt, fünf weitere wurden wegen mehrfachen Overspeeding gar disqualifiziert, Bermejo wurde wegen seiner Attacke gegen Mariezcurrena mit 30 zusätzlichen Sekunden bestraft.
Aus den Top-Ten betraf es nur Bösiger, der durch die 20 Zusatzsekunden auf den 11. Platz zurückfiel. Alle Folgenden rückten somit um einen Platz nach vorn, und Oliver holte sich nun mit dem 10.Rang den letzten Punkt.
Im Championat spitzt sich der Zweikampf zwischen Hahn und Albacete zu. Der Deutsche führt weiterhin mit nun 341 Punkten vor dem Spanier (319), Lacko (265), Oestreich (257), Bösiger (240) und Vrsecky (238).
Die Teamwertung ging im ersten Rennen an MKR-Technology (Bösiger / Oestreich) vor Cepsa-Trucksport Lutz Bernau (Albacete / Nittel) und MKR Team 14 Juniors (Lacko / Janiec). Im zweiten Rennen lag Cepsa-Trucksport Lutz Bernau vor MKR Team 14 Juniors und Buggyra (Vrsecky / Levett). Und auch hier gibt es einen ausgesprochen engen Zweikampf um den Titel, wobei Cepsa-Trucksport Lutz Bernau mit 612 Punkten knapp vor MKR-Technology (593) liegt – ein Team kann im Idealfall allerdings bis zum letzten Rennen noch 162 Punkte gewinnen.

Impressionen:

Der Samstag in Jarama
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