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Der Samstag in Zolder

Der Samstag in Zolder

17. September 2011Zolder - Mit dem sommerlichen Wetter war es zwar vorbei, doch bei gemächlichen Temperaturen blieb es wenigstens trocken – im Gegensatz zur Prognose der Wetterfrösche. Beim morgendlichen Freien Training überraschte der junge Ungar Norbert Kiss mit dem 10. Platz in beiden Läufen. Er fährt den OXXO-MAN an Stelle von Zoltan Birnbauer, der aus beruflichen und familiären Gründen sich erst einmal vom Truckracing verabschiedet hat, in den restlichen Rennen der Saison. Im ersten Zeittraining verpasste Kiss dann als Elfter die Top-Ten für die SuperPole um gerade mal 14 Hundertstel. Überhaupt lagen die ersten Trucks ungemein eng beieinander; nur 6 Zehntel trennten den Zehnten, den Tscheche Adam Lacko auf Renault, und den Schnellsten, den Spanier Antonio Albacete auf MAN. Hinter Renault-Pilot Markus Oestreich (GER) fuhr der zweite Überraschungsmann des Tages, Oeses Landsmann Gerd Körber auf Iveco, die drittschnellste Zeit. Andererseits waren manche Piloten schon nach nur einer schnellen Runde wieder in die Box gefahren, weil sie wohl meinten, sich damit schon sicher für die Top-Ten qualifiziert zu haben. Dass es am Ende noch so eng werden, damit hatte wohl kaum jemand gerechnet.
Das Feld für die SuperPole vervollständigten schließlich noch die drei MAN-ler Alex Lvov (RUS), Jochen Hahn und Uwe Nittel (beide GER), die beiden Freightliner-Piloten Chris Levett (GBR) und David Vrsecky (CZE) und der Schweizer Markus Bösiger (Renault). Richtig ernst wird es aber ja erst in der SuperPole, da steigerte sich Lacko, der ja gerade noch so eben in die Top-Ten gerutscht war, um mehr als zweieinhalb Sekunden, auf 1:57,018 Min. Da kam der Rest einfach nicht mehr mit, auch wenn man sich da teilweise auch noch drastisch steigern konnte. So holte sich denn schließlich Albacete neben Polesetter Lacko die zweite Startposition vor Bösiger, Oestreich, Hahn, Vrsecky, Nittel, Körber, Levett und Lvov.
Im folgenden Rennen nutzte Lacko seine Pole und übernahm direkt die Führung. Bei dem Getümmel in der ersten Kurve erwischte es Körber derart heftig, dass der Iveco stark in Mitleidenschaft gezogen schon nach der ersten Runde langsam in die Box dümpelte. Lacko baute derweil seinen Vorsprung leicht aus, nur Albacete konnte in etwa das Tempo des Renaultpiloten mitgehen. Doch dann schwächelte Lacko. Der Spanier zog nicht nur an ihm vorbei, sondern baute sukzessive seine Führung aus. Schließlich konnte auch noch Bösiger seinen mit Bremsproblemen kämpfenden Teamkollegen überholen und sich vor dem Tschechen den zweiten Podiumsplatz sichern.
Dahinter gab es einen ungeheuer spannenden Fight um die Plätze vier bis sieben. Nebeneinander stürmten schließlich nach zwölf Runden Oestreich, Vrsecky und Hahn – genau in der Reihenfolge – über die Ziellinie, und direkt an ihrer Stoßstange klebte dann auch noch Levett. Ein Superrennen fuhr Kiss. Nach dem Getümmel beim Start, bei dem nicht nur Körber, sondern auch Nittel kräftig Federn lassen musste, hatte er sich auf den 8. Platz vorgeschoben und verteidigte diesen souverän gegen einen permanent attackierenden Lvov. Und damit holte sich der Ungar an seinem ersten Renntag in der FIA European Truck Racing Championship gleich die Pole, schließlich starten die acht Erstplazierten im zweiten Tagesrennen ja in umgekehrter Reihenfolge. Der Franzose Jeremy Robineau (MAN) sicherte sich mit dem 10.Platz den letzten Punkterang.
Und natürlich stand auch wieder Stefanie Halm mit ihrem Mercedes-Benz im Focus der Medien und Zuschauer. Vom Streckensprecher wurde die junge Deutsche dann auch immer wieder als einzige „Amazone“ in der Truck-EM ganz besonders hervorgehoben. Doch bereits in der zweiten Runde war Steffi etwas sehr optimistisch in die scharfe Schikane vor der Zielgeraden eingebogen, verlor etwas die Kontrolle über ihren RaceTruck, drehte sich und geriet ins Kiesbett. Am Ende des Feldes musste sie sich dann aus dem Stand wieder einreihen. Schließlich gelang es ihr mit Sascha Lenz (GER) und Florian Orsini (FRA) zwar die beiden anderen Mercedes-Piloten im Feld wieder zu passieren, doch zu mehr als dem 19.Platz und der besten Platzierung der Trucks mit dem Stern reichte es dann doch nicht mehr.
Zum zweiten Tagesrennen hatte das Schwabentruck-Team Körbers Iveco wieder fit bekommen, dennoch blieb dem Rheinauer durch seinen frühen Ausfall nur der letzte Startplatz in dem engen 24er-Feld.
Vorn konzentrierten sich alle Augen auf Kiss. Wie würde der Rookie in seinem zweiten Truckrennen mit dem Druck der von hinten heranstürmenden Verfolgermeute zurecht kommen? Um es vorwegzunehmen, die Vorstellung des Ungarn war beeindruckend. Levett, seinen Partner in der ersten Startreihe, mit 27 Jahren zwar nur ein Jahr älter als der Ungar, aber mit der Erfahrung aus vielen RaceTruck-Schlachten behaftet, hatte der MAN-Pilot schnell abgehängt. Doch schon in der zweiten Runde stürmte Oestreich nach vorn. Mehr als 20 Jahre Truckracing hat der frühere Europameister schließlich auf dem – zugegebenermaßen sehr schmalen – Buckel, und mit dem MKR-Renault auch das sicherlich schnellere Auto. Dennoch brauchte Oese 9 Runden und schließlich auch etwas Brachialgewalt, um den jungen Ungarn zu knacken. Dann war es allerdings mit der Widerstandskraft von Kiss vorbei. Schließlich zogen auch noch Albacete und Lacko am schwarzen MAN vorbei und damit hinter Oestreich aufs Podium. Am Ende blieb dem Ungarn dann doch nur der undankbare 4. Platz. Das Zehnerfeld der Punkteränge vervollständigten schließlich Levett, Bösiger, Nittel, Vrsecky, Lvov und der Franzose Anthony Janiec (Renault).
Pech für Körber und Halm. „Mr.Truckracing“ hatte sich in kurzer Zeit schon an 9 Konkurrenten vorbeigekämpft, bevor ihn schließlich der Technikteufel stoppte. Ähnlich erging es Steffi Halm. Sieben zumeist wesentlich stärker motorisierte männliche Pilotenkollegen hatte sie hinter sich lassen können, als wenige Runden vor Schluss ihr Mercedes wegen eines Kabelbrands die Weiterfahrt verweigerte.
Auch wenn in der Gesamtwertung Hahn etwas von seinem Vorsprung eingebüßt hat, führt er das Championat mit 324 Punkten weiterhin souverän an vor Albacete (269), Lacko (234), Oestreich (222), Vrsecky (217), Bösiger (206) und Nittel (178).
Die Teamwertung ging in beiden Rennen an MKR-Technology (Bösiger / Oestreich) vor Cepsa-Trucksport Lutz Bernau (Albacete / Nittel) und MKR Team 14 Juniors (Lacko / Janiec).

Impressionen:

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