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Der Samstag am Smolenskring

Der Samstag am Smolenskring

30. Juli 2011Smolenskring - Schon am frühen Morgen strahlte die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel, das verhieß wieder einen sehr, sehr warmen Sommertag. Die Truckracer ließen es derweil etwas ruhiger angehen, ruhiger als ihnen eigentlich lieb war. Denn schon gleich in der Anfangsrunde zum 1. Freien Training stieg aus dem Renault von Adam Lacko (CZE) eine riesige weiße Wolke, das deutete auf Turboschaden. Und da der RaceTruck recht unglücklich stehen geblieben war, gab es auch schon die rote Flagge. Bis der Renault dann von der Strecke gezogen worden war, und es weitergehen konnte, war der Zeitplan schon gehörig durcheinander geraten. Davon jedoch völlig unbeeindruckt fuhren die TruckRacer anschließend eine Bestzeit nach der anderen. Am Ende hatte der MAN-Pilot Uwe Nittel (GER) die Nase vorn. Schnellster der Verfolgergruppe war der spanische Markenkollege Antonio Albacete. Auch im 2. Freien Training gaben die beiden Teamkollegen von Truck Sport Bernau wieder den Ton an, aber in umgekehrter Reihenfolge.
Großes Pech hatte Florian Orsini. Kurz vor Ende des Freien Trainings platzte am Mercedes des jungen Franzosen der Turbolader, und so konnte er auch nicht am Zeittraining teilnehmen.
Bis dahin war man dann auch wieder im Plan; die Pause war etwas verkürzt worden, eine kleine Eröffnungsfeier dem Zeitdruck ganz zum Opfer gefallen.
Aber auch im Zeittraining schien man noch Zeit einsparen zu wollen, was allerdings wenig Sinn gemacht hätte, denn es dauert nun mal 15 Minuten. Dennoch gaben sich fast alle Piloten mit einer einzigen gezeiteten Runde zufrieden, denn sie waren sich sicher, in den Top-Ten zu sein. Nur Stuart Oliver (GBR) auf seinem gelben MAN, der zwei Runden drehte, und der französische Renault-Pilot Anthony Janiec, der es sogar viermal versuchte, blieben etwas länger auf der Piste. Beide kämpften nämlich um den letzten Platz in der SuperPole, am Ende hatte der Engländer das bessere Ende für sich.
Und hier knüpfte Albacete da an, wo er zuvor aufgehört hatte, mit 1:51,741 Min. fuhr er die absolut beste Zeit. Etwas überraschend holte sich Buggyra-Pilot David Vrsecky den zweiten Startplatz vor dem die Saison so sehr dominierenden Jochen Hahn (GER), der mit seinem schwarzen MAN fast eine halbe Sekunde mehr brauchte als der Polesetter. Die restlichen Plätze gingen an Nittel, den Schweizer Markus Bösiger (Renault), Lacko, Buggyra-Pilot Chris Levett (GBR), den Lokalmatadoren Alex Lvov (MAN), Oliver und an Markus Oestreich (GER)auf Renault, dessen schnellsten Zeiten allerdings annulliert worden waren. Janiec startete vom 11.Platz aus, Orsini, dessen Truck wieder fahrbereit gemacht werden konnte, und der Spanier Jose Bermejo (MAN) bildeten das Ende des Starterfeldes.
Aus dem üblichen Startgerangel – gerade hier in der ersten Kurve am Smolenskring – ging Hahn als Sieger hervor. Er konnte sich relativ schnell von seinen Verfolgern Albacete und Vsrecky lösen. Dahinter war ebenfalls in der ersten Kurve Lokalmatador Lvov vom 8. Platz auf die 4. Position vorgeschossen. Dem Russen direkt im Nacken saß Bösiger, der eindeutig schneller schien, doch er kam einfach nicht am gelben MAN vorbei. So wurde der Vorsprung des Spitzentrios immer größer. Schließlich schaffte es der Schweizer doch an Lvov vorüberzuziehen. Und dann kam es zu einer folgenschweren Berührung zwischen dem Russen und Nittel, der es dem Schweizer gleichtun wollte. Lvov landete im Kies, Nittel erhielt eine Durchfahrtsstrafe, beide fielen weit zurück. Zwischenzeitlich hatte sich auch Hahn etwas von seinen Verfolgern lösen können und sah wie der sichere Sieger. Doch dann verkürzte sich der Abstand zwischen dem Deutschen und Albacete drastisch. Der schwarze MAN zeigte Schwächen, die der Spanier sofort nutzte, um die Spitze zu übernehmen und einem unerwartetem Sieg entgegen zu fahren. Der 3. Podiumsplatz ging an Vrsecky, für Bösiger reichte es nur zum undankbaren 4.Rang, vor Lacko und Oestreich. Oliver wurde siebter vor Levett, der sich damit die Pole für das zweite Rennen, in dem die ersten Acht ja in umgekehrter Reihenfolge starten, sicherte. Die restlichen beiden Punkteränge gingen an Lvov und Nittel.
Vor dem Start zum 2. Rennen gab es noch einige Aufregungen, einige Teams hatten es nicht geschafft, ausreichend Wasser in die Tanks für die Bremsenkühlung zu füllen, das sind immerhin 200 Liter und mehr. So wurde denn auch teilweise versucht, noch in der Startaufstellung Wasser nachzufüllen, auch bei Chris Levett. Dessen ungeachtet machte der Brite anschließend sein absolut bestes Saisonrennen. Nach dem Start ging er gleich in Führung und verteidigte sie auch über zwei Drittel des Rennens. Dabei kam ihm aber auch zugute, dass Oliver damit beschäftigt war, die eindeutig schnelleren Verfolger Oestreich, Lacko und Bösiger in Schach zu halten. Fünf Runden brauchte Oestreich, um endlich Oliver passieren zu können, und dann machte der Renault-Pilot Jagd auf den Spitzenreiter, den er dann schließlich auch noch passieren konnte. Was man aber nicht vermutete, Oestreich hatte schon all sein Wasser für die Bremsen verbraucht und rettete sich nur noch mühsam ins Ziel. Kaum dass der Renault stand, mussten die Bremsen auch mit Wasser nachgekühlt werden. Weil auch Gefahr bestand, dass die Reifen anfangen würden zu brennen, standen die Marshalls schon mit Feuerlöschern parat.
Auf der Strecke hatte sich zuvor aber auch noch was getan. Albacete hatte nach der 2. Runde schon in die Box fahren müssen, da ein Metallteil den Kühler beschädigt hatte, und der MAN des Spaniers sein ganz Kühlwasser verlor. Zuvor hatte schon Orsini die Segel streichen müssen, auch Lacko war wegen eines technischen Defekts ausgefallen.
Da auch Bösiger schwächelte musste er seinen 4. Rang Vrsecky überlassen. Nittel kam an 6.Postion ein, hatte sich in der letzten Kurve aber noch ein heftiges Gefecht mit Bösiger geliefert, das mit einem Dreher des Deutschen endete. Hahn kam an 7.Stelle ins Ziel vor Janiec, Lvov und Bermejo, der sich damit seinen ersten Saisonpunkt sicherte.
Schließlich gab es lange nach Rennende ein neues Ergebnis. Bösiger erhielt wegen der Aktion mit Nittel eine 10-Sekunden-Strafe, womit er hinter den MAN-Piloten zurückfiel, gleichzeitig wurde aber auch Nittel bestraft. Der Deutsche steht nun für sechs Rennen unter Beobachtung, im schlimmsten Falle droht ihm ein Ausschluss.
In der Gesamtwertung liegt Hahn mit 260 Punkten weiterhin klar an der Spitze vor Albacete (217), Oestreich (174), Nittel (151), Vrsecky (148), Lacko (145) und Bösiger (128).
Die Teamwertung ging im ersten Rennen an Cepsa-Trucksport Lutz Bernau (Albacete / Nittel) vor Buggyra (Vrsecky / Levett) und MKR-Technology (Bösiger / Oestreich). Im zweiten Rennen hatte dann MKR die Nase vorn, die beiden anderen Podiumsplätze gingen an Buggyra und Cepsa-Trucksport Lutz Bernau.

Impressionen:

Der Samstag am Smolenskring
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