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Der Sonntag am Ring

Der Sonntag am Ring

10. Juli 2011Nürburgring - Ein strahlend blauer Himmel verwöhnte die Truckracer und die insgesamt 212.000 Zuschauer schon am frühen Morgen. Da fiel es dann auch nicht ganz so ins Gewicht, dass die Piloten um halb neun zum WarmUp erneut relativ früh auf die Piste mussten. Wie üblich ließ hier natürlich noch niemand die Katze wirklich aus dem Sack. Markus Bösiger, vom Streckensprecher noch einmal als Aushängeschild des Truckracing in der Schweiz bezeichnet, sorgte mit seinem MKR-Renault dann aber schon für eine Überraschung. Am Vortag hatte Bösiger ja noch mit massiven Schaltproblemen zu kämpfen, obwohl das Getriebe nagelneu war. Über Nacht war dann wieder das vorherige Exemplar, das eigentlich revidiert werden sollte, eingebaut worden, und schon fuhr der frühere Europameister mit 1:56.634 Min. die schnellste Zeit.
Gut eine Stunde später ging es beim Zeittraining dann um die Wurst, und hier konnte nicht nur Bösiger die Zeit vom Morgen nicht mehr toppen, einige andere Piloten verbesserten sich dagegen zum Teil recht massiv – insbesondere MAN-Pilot Uwe Nittel (GER).
Andererseits galt es für die Top-Piloten ja auch „nur“, hier unter die besten Zehn zu kommen. In der SuperPole der TopTen war es dann aber mit dem Pokern vorbei, doch Nittel legte noch einmal kräftig zu; 1:55.582 Min. Daran biss sich die Konkurrenz die Zähne aus. Dem Deutschen am nächsten kam schließlich der spanische Teamkollege Antonio Albacete mit 4 Zehntel Abstand. Den totalen MAN-Triumph verhinderte der Tscheche David Vrsecky (Buggyra Freightliner), der Jochen Hahn (GER) im letzten Augenblick den dritten Startplatz wegschnappte.
Die dritte Startreihe ging an Renault mit Markus Oestreich und Bösiger, der knapp wieder die Zeit vom WarmUp erreichte, doch das reichte eben nicht zu mehr. Mit Adam Lacko (CZE) folgte ein weiterer Renaultpilot vor dem Engländer Chris Levett (Buggyra Freightliner), Gerd Körber (GER) auf Iveco und dem Russen Alex Lvov (MAN).
Beim Start schien Polesetter Nittel dann wohl etwas übermotiviert, wollte es besonders gut machen, wie er später sagte, und verschaltete sich. Jedenfalls fiel er hinter Albacete und Hahn auf den dritten Platz zurück, dicht gefolgt von Bösiger und Oestreich und Lacko. Wie schon gestern erwischte es den Engländer Stuart Oliver erneut im Scheitelpunkt der Mercedes-Arena, sein gelber MAN stand plötzlich quer, drehte sich dann einmal um die eigene Achse und das Feld dahinter geriet kräftig durcheinander. Die Spitze zeigte sich davon aber völlig unbeeindruckt. Körber und Levett kebbelten sich derweil um die Plätze sieben und acht, bis der Deutsche, möglicherweise als Folge eines heftigen Schlags aufs Heck, Probleme mit dem Stoßdämpfer bekam. Lange Zeit konnte er aber dennoch den begehrten 8.Platz – Poleposition für das 2. Rennen – verteidigen. Bösiger hatte Probleme mit den Hinterreifen, tröpfchenweise saugten sie das Öl auf, das dem nicht ganz dichten Turbolader entwich. Der Truck des Schweizers verlor an Grip und musste nacheinander die Teamkollegen Oestreich und Lacko passieren lassen. Hinter den drei Renaults fuhr Vsrecky auf der 7. Position durchs Ziel vor Teamkollege Levett, der somit die Pole fürs letzte Rennen inne hatte. Neunter wurde Lvov vor Körber, der mit seinem massiven Handicap gerade noch den letzten Punkterang ins Ziel retten konnte. Zu Mitte des Rennens gab es ausgangs der Kurzanbindung noch eine spektakuläre Kollision zwischen den beiden MANlern Zoltan Birnbauer (HUN) und Jose Bermejo (ESP), die das Rennende für beide Piloten zur Folge hatte.
Unweigerlich stand Steffi Halm, einzige Dame in der Truck-EM, erneut im Focus der Medien und Fans. Nachdem das Team von MB-Motorsport an dem tankpool24-Mercedes am Abend zuvor das Getriebe und die Antriebseinheit gewechselt hatte, zeigte die junge Deutsche im WarmUp und Zeittraining ihren gewohnten Vorwärtsdrang. Das Rennen nahm sie dann vom 19. Startplatz auf. Da ließ sie in dem 24er-Feld wieder einige wesentlich kräftiger motorisierte Konkurrenten erneut hinter sich. Kurz vor Schluss geriet sie dann doch noch ins Kiesbett, verlor einige Plätze, sodass sie sich am Ende mit Rang 17 zufrieden geben musste.
Pünktlich zum Start des letzten FIA-Laufs war es dann aber mit der Wetterherrlichkeit vorbei, erst fing es leicht an zu tröpfeln, und dann regnete es sich langsam aber gleichmäßig ein – Nürburgring-Wetter eben. In der ersten Startreihe standen die beiden Buggyras mit Levett und Vrsecky, Hahn und Albacete starteten aus der 4. Reihe.
Schon in der ersten Runde gab es am Ende der Bergab-Passage in der Mercedesarena erste heftige Berührungen und wenig später die ersten Dreher – mit massiven Folgen. Mehrere Trucks standen kreuz und quer in der Gegend herum, am heftigsten erwischt hatte es Nittel, Hahn und den Engländer Mathew Summerfield (MAN). Nach einiger Zeit konnte Nittel dann doch noch aus eigener Kraft weiterfahren, die Trucks von Hahn und Summerfield hatten sich verkeilt und mussten erst einmal auseinander gezogen werden. Das hieß Rennabbruch und Neustart in der ursprünglichen Reihenfolge.
Nittels Truck war allerdings so sehr in Mitleidenschaft worden, dass Teamchef Lutz Bernau entschied, den MAN nicht mehr starten zu lassen. Die Rennleitung entschied zudem, erst einmal zwei Einführungsrunden fahren zu lassen, um so vielleicht auch noch die Strecke etwas trockener werden zu lassen. Viel genützt hatte es aber offenbar nicht. Denn die Trucks lagen häufig mehr quer als in Fahrtrichtung. Dreher und Crashs waren eigentlich unvermeidlich, am härtesten erwischte es wieder Hahn und Summerfield. Beide MAN standen schon in der Anfangsphase mit massivsten Beschädigungen am Pistenrand, für sie war das Rennen beendet, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte.
An einigen Abschnitten des Rennkurses galt schon in der Anfangsphase Dauergelb. An der Spitze bildete sich ein Quintett aus den beiden Buggyras, Lacko, Albacete und Bösiger, knapp gefolgt von Oliver, Lvov, Körber und Anthony Janiec (FRA) auf Renault. Bösiger lief unter diesen widrigen Bedingungen zur Höchstform auf. Zunächst packte sich der Schweizer den amtierenden Champion Albacete und lag nun hinter Teamkollegen Lacko. Die beiden Renaults waren eindeutig schneller als Levett, aber sie kamen nicht am Engländer vorbei. So konnte sich Vrsecky an der Spitze absetzen und einem letztendlich ungefährdeten Sieg entgegenfahren. Endlich zogen Lacko und Bösiger am Engländer im Doppelpack vorbei und Bösiger schnappte sich dann direkt auch seinen tschechischen Teamkollegen. Somit war das Podium mit Vrsecky, Bösiger und Lacko auch schon verteilt. Levett fuhr auf der 4. Position ein, gefolgt von Albacete und Körber, dem zuletzt noch Oestreich hart auf die Pelle rückte. Der Fuldaer hatte schon in der ersten Rennrunde einen 360-Grad-Dreher, war ans Ende des Feldes zurückgefallen und hatte sich anschließend wieder nach vorn durchgekämpft. Die restlichen Punkteränge gingen Oliver, den finnischen MAN-Piloten Mika Mäkinnen und Janiec.
Ein ausgesprochen beherztes Rennen fuhr Steffi Halm. Mit viel Geschick umfuhr sie sämtliche Klippen und holte sich mit dem 13. Platz ihr bestes Saisonergebnis. Und dafür wurde sie auch bei der abschließenden Siegerehrung in der Sponsors Challenge, in der all die gewertet werden, die in der letzten Saison nicht unter den Top-Ten waren und keinem Team angehören, mit dem 3.Platz hinter Mäkinnen und dem Belgier Jean Pierre Blaise (Renault) mit dem 3. Platz belohnt.
Die Gesamtwertung wird weiterhin ganz souverän von Hahn mit 241 Punkten angeführt vor Albacete (197), Oestreich (158), Nittel (144), Lacko (137), Vrsecky (129) und Bösiger (113).
Die Teamwertung ging im ersten Rennen an Cepsa-Trucksport Lutz Bernau (Albacete / Nittel) vor MKR-Technology (Bösiger / Oestreich) und MKR Team 14 Juniors (Lacko / Janiec. Im zweiten Rennen hatte dann Buggyra (Vrsecky / Levett) die Nase vorn, die beiden anderen Podiumsplätze gingen erneut an MKR-Technology und Team 14 Juniors.
Das abschließende Rennen zum Mittelrhein-Cup wurde trotz des Regens gestartet, endete dann aber nach vielen Crahs, Drehern und Ausfällen in der fünften Runde in einem kleinen Chaos – ohne Wertung.

Impressionen:

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