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Most Drumherum

Most Drumherum

01. September 2010Das war das bisher kälteste Truckracing-Wochenende in Most. Ende August herrschen im Westen Tschechiens normalerweise eher schweißtreibende Temperaturen von 25 Grad und mehr. Nun kletterte das Thermometer auf gerade Mal die Hälfte, warme Jacken waren angesagt. Zu allem Überfluss kam es dann auch immer mal wieder nass vom Himmel. Dennoch ließen sich insgesamt 48.000 Zuschauer nicht davon abhalten, ein spannendes Rennwochenende zu erleben. Am Montagmorgen fiel das Thermometer auf Kühlschranktemperatur, Mario Kress hatte allerdings schon lange zuvor für seine beiden Piloten Markus Bösiger und Markus Oestreich Testrunden angesetzt. Das Truckracing-Weekend in Most war für die MKR-Truppe das bisher absolut erfolgreichste. Die beiden Renault-Piloten belegten ja nicht nur beide Male nach der SuperPole die erste Startreihe, anschließend münzten sie dies auch in zwei eindrucksvolle Doppelsiege um und entpuppten sich zudem mit insgesamt 91 Zählern als die eifrigsten Punktesammler. Ausruhen wollte sich der Teamchef auf diesen frischen Lorbeeren jedoch nicht und ließ Bösiger und Oestreich selbst bei diesen nicht optimalen Verhältnissen eifrig Testrunden drehen.
In der FIA European Truck Racing Championship gibt es schließlich keinen Stillstand, so nicht nur die Ansicht von Kress. Und gerade bei völligen Neuentwicklungen – wie den beiden MKR-Renaults – macht es natürlich noch mehr Sinn, jede sich bietende Möglichkeit zum Testen zu nutzen – beispielsweise auch, um das recht unterschiedliche Ansprechverhalten der Reifen weiter auszuloten.
Der derzeit im Championat führende Spanier Antonio Albacete liegt aktuell 36 Punkte vor seinem deutschen MAN-Markenkollegen Jochen Hahn und 42 Punkte vor Bösiger. Noch kann jeder einzelne aber 180 Punkte holen, da ist also noch längst nichts entschieden.
Der Pechvogel des Wochenendes war Local-Hero David Vrsecky. Am Ende hatte er seinen 4.Rang im Gesamtklassement gar Oestreich überlassen müssen. Dabei war das Buggyra-Team voller Hoffnung, ihr amtierender Europameister würde auf seiner Hausstrecke, wo er jede Kurve mit verbundenen Augen fahren könnte, endlich wieder etwas Boden gutmachen. Stattdessen musste er schon im Zeittraining den direkten Konkurrenten den Vortritt lassen, und im Rennen, indem er dann seine „speziellen Streckenkenntnisse“ ausspielen wollte, kam dann auch noch Pech dazu.
Sein deutscher Teamkollege Uwe Nittel schickte sich gerade an, für das Team etwas Schadensbegrenzung zu betreiben, da passierte der spektakuläre Crash mit dem russischen Kollegen Alex Lvov (MAN). Obwohl die beiden an der engen Kehre quer zur Fahrbahn stehenden Havaristen den vorbeirasenden RaceTrucks gerade noch eine Truckbreite Asphalt ließen, lief das Rennen auch jetzt weiter, wie schon am Samstag, als MAN-Pilot Zoltan Birnbauer (HUN) am Ende der Doppelschikane in der Auslaufzone stehen blieb.
In der Vergangenheit sind schon Rennen in weit weniger brisanten Situationen abgebrochen worden.
Das Pressezentrum in Most, ein rundum verglaster großer Raum mit einem Teerflachdach, der sich bei Sonnenschein immer aufheizte wie eine Sauna, ist komplett renoviert worden. Die neue – früher immer sehnlichst gewünschte – Klimaanlage, konnte infolge der herbstlichen Temperaturen ihre Leistungsfähigkeit allerdings noch nicht unter Beweis stellen.
Wie in Most üblich kam ein Großteil der Zuschauer wieder aus Deutschland, und entsprechend wurde auch wieder zweisprachig durchs Programm geführt. Beim nächsten Rennen in knapp 2 Wochen im belgischen Zolder wird der Anteil an deutschen Fans mindestens ebenso groß sein, gespannt, ob Oese seinen Aufholkurs fortsetzt oder Hahn und Bösiger den Abstand zu Albacete weiter verkürzen können. Doch gerade diese beiden können ein Liedchen davon singen, wie schnell in Zolder auch Träume zerplatzen.
Alle hoffen jedenfalls auf beständigeres Wetter, denn in Most waren die, die sich angesichts der schwarzen Wolken am Himmel und der immer wieder über die Rennstrecke prasselnden kurzen Schauer für Regenreifen entschieden am Ende klar im Nachteil.
Nach Meinung vieler Piloten ist es bei den unterschiedlichen Verhaltensweisen einzelner Reifenchargen eh schon ein Glücksspiel, die richtigen Pneus zu erwischen. Dann sollte nicht unbedingt noch ein zusätzliches Problem – Regen- oder Trockenreifen – dazukommen.