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Smolenskring  Drumherum

Smolenskring Drumherum

12. August 2010Selten zuvor hat ein Truckracing-Event bei den Beteiligten solch ambivalente Eindrücke hinterlassen wie die „Truck Battle Russia – Smolensk 2010“. Allein der Aufwand im Vorfeld übertraf alles Bisherige. Dazu kamen unterschiedlichste Informationen über diverse Bestimmungen, und schließlich diese unendlich lange Reise auf Straßen, die zum Teil einer Truck Trial Prüfung zur Ehre gereicht hätten. All das wäre eigentlich eher Gegenstand einer gesonderten Betrachtung. Grundsätzlich aber hat die FIA an diesem Rennwochenende in mancher Richtung Präzedenzfälle geschaffen. Sollten die Allgewaltigen künftig beispielsweise ihrer Meinung nach nicht ausreichende Rahmenbedingungen bemängeln, werden sie sich immer wieder an ihren Entscheidungen vom Smolenskring messen lassen müssen.
Das, was man vor Ort innerhalb weniger Tage noch aus dem Boden gestampft hat – wenn zum Teil auch erst einmal nur provisorisch, ist schon unglaublich. Noch in der Nacht zum Freitag wurden unter Scheinwerferlicht die letzten Leitplanken gesetzt. In einzelne Boxen wurden kurzfristig Toiletten und Duschen installiert, ebenso kurzfristig war ein Internet-Wireless-Lan aufgebaut worden. Manches war nur für die „Truck Battle Russia“ in Betrieb genommen worden und wird anschließend komplett erneuert. So wird nicht nur das Paddock noch einmal neu asphaltiert, auch der Rennbelag wird noch einmal komplett erneuert.
Doch auch mit der Piste, wie sie jetzt war, kamen die Truckracer gut zurecht. Allerdings waren auf der sehr engen Strecke mit den vielen extrem scharfen Kurven insgesamt auch nur 13 RaceTrucks am Start – 12 aus dem FIA Championat und als Gastpilot Lokalmatador Mike Konovalov mit dem zweiten Buggyra Freightliner. Beim TGP am Ring waren es beispielsweise 26. Das aber war gerade die Chance für die, die bisher noch keine Punkte hatten sammeln können. So haben sich nun auch die beiden MANler Jean-Pierre Blaise (BEL) und Jose Bermejo (ESP) in der 2010er-Punkteliste verewigen können.
Konovalov sicherte sich bei seinem wahrscheinlich einzigen Auftritt in der FIA ETRC in diesem Jahr direkt einmal 9 Zähler. Bei den übrigen Rennen hat der Truck ja die Nr. 36 und wird von Uwe Nittel pilotiert. Zu den weiteren Gewinnern des Wochenendes zählte sicherlich auch der im Championat führende Antonio Albacete. Obwohl der Spanier bei einem eigentlich völlig überflüssigen Frühstart durch die damit verbundene Durchfahrtsstrafe noch einige Punkte auf dem Asphalt liegen ließ und sich am Ende mit 41 Punkten zufrieden geben musste. Doch sein bis dato ärgster Verfolger, der Schweizer Markus Bösiger kam mit seinem MKR-Renault auf gerade 23 Punkte. Zuwenig um gegen den großen Gewinner vom Smolenskring, Jochen Hahn, den zweiten Platz in der Gesamtwertung verteidigen zu können. 53 von 60 möglichen Zählern erfuhr sich der Deutsche mit seinem pechschwarzen MAN.
Der zweite russische Pilot, Alex Lvov, schien manchmal etwas übermotiviert – trotz oder gerade wegen der lauten Anfeuerungsrufe der Fans - und landete mit seinem gelben MAN einige Male neben der Piste. Sein Vater fuhr im Übrigen eine Ehrenrunde mit seinem alten Renn-Truck, mit dem er in den 90ern selbst an der Truck-EM teilgenommen hatte. Zu seinen damaligen Mechanikern gehörte ein gewisser Mike Konovalov.
Dass Konovalov noch mehr Talente hat, konnte er hier bestens unter Beweis stellen. Im Vorfeld hatte er schon die Kontakte zu den Teams und zu den Medienvertretern gehalten. Beim Grenzübertritt nach Russland hatte er sich auf der russischen Seite um die Formalitäten gekümmert, auf der lettischen Seite organisierte dies TRO-Chef Fabien Calvet, bevor beide den Konvoi der rund 30 Trucks und Servicefahrzeuge über die rund 450 Kilometer zum Smolenskring organisierten. Und auch bei der Rückfahrt kümmerte sich Konovalov darum, dass alle wieder problemlos aus Russland herauskamen. Aber was wären beide ohne ihren „Assistenten“ Fadi gewesen. Der quirlige Kameramann von Kamiono TV, stand permanent – wie schon in „Der Freitag in Smolensk“ beschrieben – für alles und jeden als Übersetzer zur Verfügung. Ohne den enormen Einsatz dieser Drei wäre das „Abenteuer“ Truck Battle Russia – Smolensk 2010 möglicherweise noch sehr viel abenteuerlicher geworden.
An der Strecke litten alle noch unter den unsäglichen Temperaturen von täglich um die 40 Grad. So gehörten Erfrischungen aus den Wasserleitungen für die Trucks, für die Menschen und für die Tiere natürlich zum wichtigsten. Viele Teams hatten kleine Duschen installiert, die kräftig genutzt wurden.
Dass den Leuten vor Ort der Auftritt der Truckracer ungemein viel bedeutete, merkte man an vielen Gesten. Dazu kamen eine aufwändige Eröffnungszeremonie sowie die Baumpflanzungsaktion durch die Fahrer. All das schafft sicherlich so einen verbindenden Charakter, dennoch blieb bei den Beteiligten ein zwiespältiges Gefühl zurück.