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Misano Drumherum

Misano Drumherum

27. Mai 2010Das war ein Paukenschlag gleich zum Saisonauftakt. Ein völlig neuer Truck, ein neues Team und dann gleich ein Sieg – mit einem zugegebenermaßen sehr erfahrenen Piloten. Wohin man auch hörte, der allgemeine Tenor war eindeutig, das Wochenende war eine Werbung für die FIA European Truckracing Championship. Neben MAN und Buggyra Freightliner gibt es mit Renault jetzt eine dritte Marke, die jederzeit für einen Sieg gut ist. Und auch das Experiment, außer Truckracing keine weitere Rennserie mehr im Programm zu haben, ist voll aufgegangen – zumindest wenn man sich an den Zuschauerzahlen orientiert. Mit 30.000 war fast ein Drittel mehr gekommen als im Vorjahr. Und Petrus spielte auch noch mit, an beiden Tagen herrschte herrlichstes Sommerwetter. Die Superpole hat sich gleich beim ersten Mal bewährt, wobei man dies für die Zuschauer vielleicht noch transparenter machen sollte. Die Entscheidung war eigentlich schon jeweils gefallen, bevor die Zuschauer begriffen zu haben schienen, was denn da nun los war. Denn wenn die zehn Zeitschnellsten aus dem Q1 des Zeittrainings alles auf eine Karte setzen, konzentriert sich das ganze Geschehen auf mal gerade zwei schnelle Runde. Und diese laufen eher unspektakulär ab, da natürlich jeder Pilot versucht, eine möglichst freie Runde zu erwischen. Für den Zuschauer ergibt sich da manchmal der Eindruck eines Einzelzeitfahrens. Und dann muss man ihm eben vermitteln, dass es sich tatsächlich um eine ganz spannende Angelegenheit handelt, dass die Bestzeiten nur so purzeln. Aber es war eben Neuland.
Mindestens ebenso interessant war für den Fan das vielfältige und umfangreiche Angebot der Industrie und Unternehmen aus dem Nutzfahrzeugbereich – darunter auch die „truckracing.de / truckrace.info“-Partner MAN, Renault und DKV. Es war letztendlich ein rundherum gelungenes Fest.
Ach ja, da gab es doch noch einen kleinen Wermutstropfen, der Rennabbruch am Samstagabend. Nach dem Crash zwischen Markus Oestreich (Renault), Antonio Albacete (MAN) und David Vrsecky (Freightliner) hätten nicht wenige Piloten gern die Reinigung der Strecke abgewartet, um anschließend noch einmal an den Start zu gehen. Mit einem leichten Augenzwinkern meinte TRO-Chef Fabien Calvet, auf das Novum mit nur einem Tagesrennen angesprochen, schließlich habe es schon mal einen Renntag völlig ohne Rennen gegeben, womit er den Nebelsonntag vom TGP am Ring 2002 meinte.
Dennoch kam das Sportliche nicht zu kurz, wobei der überraschende Siegeszug von Markus Bösiger auf seinem neuen MKR-Renault dem Ganzen natürlich erst einmal den Stempel aufdrückte. Da der Schweizer mit gebrochener rechter Hand fuhr, fragte sich so mancher, wie schnell mag Bösiger erst sein, wenn er ohne Handicap fährt. Auf der anderen Seite ist die Erwartungshaltung an das „3 M-Team“ (Markus, Markus, Mario) nach diesem furiosen Auftakt jetzt natürlich enorm hoch. So locker und ungezwungen („Wir haben schließlich nichts zu verleiren“) wird man beim MKR-Team nicht mehr ein Rennen angehen können.
Nachdem es erst so aussah, als sei Deutschland, als größtes Herstellerland von Nutzfahrzeugen, in der FIA European Truck Racing Championship völlig unterrepräsentiert, befinden sich nun schon nach dem ersten Renntag mit Markus Bösiger, Jochen Hahn und Markus Oestreich gleich drei deutsch(sprachig)e Piloten unter den ersten fünf im Gesamtklassement.
Eine Delegation des russischen Motor-Sport-Verbands war auch vor Ort, um PR für das Rennen in Smolensk zu machen. Momentan sieht es so aus, als werde es ein Truckracing-Event dort geben, nicht geklärt ist, ob es sich dabei auch um einen Wertungslauf handeln wird. Geklärt werden müsste in jedem Fall aber der Anreiseweg, und da werden derzeit verschiedene Optionen diskutiert.
Die bekannten TV-Teams waren in voller Besetzung in Misano, dennoch sind bisher – außer für den nur in Schweiz empfangbaren Kabelkanal schweiz 5 – keine Sendetermine bekannt.