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Der Sonntag in Assen

Der Sonntag in Assen

10. Mai 2009Schon am Vortag war das Wetter besser als erwartet, und auch heute Morgen empfing die Truckracer strahlender Sonnenschein. Kurz nach acht trafen sich bereits Buggyra, Cepsa und Jochen Hahn bei Goodyear. Es ging das Gerücht durchs Paddock, dass doch nicht alle neuen 2009er-Reifen gleich seien, sondern dass auch solche gebe, deren Gummimischung noch sehr der 2008er-Ausgabe gleichen würden. Um bewusste Bevorteilungen einzelner Piloten von vornherein auszuschließen, hatte man unter dem Spitzenquartett ein Gentlemen-Agreement beschlossen, dass unter ihnen die Reifen ausgelost werden sollten. Das Warm-Up zeigte dann allerdings genau das gleiche Bild wie gestern, einen ziemlich überlegenen Antonio Albacete und mit Abstand die gleichwertigen Jochen Hahn, Markus Bösiger und David Vrsecky.
Das folgende Zeittraining endete dann ziemlich abrupt und unbefriedigend. Dominique Orsini war mit seinem Mercedes an gefährlicher Stelle liegen geblieben. Etwa 5 Minuten vor Schluss gab es dann die rote Flagge. Doch die Uhr wurde nicht angehalten, sondern das Qualifying kurzfristig abgebrochen. Insbesondere die Spitze war darüber alles andere als erfreut, hatten doch beinahe alle gerade erst in der Boxengasse ihr Set-Up geändert, um so gerüstet noch einmal mindestens zwei schnelle Runden auf die Piste zu legen.
So holte sich Albacete die Pole vor Hahn, Bösiger, Vrsecky und Chris Levett. Aber damit nicht genug. Beim Nachmessen stellte die Technische Kommission an Hahns MAN eine um 7 mm zu breite Spur fest. Das war sicherlich mehr als diskussionswürdig, nicht allein wegen der extrem geringen Überschreitung des Maximalmaßes. Hahn zweifelte zudem massiv die Art der Meßmethode an, darüber hinaus war auch durchaus möglich, dass der gestrige Auffahrunfall Änderungen in der Achssymmetrie zur Folge hatte. Hahn jedenfalls wurde nachträglich disqualifiziert, musste also im ersten Sonntagsrennen vom letzten Platz aus starten.
Damit gab es nunmehr nur drei potentielle Sieganwärter. Polesetter Albacete übernahm sofort die Führung vor Bösiger, Vrsecky und Levett. Schon nach 2 Runden fuhr der Tscheche mit einem defekten Reifen in die Boxengasse, Levett lag somit nun auf einem Podiumsplatz. Während das Führungsduo vorn einsam seine Runden zog, Albacete mit sicherem Abstand zu Bösiger, fuhr Hahn ein ebenso furioses Rennen wie gestern. In der ersten Runde kämpfte er sich schon um 10 Plätze nach vorn, zwei Runden später lag er auf dem 6. Platz hinter den beiden Renaults von Frankie Vojtisek und Markus Altenstrasser. Die leisteten dem Altensteiger schon etwas mehr Widerstand. Doch drei Runden vor Schluss lag Hahn schließlich auf dem 4.Platz und setzte nun an, Levett den dritten Rang streitig zu machen. Doch der Engländer hielt dem ständigen Druck stand und verteidigte den Podiumsplatz schließlich mit gerade mal 2 Zehntel Vorsprung. Hinter den beiden Renaults kam Egon Allgäuer auf Position sieben ins Ziel vor seinem MAN-Markenkollegen Stuart Oliver, Anthony Janiec (Renault) und Balazs Szobi (MAN). Nachträglich wurde Altenstrasser wegen eines nicht dem technischen Reglements entsprechenden Trucks disqualifiziert, und so rückte Javier Mariezcurrena (MAN) auf den 10. und letzten Punkterang vor.
Die Teamwertung ging an Team HahnOxxo (Hahn/Szobi) vor Renault (Altenstrasser/Vojtisek) und Buggyra (Vrsecky/Bösiger). Bedingt durch die nachträgliche Disqualifikation Altenstrasser tauschten das zweit- und das drittplatzierte Team dann noch einmal die Plätze.
Durch die Disqualifikation des Österreichers rutschte Janiec auf Platz 8 vor und fand sich plötzlich auf der Pole für das zweite Rennen wieder. Doch der junge Franzose konnte die Chance nicht nutzen. Oliver übernahm gleich die Führung vor Allgäuer und Hahn. Eine Runde später hatte der Deutsche bereits Führung inne und fuhr einem sicheren Sieg entgegen. Auch Allgäuer hatte an Oliver vorbeiziehen können und lag nun auf dem zweiten Rang. Albacete hatte sich zwischenzeitlich an Bösiger vorbeigekämpft und das Podium im Visier. Doch zunächst hieß es, Vojtisek zu überholen, dann Oliver und schließlich musste auch noch Allgäuer dran glauben. In seinem Schlepptau machte es Bösiger seinem spanischen Konkurrenten gleich und holte sich am Ende den dritten Podiumsplatz. Vrsecky, der wegen seines Ausfall im ersten Tagesrennen vom Ende des Feldes aus starten musste, hatte sich im Laufe der insgesamt 10 Runden immer weiter nach vorn gekämpft, 16 Plätze gut gemacht und kam schließlich hinter Allgäuer und vor Vojtisek, Oliver, Altenstrasser, Szobi und Janiec auf der 5. Position ein.
Doch damit waren die Punkte noch längst nicht endgültig vergeben. Erneut gab es Strafzeiten und Disqualifikationen, die die Punkteränge wieder durcheinander wirbelten.
Levett, der nach der Hälfte der Zeit einmal durch die Boxengasse fahren musste, weil er beim Start etwas zu schnell war, war zunächst wegen Overspeed komplett disqualifiziert worden, kam dann aber nach Protest wieder ins Klassement zurück, ebenso wie Mariezcurrena. Altenstrasser bekam eine 10-Sekundenstrafe aufgebrummt, Szobi und Jose Rodrigues wurden wegen Missachtens der Flagge disqualifiziert.
Am Ende zog Janiec an Altenstrasser vorbei auf den 8. Rang, und hinter dem Österreicher holte sich Levett den zehnten Platz und damit den letzen Punkterang.
Die Teamwertung ging an Buggyra, vor Renault und Team HahnOxxo.
Die Gesamtwertung führt Albacete mit 58 Punkten an vor Bösiger (39), Vrsecky (31), Hahn (27), Vojtisek (27), Allgäuer (22), Altenstrasser (17), Oliver (17) und Levett (15).
Und in der Teammeisterschaft liegt Buggyra (86) vor Renault (65) und Team HahnOxxo (56).