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Der Sonntag am Ring

Der Sonntag am Ring

13. Juli 2008Nürburgring - Trotz des nicht gerade optimalen Wetters an den ersten beiden Tagen kamen wieder einmal beinahe 200.000 Fans – exakt 192.000 – zum TGP am Ring. Doch heute konnte sich eigentlich niemand mehr über die äußeren Bedingungen beschweren,es blieb trocken und einige Male ließ sich sogar die Sonne blicken. Für den gestrigen Samstag bleibt im Übrigen alles wie gehabt – Antonio Albacete (MAN) war ja wegen seiner Attacke gegen seinen Markenkollegen Stuart Oliver mit einer Geldstrafe belegt worden und musste nun damit rechnen, dass jede seiner Aktionen nun mit Argusaugen beobachtet werden würde.
Es hätte das Wochenende des Markus Bösiger werden können. Am Samstag hatte er sich relativ überlegen die Höchstpunktzahl von 30 Punkten gesichert, und am heutigen Sonntag schien es lange so, als würde der Schweizer Buggyra-Pilot das Ganze wiederholen. Doch schließlich wurde es der Tag von Jochen Hahn (MAN), der am Ende mit Ehrungen überhäuft wurde.
Am Morgen präsentierte sich Bösiger sowohl im Warm-Up als auch im Zeittraining in Spitzenform. Beide Male markierte er die absolute Bestzeit. Mit 1:54,237 holte er sich die Pole vor seinem Teamkollegen David Vrsecky, Hahn, Albacete und Jean-Philippe Belloc (MAN).
Das anschließende Quali-Race ging so gesittet vonstatten wie selten. Bösiger übernahm gleich sicher die Führung, gefolgt von Vrsecky, Hahn und Albacete. Doch im Gegensatz zu den bisherigen Rennen schafften es die beiden Buggyra Freightliner diesmal nicht, sich direkt von den Verfolgern abzusetzen. Ganz im Gegenteil – lange Zeit sah es sogar danach aus, als könne Hahn dem Tschechen noch den zweiten Rang streitig machen, bevor Vrsecky den Deutschen doch noch um knappe 3 Sekunden distanzieren konnte. Wiederum 2 Sekunden später passierte dann auch schon Albacete die Ziellinie. Hinter dieser eng beieinander liegenden Vierergruppe, folgte ziemlich ungefährdet Belloc auf dem 5. Platz. Die beiden Renault-Piloten Markus Altenstrasser und Frankie Vojtisek, Dominique Lacheze, Chris Levett (beide MAN) und Anthony Janiec vervollständigten die Punkteränge.
Und im abschließenden Championship Race ging es so weiter, wie das Quali-Race geendet hatte. Nach sicherem Start übernahm Bösiger sofort wieder die Spitze vor Vrsecky, Hahn und Albacete. Nach 7 Runden hatte der Schweizer einen sicheren Vorsprung herausgefahren, und alle Welt erwartete für Bösiger erneut einen Renntag mit der Höchstpunktzahl 30. Und dann wurde Bösiger zu einer Durchfahrtsstrafe in die Boxengasse gewunken. Er fiel weit zurück, bevor er sich wieder auf den 5. Platz vorkämpfen konnte. So holte sich schließlich Vrsecky den Sieg, vor Hahn, Albacete und Belloc. Um Platz 6 gab es den heißesten Fight des Rennens, der auch seine Spuren bei den beteiligten Trucks hinterließ. Egon Allgäuer (MAN) konnte trotz aller Attacken Altenstrassers, Stuart Olivers (MAN) und Levetts einen Vorsprung von gerade mal einer halben Sekunde ins Ziel retten. Den 10. und damit letzten Punkterang holte sich erneut Janiec.
Nach der Zieldurchfahrt begann nun aber erst die Diskussion um Bösigers Strafe. Das GPS-System hatte bei der Anfahrt zum fliegenden Start für Polesetter Bösiger 70,2 km/h angegeben, vorgeschrieben sind zwischen 50 und 70. Die Auswertung der Telemetriedaten ergab dann aber anschließend, dass beide Buggyra-Trucks gerade mal 62 gefahren waren, als die Startampel auf Grün gesprungen war. Solch eine Situation hatte es bis dato noch nicht gegeben. Die Buggyra-Techniker belegten denn auch durch Beispielsrechnungen, dass das hier genutzte GPS-System auf Grund seiner dafür zu geringen Messfrequenz-Zyklen nicht ausreichend zu sein scheint. Zudem gibt es noch eine weitere kleine Fehlerquelle durch den Handstart des Messsystems. Und nun ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass die bisher eingeräumte Toleranzbreite hier eigentlich massiv vergrößert werden müsste. Aktuell ist Bösiger dann aber wohl zu Unrecht bestraft worden.
Das Rennen zum Mittelrhein-Cup war wieder ganz nach dem Geschmack der Fans. Die beiden deutschen Motorsportstars Hans-Joachim Stuck und Heinz-Werner Lenz hatten nach ihren Disqualifikationen am Vortag wegen Overspeed aus der letzten Startreihe ins Rennen gehen müssen. Schließlich kämpften sie sich in atemberaubender Manier bis auf die Plätze 5 und 6 vor. Der Sieg ging an Oliver vor Levett und David Jenkins (MAN).
Doch der meistgeehrte Mann des Tages, auch wenn er kein Rennen als Sieger beendet hatte, war schließlich Jochen Hahn. Schon der dritte Podiumsplatz am Vortag war von seinen Fans überschwänglich gefeiert worden. Und wie zahlreich diese sind, und wie populär Deutschlands derzeit erfolgreichster Truckracer ist, schlug sich dann natürlich auch bei der von AutoScout 24 ausgeschriebenen Wahl des beliebtesten Truckracers am Ring nieder. Mit überwältigender Mehrheit ging diese Auszeichnung an Hahn.
Der Titel des seit einigen Jahren ausgeschriebenen TruckMaster Germany, in den die Ergebnisse aller Truckrennen des Wochenendes einfließen, ging erneut an David Vrsecky.
Die Teamwertung sah Buggyra (Bösiger/Vrsecky) als Sieger vor Team Koller + Schwemmer (Hahn/Belloc) und Team Frankie (Vojtisek/Altenstrasser).
Erstmals und wahrscheinlich auch einmalig wurden die Wochenendsieger in der neuen Sponsors Challenge (Newcomer und Piloten, die in der letzten Saison in der Gesamtwertung nicht unter den ersten Zehn waren) geehrt. Hier gewann Altenstrasser vor Lacheze und Janiec. Im Nachhinein wurde Lacheze aber mit einer Zeitstrafe belegt, sodass Jean-Pierre Blaise (MAN) schließlich den dritten Podiumsplatz einnahm.
Die Gesamtwertung führt weiterhin Vrsecky mit 232 Punkten an, gefolgt von Albacete (216), Bösiger (210), Hahn (167) und Belloc (140).