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Der Samstag am Ring

Der Samstag am Ring

12. Juli 2008Nürburgring - Am frühen Morgen konnte man noch die Hoffnung hegen, dass die wenigen dunklen Wolken bald vom Wind weggeblasen würden. Doch stattdessen wurde die Wolkendecke immer dichter. Beim Warm-Up war es allerdings noch trocken, und Polesetter Markus Bösiger (Buggyra Freightliner) fuhr auch glattweg 6 Sekunden schneller als im gestrigen Zeittraining. Doch schon während der Startaufstellung zum Quali-Race begann es wieder zu tröpfeln. Mit glitschigen Pisten haben die Fahrer in dieser Saison schon ausreichend Erfahrung machen müssen, und so ging man denn auch das Ganze etwas vorsichtiger an. Bösiger übernahm gleich beim Start die Führung und gab sie auch bis zum Zieleinlauf nicht mehr ab. Anfangs hingen Antonio Albacete (MAN) und David Vrsecky (Buggyra Freightliner) noch ganz dicht an Bösigers Heck, doch schon bald hatte der Schweizer einen beruhigenden Vorsprung herausfahren können. Auch der Spanier konnte sich von Vrsecky lösen, der Probleme zu haben schien. Denn Jean-Philippe Belloc und Jochen Hahn (beide MAN) konnten den Tschechen beinahe mühelos passieren. Als mit Chris Levett ein weiterer MAN-ler ansetzte am Freightliner vorbeizuziehen, legte Vrsecky wieder einen Gang zu und fuhr weiter als sei zuvor nichts gewesen. So konnte er den jungen Engländer auf Distanz halten, aber nicht mehr nach vorn hin aufschließen. Auf dem 7. Rang fuhr Stuart Oliver (MAN) ein vor den drei Renault-Piloten Frankie Vojtisek, Markus Altenstrasser und Anthony Janiec, die sich die weiteren Punkteränge sichern konnten.
Vor dem Start zum abschließenden Championship Race gingen permanent die Blicke zum Himmel. Derzeit war es trocken, aber die Wolkendecke doch recht dicht. Einige Fahrer warfen sogar noch einen Blick auf das Wetterradar der Uni Bonn. Und dann war man letztendlich der Meinung, zumindest für die nächste halbe Stunde bliebe es wohl trocken, und dann müsste das Rennen eigentlich auch schon fast vorbei sein. Und tatsächlich setzte der Regen erst in der Auslaufrunde wieder ein.
Der Start an sich war ziemlich problemlos verlaufen. Doch bei der Einfahrt in die Mercedes-Arena müssen die TruckRacer voll in die Bremsen steigen, und da rutschte einer wohl leicht auf das Heck von Bellocs MAN, was nicht ohne Folgen blieb. Der Franzose knallte in Albacetes Truck, der drehte sich, stand entgegen der Fahrtrichtung und musste zunächst erstmal alle Konkurrenten rechts und links an sich vorbeiziehen lassen. Bösiger war von der ganzen Sache völlig unberührt und setzte sich erneut gleich von den Verfolgern ab, nur Vrsecky konnte sich noch an die Fersen des Schweizers heften. Dahinter wurde das Feld doch ziemlich durcheinander gewürfelt. Albacete lag an letzter Stelle, Belloc musste die Segel streichen, und Vojtisek fand sich plötzlich auf dem dritten Platz wieder. Doch unter dem Jubel seiner zahlreichen Fans attackierte Jochen Hahn nun permanent den Tschechen und konnte schließlich auch an dem roten Renault vorbeiziehen. Vojtiseks Truck sah allerdings nicht nur ziemlich mitgenommen aus, er schien auch immer langsamer zu werden. Nach und nach fiel der Renaultpilot noch hinter seinen Teamkollegen Markus Altenstrasser bis auf den 8. Rang zurück – vor Anthony Janiec (Renault) und Egon Allgäuer (MAN), die sich die letzten beiden Punkteplätze sichern konnten.
Hahn konnte seinen dritten Platz vor Chris Levett sicher ins Ziel bringen. Und dann kam schon der entfesselt fahrende Albacete, der 16 Konkurrenten hatte überholen können. Dabei ging der feurige Spanier manchmal auch etwas rabiater vor, zumindest erhielt er wegen seiner Attacke gegen Oliver beim Kampf um den fünften Platz eine Geldstrafe aufgebrummt. Am Abend stand noch ein weiterer Protest an, über den endgültig noch nicht entschieden worden war.
Schuld mit daran war allerdings auch, dass sich das Rennen um den Mittelrhein-Cup so ewig lange hinzog. Zweimal musste nach Abbruch neu gestartet werden. Zur Freude der Fans schien Heinz-Werner Lenz mit seinem Iveco ganz auf Podiumskurs, bevor er auf der klitschnassen und glitschigen Piste wegen zweier harter Verbremser noch weit zurückfiel. Dafür elektrisierte dann ein anderes deutsches Rennidol, Hans-Joachim Stuck, auf MAN die Massen. Vom letzten Platz ins Rennen gegangen – seine Trainingszeiten waren wegen Untergewichts des Trucks gestrichen worden – hatte er sich bis auf den 3.Platz vorgekämpft. Und dann begann das lange Warten. Oliver hatte das Rennen vor Levett, die beide hier ja auch im Rahmen der Britischen Meisterschaft fuhren, gewonnen. Die drei Podiumsanwärter standen also nun parat, doch es tat sich nichts. Nach langwieriger Datenauswertung kam man schließlich zu dem Schluss, dass Stuck mehrmals die Höchstgeschwindigkeit überschritten habe, der Deutsche wurde schließlich disqualifiziert. Während Oliver also auf die Siegerehrung wartete, hätte er gleichzeitig noch vor der Rennkommission erscheinen sollen. Also kam es bezüglich der Auseinandersetzung Albacete vs. Oliver nicht mehr zu einer endgültigen Entscheidung. In der Gesamtwertung führt weiterhin Vrsecky mit 203 Punkten vor Albacete (197), Bösiger (192), Hahn (144) und Belloc (124).
Die Teamwertung ging wieder einmal an Buggyra (Bösiger/Vrsecky) vor Team Frankie (Vojtisek/Altenstrasser) und Team Koller + Schwemmer (Hahn/Belloc).