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Nogaro Drumherum

Nogaro Drumherum

01. Juli 2008Das war mal wieder ein Rennwochenende nach dem Geschmack der Truckracer, bestes Wetter – da konnte auch das kurze und heftige Gewitter am Donnerstagabend den Eindruck nicht trüben – und rund 32.000 begeisterte Zuschauer. Dennoch war die Atmosphäre nicht ganz so locker und entspannt wie sonst in Nogaro üblich. Im Vorfeld hatte es schon Diskussionen um organisatorische Fragen gegeben, die leichte Unstimmigkeiten hervorriefen, und diese Dissonanzen waren während des Wochenendes immer noch zu spüren. Doch wirklich hektische Triebsamkeit bei den Teams rief die Mitteilung des FIA-Technik-Chefs Fabien Calvet hervor, dass ab Montagmorgen in Frankreich eine ähnliche LKW-Blockade drohe wie schon nach dem letzten Rennen in Spanien. Und so war denn auch eine der am häufigsten gestellten Fragen: Brecht Ihr auch schon am Sonntagabend auf?
Und tatsächlich hatten manche Teams schon während des Tages ihre Utensilien soweit eingepackt, dass sie nach dem letzten Rennen nur noch auf die Auflösung des Parc Fermé warteten. Anschließend wurde der RaceTruck verstaut, und dann bahnte man sich einen Weg durch das durchs Fahrerlager schlendernde Publikum. Die Fans schauten dem Treiben beinahe ungläubig zu, schließlich stand noch das Finale der Rennen um die Französische Meisterschaft an. Am Abend war kaum mehr ein Team im Paddock, alles wirkte recht trostlos. Das, was bisher eigentlich immer ein besonderes Merkmal der Rennen in Nogaro war, das abschließende gemütliche Zusammensitzen, gab es diesmal dann eben nicht. Einige Teams schauten sich noch das Finale zur Fußball-EM im Fernsehen an, und dann begann die nächste Aufbruchswelle.
Am Montagmorgen gab es dann konkretere Informationen zu den Blockadeaktionen der französischen Trucker. Anlass des Protestes sind auch hier die extrem hohen Dieselpreise, wodurch so mancher seinen Arbeitsplatz gefährdet sieht. Und weil am heutigen 1. Juli Frankreich den EU-Vorsitz übernimmt, wollte man mit spektakulären Aktionen dem Protest noch besonderes Gewicht verleihen. Vor allem um Paris und Bordeaux sowie einigen anderen Metropolen herum wollte man aktiv werden.
Als erstes brach am frühen Montag das schwedische Team um Michael Johansson auf und blieb prompt nur wenig später auf der N 124 bei Auch an einem von einigen LKWs blockierten Kreisverkehr hängen. Als uns dann kurz vor Lyon auf der Gegenspur drei nebeneinander fahrende Zugmaschinen mit etwa 20 km/h entgegen kamen – dahinter bildeten sich in Zweierreihen kilometerlange Staus, entschlossen wir uns kurzfristig, Frankreich auf schnellstem Wege zu verlassen und weiter über die Schweiz zurückzufahren.