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Misano Drumherum

Misano Drumherum

29. September 2007Der Lauf zur MotoGP in Misano hatte schon einiges bewirkt. Neue Piste, neues Pressezentrum, neue, weitläufige Tribünen, auf denen die Zuschauer an manchen Stellen etwas verloren wirkten; obwohl es mit mehr als 27.000 kaum weniger waren als im letzten Jahr. Den Tiffosi fehlt allerdings auch ein echter Bezugspunkt. Denn anders als in die meisten übrigen Motorsportserien gibt es keinen italienischen Piloten, kein italienisches Team und auch kein italienisches Fabrikat. Da präsentierten sich die beiden deutschen Nutzfahrzeughersteller schon ganz anders. Das Superzelt von MAN scheint derzeit eh das Maß aller Dinge und kaum zu toppen. Und so trat denn auch Mercedes-Benz im Paddock zwar ein paar Nummern kleiner auf, doch an der Show bei der Übergabe der neuen 50 SilverTec F1-Trucks an ihre italienischen Besitzer fanden nicht nur die Vertreter des Truck GP vom Nürburgring Gefallen.
Ansonsten wirkte das Rahmenprogramm schon eher bescheiden, und so standen die Truckracer mehr denn je im Mittelpunkt. Natürlich sind im Moment alle Augen auf das Duell der beiden Titelaspiranten Markus Bösiger und Antonio Albacete gerichtet. Dabei wird schnell vergessen, dass da insbesondere mit David Vrsecky, Jochen Hahn und Gerd Körber mindestens noch drei weitere Piloten eigentlich auch jederzeit für einen Sieg gut sind. Und dann gibt es da mit Jean-Philipp Belloc, Egon Allgäuer und Chris Levett schon die nächsten, die nur darauf warten, dass von den nominell schnelleren Kollegen einer mal einen Fehler macht oder Probleme bekommt, um sich dann auch noch einen Podiumsplatz erobern zu können.
Wie eng man an der Spitze letztendlich beieinander liegt, wurde im letzten Cup-Race deutlich. Rundenlang waren die Trucks nur durch Zentimeter getrennt. Der führende Bösiger hatte ein Reifenproblem - wahrscheinlich durch einen Rempler von hinten - und konnte nicht mehr wie gewohnt pushen. Trotzdem wehrte er die permanenten Angriffe der Verfolger ab, allen voran Gerd Körber. Der Deutsche hatte einen Sieg in dieser Saison noch nie so nahe vor Augen wie jetzt. Als er in der drittletzten Runde eine leichte Lücke auf der Innenbahn in der beinahe 180-Grad Kehre "Quercia" ausmachte, schoss er mit seinem gelben MAN dort sofort hinein. Doch Bösiger steckte auch diesmal nicht zurück, und als Körber den Freightliner des Schweizers voll in der Seite traf, hatte sich der Traum vom Sieg für beide erledigt.
Dieser Zwischenfall soll den - vorläufigen??? - Bruch teilweise Jahrzehnte währender Freundschaften zur Folge gehabt haben. Spätestens nach dem letzten Lauf in Jarama sollten sich die Gemüter wieder beruhigt haben.