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Most Drumherum

Most Drumherum

30. August 2007Man kann wirklich nicht sagen, dass das Rennwochenende in Most sonderlich ereignisarm gewesen wäre. Zunächst gab es freitags die offizielle Verlautbarung des Team Hahn Racing, dass Mercedes-Benz sein Engagement im europäischen Truckracing künftig ruhen lassen werde, und man sich deshalb neu orientieren müsse. Und am Sonntag sorgte dann der Wertungsausschluss bzw. die Disqualifikation, was in diesem Fall bei den Konsequenzen keinen Unterschied macht, der drei Erstplatzierten im Quali-Race, Markus Bösiger, David Vrsecky und Antonio Albacete, für Diskussionen. So ging es denn nun nicht nur wegen der hohen Temperaturen von bis zu 32 Grad - in dem (seit mehr als einem Jahrzehnt als provisorisch bezeichneten) Pressezentrum auf dem Boxendach mit Rundrumverglasung und Teerflachdach wurden gar die 40 Grad überschritten - besonders heiß her.
Gerüchte über einen Ausstieg von Mercedes aus dem Truckracing gab es schon länger, hatte es doch im Vorfeld geheißen, Ende Juni - also vor dem Truck Grand Prix am Ring - wolle man die Weichenstellung für die Zukunft bekannt geben. Als dann nichts geschah, deuteten die permanenten Schwarzseher dies direkt negativ. Die Optimisten merkten dagegen an, dass auch im letzten Jahr erst im Dezember in Stuttgart die endgültige Entscheidung gefallen sei, und werteten vor allem den großen PR-Auftritt von Mercedes-Benz am Nürburgring als positives Zeichen.
Aus all den Diskussionen am Wochenende war dann auch zu vernehmen, dass es sich hierbei ja schließlich noch nicht um einen Vorstandsbeschluss handele. Inwieweit sich der Vorstand aber tatsächlich in die Belange um das Truckracing einmischt, sei dahingestellt. Noch herrscht bei vielen Truckracern allerdings die Devise: die Hoffnung stirbt zuletzt. Um hier nicht irrtümlich falsche Vermutungen aufkommen zu lassen, es wollen jetzt durchaus nicht plötzlich alle mit einem Mercedes-Truck an den Start gehen, sondern man befürchtet einfach eine Signalwirkung mit Folgen, wie man sie schon einmal bei den SuperRaceTrucks erlebt hat. Möglicherweise besitzt das obige Bild eines Mercedes-RaceTrucks vor dem Wahrzeichen der Strecke von Most also tatsächlich schon bald Seltenheitswert.
Verliefen die Diskussionen um Mercedes eher verhalten, so ging es insbesondere nach dem sonntäglichen Quali-Race ansonsten ausgesprochen hitzig zu. Von dem Geschehen, um das es bei all den Diskussionen geht, gibt es bis jetzt keine öffentlichen Bilddokumente, es lag offensichtlich außerhalb der Reichweiten der Photographen und TV-Kameras. Auch auf den Bildern der Streckenkameras, die auf den Monitor im Pressecentrum übertragen wurden, war weiter nichts zu sehen, sodass man sich bei der Beurteilung der Angelegenheiten ganz auf die Angaben der Beteiligten verlassen muss.
Schon nach dem Startgerangel beim Cup-Race am Samstag soll Permanent Race Director Tony Iddon angeblich eine Durchfahrtsstrafe für Vrsecky und Albacete gefordert haben, um endlich einmal ein Exempel zu statuieren. Doch er soll mit seinem Ansinnen an den Stewards gescheitert sein, Bösiger hätte schließlich solch eine Entscheidung mit einem Schlag einen Bonus von 20 Punkten eingebracht.
So bleibt nur zu hoffen, dass über den Einspruch gegen den Wertungsausschluss möglichst bald entschieden wird, sodass spätestens vor dem Finale in Jarama schon Klarheit über die Punktesituation herrscht. In bester Erinnerung ist da noch der Einspruch Egon Allgäuers gegen seine Disqualifikation vor zwei Jahren in Albacete wegen der leidigen Stahlseil-Geschichte. Auch hier hat es lange Zeit gedauert, bis man endlich einmal zu Potte kam - übrigens zuungunsten Allgäuers.
Der Österreicher war nun auch in Most der Pechvogel des Wochenendes. Am Samstag verpasste er wegen einer Reparatur das Zeittraining und sah bei keinem der anschließenden beiden Rennen die Zielflagge. Und auch am Sonntag lief es längst nicht so rund, wie Allgäuer es sich wohl vorgestellt hatte. Doch am Montagmorgen drehte der MAN-Pilot einen PR-Film, indem er gemäß Drehbuch einen Porsche verblasen sollte, und war schon wieder bester Stimmung.