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Der Sonntag in Albacete

Der Sonntag in Albacete

03. Juni 2007Albacete - Während für halb Europa Regen prognostiziert wurde, herrschte in Albacete bei leichter Wolkendecke meist strahlender Sonnenschein. Mehr als 20.000 fanatische Fans erwarteten von ihrem Local-Hero Antonio Albacete, dass er seinen Siegeszug vom Vortag fortsetzen würde. Doch da wollten Jochen Hahn und Markus Bösiger nicht so ohne weiteres mitspielen. Im Zeittraining deklassierte der Mercedes-Pilot mit 1:54,266 die Konkurrenz förmlich, Bösiger lag mit seinem Freightliner mehr als 7 Zehntel zurück und der Spanier konnte für seinen roten MAN nur einen Startplatz in der zweiten Reihe neben dem Markenkollegen Gerd Körber erobern, vor Markus Oestreich (MAN) und David Vrsecky (Buggyra-Freightliner).
Doch all seine Überlegenheit nutzte Hahn beim Start nichts mehr, ein kleiner Schaltfehler und schon war die Pole dahin. Bösiger und Albacete schossen an dem Mercedes vorbei, und mit ohrenbetäubendem Lärm versuchten die Zuschauer, Albacete auch noch an dem Schweizer vorbei zu schreien. Zwar hing der Cepsa-Pilot dem blauen Buggyra ständig am Heck, hatte letztendlich trotz all der Unterstützung seiner Landsleute nie eine echte Gelegenheit, Bösiger zu überholen. Hahn hoffte vergeblich auf einen Fehler seiner beiden Vorderleute und musste sich schließlich mit dem dritten Platz zufrieden geben.
Seit zwanzig Jahren fährt Gerd Körber nun Truckracing und beinahe genauso lange herrscht eine Dauerfehde mit Markus Oestreich. Der Petersberger hatte zwar das Startduell gegen Egon Allgäuer verloren, doch in der zweiten Runde konnte er den gelben MAN wieder passieren und zum Angriff auf Körber blasen. Aber so richtig kam Oese an den Rheinauer eigentlich gar nicht heran. Im Ziel trennte die beiden Streithähne mehr als eine Sekunde. Der Kampf um den 6. Platz entwickelte sich dagegen zu einem echten Krimi. Immer wieder schien es, als wolle Vrsecky Allgäuers MAN von der Piste stoßen, der Österreicher wich aber um keinen Zentimeter und passierte schließlich mit dem hauchdünnen Vorsprung von 2 Zehntel vor dem Tschechen die Ziellinie. Die weiteren Punkteränge belegten Stuart Oliver (MAN) vor Simeon Martin und Anthony Janiec (beide Renault). Ein ausgesprochen unbefriedigendes Rennwochenende erlebten Chris Levett und das Atkins-Team. Am Vortag wurde der MAN unverschuldeter Weise bei dem Riesencrash eliminiert, nach guten Trainingsergebnis gab heute schon nach wenigen Runden im Quali-Race die Kupplung ihren Geist auf.
Das abschließende Cup-Race war sicherlich eines der verrücktesten der Saison. Albacete hatte – wie viele Beobachter meinten – mit einem etwas sehr schnellen Start Bösiger die Führung schon auf der Startgeraden abgejagt. Der Schweizer lag auf der Innenbahn und mit stehenden Rädern donnerte der Buggyra eingangs der ersten Kurve in die Seite des scharf einlenkenden Cepsa-MAN. Albacete drehte sich um 180 Grad, der Pulk zog rechts und links an ihm vorbei, teilweise weit durch die Kiesbetten, und wenn Reifenstapel im Weg waren, wurden sie einfach niedergemäht. Dennoch blieben im Gegensatz zum gestrigen Rennen die Trucks in fahrbereitem Zustand.
Albacete jagte dem Feld hinterher, und überholte unter dem Jubel seiner Fans einen Truck nach dem anderen, wobei es sich natürlich vornehmlich um die handelte, die eh drastisch unterlegen waren. In Führung lag nun Bösiger dicht gefolgt von Oestreich. Doch in der fünften Runde erhielt der Schweizer wegen des Vorfalls mit Albacete eine Durchfahrtsstrafe und fiel auf die 8.Position zurück. Nun lag mit Oese plötzlich ein Fahrer an der Spitze, von dem immer noch nicht bekannt war, ob er denn nun überhaupt Punkte bekommen würde oder nicht. Knapp hinter dem Deutschen fuhr Vrsecky und in einigem Abstand folgte Hahn. Während noch allgemein gerätselt wurde, wie die FIA-Offiziellen denn nun mit einem Sieg Oestreichs umgehen würden, musste dieser seinen MAN drei Runden vor Schluss wegen eines Elektrikschadens abstellen. Aus einer Undichtigkeit im Turbolader strömten rund 1.000 Grad heiße Dämpfe und sorgten dafür, dass einige Kabel verschmorten. Nun lag mit Vrsecky erneut ein Pilot in Führung, mit dem man ursprünglich nicht unbedingt gerechnet hätte. Mit komfortablem Vorsprung fuhr der Tscheche schließlich vor Hahn und Körber durchs Ziel. Albacete war währenddessen auf den 4. Platz vorgeprescht, meistens dicht gefolgt von Bösiger. Drei Runden vor Schluss hatte der Spanier auch Stuart Oliver passieren können, der Schweizer biss sich dagegen an dem Briten die Zähne aus und musste sich im Ziel um 3 Zehntel geschlagen mit dem 6. Rang zufrieden geben. Da konnte Bösiger auch die schnellste Rennrunde kaum mehr trösten. Das Spitzenseptett vervollständigte Allgäuer, dahinter tat sich dann eine große Lücke auf. Das Privatduell um den besten Renault-Piloten entschied Janiec als Achter vor Martin für sich, und den letzten Punkterang holte sich Eduardo Rodrigues (MAN).
Die derzeitige Situation bei der Punktevergabe bleibt weiterhin unklar. Plötzlich hieß es, es sei nun offiziell, Markus Oestreich bekäme doch keine FIA-Punkte. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Vorgabe waren die veröffentlichten Punktestände nicht nachvollziehbar. Sollte Markus Oestreich ebenso behandelt werden wie Race-by-Race-Piloten, müsste auch er FIA-Punkte einfahren können. Demnach führt Bösiger mit 155 Punkten weiterhin die Championatswertung an vor Albacete (119), Vrsecky (111), Hahn (108), Körber (85) und Allgäuer (58).
Die Teamwertung gewann wieder einmal Buggyra vor Team Allgäuer und Team Hahn. Und auch bei der Siegerehrung zur spanischen Meisterschaft stand Jochen Hahn erneut auf dem Treppchen vor Albacete und Martin.