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Der Sonntag in Jarama

Der Sonntag in Jarama

01. Oktober 2006Jarama - Bereits in den frühen Morgenstunden, am Himmel waren noch die Sterne zu sehen, drängten die enthusiastischen spanischen Truckracingfans über die völlig verstopfte Autobahn zum Circuito del Jarama. Bei bestem Wetter waren es schließlich insgesamt knapp 46.000 Zuschauer, die Antonio Albacete auf seinem Cepsa-MAN bei zumeist strahlendem Sonnenschein erneut zum Sieg treiben wollten. Und tatsächlich, nachdem im Zeittraining anfangs Markus Bösiger (MAN) die Bestzeit markiert hatte, übernahm dann auch bald der Spanier die Spitzenposition. Dann aber kam in allerletzter Sekunde Jochen Hahn und zauberte auf seinem Mercedes-Axor mit 2:00,068 Min. eine Zeit auf die Piste, die an diesem Wochenende noch niemand erreicht hatte. Die vierte Startposition hatte sich Markus Oestreich (Mercedes-Benz) vor Gerd Körber (Freightliner) und Niko Pulic (Mercedes-Benz) gesichert.
Beim folgenden Quali-Race gab es nun offensichtlich am fliegenden Start nichts auszusetzen. Hahn verteidigte seine Pole-Position gegen einen machtvoll angreifenden Albacete souverän. Bösiger blieb auf der dritten Position, Oestreich und Körber lagen Seite an Seite knapp dahinter. Bei der Einfahrt in die zweite Kurve kamen sich die beiden Deutschen dann etwas zu nahe. Während Oese weiterhin auf der Ideallinie durchziehen konnte, geriet der auf der Außenbahn fahrende Freightliner-Pilot weit ins Kiesbett. Knapp dahinter folgte Jo Adua (MAN) exakt Körbers Spur. Allerdings fand der Franzose nicht mehr problemlos auf die Piste zurück, sondern schoss quer durchs Feld auf die andere Seite und rammte beim Einlenken in die folgende Rechtskurve voll den Renault seines Landsmanns Vincent Crozier. Im Slalom fuhr das restliche Feld um die diversen Wrackteile und die beiden Havaristen herum, die ausgesprochen gefährlich in der Auslaufzone standen. Was aber wäre Jarama ohne seine Marshalls; denn binnen kürzester Zeit war das Kampffeld geräumt, und das Rennen konnte problemlos weiterlaufen. Körbers Ausflug in die Botanik hatten Pulic, und die beiden MAN-Piloten Adam Lacko und Markus Altenstrasser nutzen können, um an dem Rheinauer vorbeizuziehen. Körber lag nun auf der 8. Position, all seine vehement vorgetragenen Angriffe konterte Altenstrasser souverän. So hatte Albacete sein Punktepolster zum schärfsten Verfolger im Championat, Gerd Körber, um weitere 6 Punkte vergrößern können.
Für das abschließende Cup-Race galt Jochen Hahn nach seinem klaren Sieg im vorherigen Rennen als eindeutiger Favorit. Doch der Altensteiger kam beim Start nicht richtig aus den Löchern. Albacete übernahm gleich die Führung und auch die beiden Markenkollegen Pulic und Oestreich hatten eingangs der ersten Kurve schon einen leichten Vorsprung vor Hahn herausfahren können. Eigentlich hätte die Piste an der Stelle auch noch für drei Axor nebeneinander ausgereicht. Es schien aber, als hätten Hahn auf der Innenbahn und Pulic auf der mittleren Spur sich ineinander verfangen. Der silber-weiße Mercedes stieg vorn links auf, Pulic’ Truck wurde immer weiter nach Außen gegen Oeses Mercedes gedrückt und erwischte diesen in der Mitte. Der Petersberger drehte sich und landete im Kies. Hahns Truck schoss gerade aus ebenfalls ins Kiesbett. Altenstrasser, Körber, Lacko und ein Großteil des restlichen Feldes nutzten die Chance, um an den Mercedes-Trucks vorbeizuziehen. Albacete und Bösiger lösten sich immer mehr von ihren Verfolgern, wobei der Schweizer den viel bejubelten Sieg Albacetes aber nicht ernsthaft gefährden konnte. Beim Kampf um den dritten Platz biss sich Körber erneut einen Zahn an Altenstrasser aus. Und wieder konterte der Truckrace-Rookie alle Angriffe des Routiniers und holte sich freudestrahlend den dritten Podiumsplatz. Lacko wurde etwa Mitte des Rennens von einem heftigen Steinhagel getroffen, der die Windschutzscheibe seines MAN total zertrümmerte. Mit diesem Handicap schaffte es der junge Tscheche dann noch so gerade, sich vor dem am Schluss vehement attackierenden Hahn mit 5/10 Sekunden Vorsprung auf dem vierten Platz ins Ziel zu retten. Während Pulic nach vier Runden seinen stark lädierten Axor abstellen musste, setzte Oestreich zu einer eindrucksvollen Verfolgungsjagd an. Etwa 10 Konkurrenten überholte der Deutsche noch und lag am Ziel dann hinter Hahn auf dem siebten Platz.
Mit Chris Levett vom Atkins-Racing-Team, der im Quali-Race Zehnter geworden war und nun den neunten Platz belegte, holte erstmals ein Race-by-Race Pilot Punkte im Europa-Championat.
Die Gesamtwertung führt Albacete nun mit 301 Punkten an, nur noch Körber (269) und Hahn (245) haben rein rechnerisch noch die Chance, dem Spanier die Titelverteidigung beim Finale in Le Mans streitig zu machen.