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Der Samstag am Ring

Der Samstag am Ring

22. Juli 2006Nürburgring - Schon am Vormittag war es heiß und schwül, und alle sehnten eigentlich einen kühlenden Schauer herbei. Gegen ein Uhr mittags war es dann auch soweit, der Himmel verdunkelte sich und heftige Winde kamen auf. Doch auf solch ein Unwetter hätte man gern verzichtet und lieber weiterhin geschwitzt. Wassermassen ergossen sich nicht nur über die Piste und durch das Fahrerlager, Campingplätze versanken binnen kürzester Zeit im Schlamm, Vorzelte brachen zusammen und mehrmals fiel der Strom aus.
Zuvor hatte es beim ersten Quali-Race (Gruppe 1) mit den beiden Mercedes-Benz von Markus Oestreich und Niko Pulic ein Novum gegeben, eine „Euroline“ als erste Startreihe (O-Ton Oese). Direkt dahinter stand mit Jochen Hahn schon der nächste Mercedes-Pilot. Den Start gewann Pulic vor Oestreich und Gerd Körber. Der Buggyra-Pilot hatte Jochen Hahn schon anfangs die dritte Position abgejagt. Wenige Runden später musste sich der Altensteiger auch noch den Angriffen des MAN-Piloten Markus Bösiger geschlagen geben und so mit dem 5.Platz abfinden.
Die Spitzenreiter absolvierten ihre Runden derweil in trauter Eintracht, bis Oestreich in der vorletzten Runde zum großen Schlussangriff ansetzte und an Pulic vorbeizog. Den gleichen Gedankengang schien auch Gerd Körber zu verfolgen, doch der Kroate wehrte sich vehement und verteidigte seine zweite Position bis ins Ziel.
Das erste Quali-Race der zweiten Gruppe wurde zu einer klaren Angelegenheit von Antonio Albacete. Mit seinem roten MAN setzte er sich gleich an die Spitze und verteidigte diese auch bis zur Zieldurchfahrt mit knappem, aber sicherem Vorsprung vor David Vrsecky. Lange Zeit sah es so aus, als sei der dritte Platz eine sichere Angelegenheit für Frankie Vojtisek. Doch der portugiesische MAN-Pilot Jose Rodrigues hing dem tschechischen Renault permanent an der Stoßstange und zog dann auch tatsächlich noch an Vojtisek vorbei auf Rang drei. Kurz vor Schluss des Rennens musste Heinz-Werner Lenz seinen Iveco wegen eines technischen Defekts abstellen und den 5.Platz an Hans-Joachim Stuck abtreten. Der Ex-F1-Pilot ging am Nürburgring als Gastfahrer in einem Allgäuer-MAN an den Start. Die Lenzsche Familienehre „rettete“ dann aber doch Sohnemann Sascha, der im Mercedes-Brasil-Hauber auf die sechste Position fuhr.
Bevor dann aber das Cuprennen gestartet werden konnte, setzte der schon zuvor beschriebene große Regen ein. Dennoch versuchte man das Rennen zeitplanmäßig zu starten und das ging voll daneben. Polesetter Oestreich schoss eingangs der Mercedes-Arena einfach nur geradeaus, die Nachfolgenden waren da etwas vorsichtiger, und kamen einigermaßen um die Kurve. Dennoch war Einiges zu Bruch gegangen. Doch auch in folgenden Runden rutschten gerade vor der T4 immer wieder Trucks ins Kiesbett. Der Regen wurde dann auch noch stärker und das Rennen nach nur drei Runden abgebrochen. Die Wracks wurden eingesammelt und man ließ nun erst einmal den Korso der amerikanischen Trucks langsam über die Piste fahren. Währenddessen bemühten sich die Streckenposten auch noch die vielen kleinen Seen, die sich auf der Rennstrecke gebildet hatten, halbwegs trocken zu legen. Mit eineinhalbstündiger Verspätung ging es schließlich weiter. Der Start erfolgte in der Reihenfolge des Zieleinlaufs des ersten Rennabschnitts. Körber auf der Pole, Bösiger daneben und in zweiter Reihe Pulic und Albacete. So kam die Vierergruppe auch auf die erste Kurve zugeschossen. Pulic lag mittlerweile auf einer Höhe mit Körber und so zog man auch wieder aus der Kurve heraus. Im Scheitelpunkt der Mercedes-Arena touchierte der Freightliner den kroatischen Mercedes, Pulic drehte sich auf der nassen Piste und stand gegen die Fahrtrichtung schräg auf der Fahrbahn. Frankie Vojtisek konnte nicht mehr ausweichen und knallte in den Mercedes. In den liegen gebliebenen Renault krachte dann der MAN von Markus Altenstrasser und verwandelte den Vojtisek-Truck zum Wrack. Erneut musste das Rennen abgebrochen werden, anschließend gab es den dritten Startversuch im Cuprennen.
Albacete übernahm gleich die Führung, gefolgt von Körber und Bösiger. Während der Spanier sicher die Führung behauptete, gab es um die weiteren Positionen spannende Auseinandersetzungen. Jochen Hahn hatte sich aus dem Mittelfeld schnell auf Platz zwei vorgeschoben, musste sich dann aber in der letzten Runde wieder einem Angriff Bösigers beugen und sich mit dem dritten Platz zufrieden geben. Doch da die Ergebnisse des ersten Rennabschnitts und des zweiten zusammengezählt wurden, hatte der Zieleinlauf letztendlich nicht so sehr viel mit dem tatsächlichen Endergebnis zu tun. Sieger wurde Markus Bösiger vor Antonio Albacete und Gerd Körber. Hahn landete auf dem undankbaren vierten Platz vor Markus Altenstrasser und Hans-Joachim Stuck.