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Der Sonntag in Nogaro

18. Juni 2006Nogaro - Am Morgen war der Himmel noch zugezogen, die Temperatur erträglich und es hätte eigentlich ruhig so bleiben können. Doch im Laufe des Tages zog die Wolkendecke immer weiter auf, die Temperaturen stiegen stetig an, bei nahezu kompletter Windstille hingen die Fahnen jedoch nur schlaff herunter, und genauso schlaff werden sich die meisten der insgesamt 26.000 Zuschauer gefühlt haben. Es war einfach unerträglich schwül geworden. Das war aber nicht unbedingt das Gesprächsthema im Paddock, einmal mehr waren die fliegenden Starts Grund für ausgiebige Diskussionen. So wie es momentan gehandhabt wird, gibt es immer Fahrer, die sich den anderen gegenüber benachteiligt fühlen. <br />
Die erste Überraschung des Tages lieferte dann Markus Bösiger, der sowohl im Warm-Up als auch im anschließenden Zeittraining die absolute Bestzeit (1:55,634) markierte. Neben dem Schweizer MAN stand in der ersten Startreihe Jochen Hahn. Den dritten Startplatz hatte sich mit Markus Oestreich ein weiterer Mercedes-Fahrer erobert, neben ihm stand mit Gerd Körber sein alter 'Streitgenosse' aus SuperRaceTruck-Zeiten. Der Start zum anschließenden Quali-Race war dann solch ein diskussionswürdiges Ereignis. Polessettter Markus Bösiger war der Meinung, Jochen Hahn habe ihn schon, bevor die Ampel auf Grün gesprungen sei, um mehr als eine halbe Wagenlänge passiert. Offensichtlich ebenso sah es das Buggyra-Team und legte gar offiziellen Protest ein. Die Rennkommission sah es wiederum ganz anders und nach langer Diskussion zog Buggyra schließlich den Protest zurück. Jochen Hahn jedenfalls baute im Rennen seinen Vorsprung langsam aber kontinuierlich aus, während Markus Bösiger permanent den Atem von Gerd Körber im Nacken spürte, der seinerseits wieder von Markus Oestreich unter Druck gesetzt wurde. Der Schweizer brachte schließlich seinen zweiten Platz doch sicher ins Ziel, Körber dagegen musste sich zwei Runden vor Schluss der ständigen Angriffe Oestreichs geschlagen geben. Auf dem fünften Platz fuhr mit Niko Pulic ein weiterer Mercedes-Pilot noch vor Titelverteidiger Antonio Albacete ein.<br />
Auch der fliegende Start im abschließenden Cup-Race gab wieder zu Diskussionen Anlass. Zumindest waren Bösiger und Oestreich der Meinung, sich exakt regelkonform verhalten und erst nach dem Umspringen der Ampel Gas gegeben zu haben. Zu diesem Zeitpunkt seien Hahn und Körber aber schon an ihnen vorbeigezogen und hätten die Spitze übernommen. Es scheint, als bestünde da für die Zukunft noch einiger Klärungsbedarf. Dennoch konnte sich das Führungsduo nicht absetzen. Die vier Erstplatzierten lagen während des ganzen Rennens nie mehr als jeweils eine Sekunde auseinander. Immer wieder rückte der eine oder andere seinem Vordermann so dicht auf die Pelle, dass der Beobachter ständig damit rechnete, jetzt würden doch noch die Positionen gewechselt. Aber schließlich fuhren die Trucks dann genau in der Reihenfolge durchs Ziel, in der sie sich schon während des ganzen Rennens gegenseitig unter Druck gesetzt hatten.<br />
Antonio Albacete stellte wieder einmal seine Verfolgerqualitäten unter Beweis. Schon in den ersten Kurven war der Spanier ins Gras geraten und musste sich weiter hinten im Feld wieder einreihen. Doch nach und nach kämpfte sich Albacete schließlich doch noch bis auf den fünften Platz vor.<br />
Jochen Hahn verbuchte mit diesem absoluten Traumwochenende mit vier Siegen in vier Rennen die Maximalpunktzahl von 60 Zählern und baute mit 183 Punkten seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf Gerd Körber (173), Antonio Albacete (145) und Markus Oestreich weiter aus.