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Der Samstag in Nogaro

Der Samstag in Nogaro

17. Juni 2006Nogaro - Viele Teams hatten ihr Equipment auf dem Heimweg von Albacete ja schon in Nogaro stehen gelassen. Entsprechend früh waren die Mechaniker wieder in die Gascogne zurückgekehrt, um hier noch einige Wartungsarbeiten durchführen zu können. Und so waren denn auch spätestens am Donnerstagabend die meisten Zelte bereits komplett aufgebaut. Da konnte noch niemand ahnen, dass Manche am Freitagmorgen noch einmal beinahe von vorn anfangen mussten. Zwischen fünf und sechs Uhr morgens war über Nogaro ein kurzes Unwetter mit kleinen Wirbelstürmen hinweg gezogen, die auch diverse Zeltteile hatten durch die Lüfte fliegen lassen. Ansonsten war es zwar sehr warm, aber eben auch schwül und am Abend ging wieder ein kräftiger Schauer über Nogaro nieder.<br />
Für die Piloten begann es dann erst richtig mit den Pressefahrten. Spektakulärer Höhepunkt war der Motorbrand an David Vrseckys Freightliner. Öl war ausgetreten und hatte sich an den heißen Motorteilen entzündet. Der eigentliche Schaden war dann bei weitem nicht so gravierend, wie es ursprünglich den Anschein hatte, allerdings waren die Mechaniker anschließend emsig damit beschäftigt, dieses fürchterlich klebende Öl-Löschpulver-Gemisch vom Motor und von der Karosserie wieder abzuwaschen.<br />
Doch bei den Läufen zum Freien Training lief der Buggyra-Truck schon wieder wie am Schnürchen. Jochen Hahn hatte erneut am Differential seines Mercedes-Benz Veränderungen vorgenommen, und das hat sich dann offensichtlich rentiert. Sowohl beim Warm-Up und insbesondere beim Zeittraining (1:55,305) legte der Schwabe Zeiten auf die Piste, von denen er zuvor nicht zu träumen gewagt hatte. Ihm kaum nach stand Markenkollege Markus Oestreich, und so gab es im Quali-Race wie schon in Albacete erneut zwei Mercedes-Benz in der ersten Startreihe. Auch Stefan Honens schien über Nacht noch etwas eingefallen zu sein, denn sein Pilot Markus Bösiger erzielte schon während des Warm-Up phantastische Zeiten und wiederholte diese auch im Zeittraining. So konnte sich der Schweizer noch vor Antonio Albacete den dritten Startplatz für das Quali-Race sichern. Hinter der Mercedes- und der MAN-Reihe gab es dann ganz paritätisch auch eine reine Freightliner-Reihe mit Gerd Körber und David Vrsecky. <br />
Polesetter Hahn übernahm dann im Rennen direkt die Führung, knapp dahinter Oestreich. Bösiger gewann sein Duell gegen Albacete, Körber und Vrsecky reihten sich wiederum direkt hinter dem Spanier ein. Während sich die beiden Mercedes-Benz an der Spitze etwas absetzen konnten, und insbesondere Hahns Vorsprung langsam aber stetig größer wurde, startete Albacete immer wieder Angriffsversuche auf Bösiger. Eine echte Überholchance hatte der Spanier letztendlich aber nie. Und auch die beiden Buggyras in Lauerstellung mussten sich schließlich mit Rang 5 und 6 bescheiden. <br />
Das Gelände für den Parce-Fermé in Nogaro ist extrem eng bemessen, sodass anschließend nur die ersten Zehn sich dort einfinden mussten. Dann wurde insbesondere der Mercedes von Hahn, der Buggyra von Körber und der MAN von Albacete einer eingehenden Untersuchung unterworfen. Bei Letzterem stellten die Stewards dann fest, dass der Motor weiter lief, obwohl der Air-Restrictor des Turboladers komplett geschlossen war. Folglich musste irgendwo ein Leck sein, das der Maschine zusätzlich Luft verschaffte. Fast zwei Stunden dauerte es, bis schließlich ein abschließendes Ergebnis vorlag. Albacete wurde wegen nicht regelkonformer Technik disqualifiziert und für das Cup-Race in die letzte Startreihe versetzt.<br />
Für den Spanier keine so ungewohnte Situation denn zwei Wochen zuvor in Albacete musste der MAN-Pilot nach seinem Ausfall im Quali-Race später auch das Feld von hinten aufrollen. Und wieder hatte Albacete schon nach zwei Runden mehr als die Hälfte des Feldes niedergekämpft. Doch dann traf er auf ebenbürtigere Gegner wie Ross Garrett (Foden) und David Vrsecky. Der Engländer musste dann zwar den Kürzeren ziehen, an dem Tschechen kam der Spanier aber nicht mehr vorbei. Gemeinsam passierten die Beiden dann drei Runden vor Schluss noch Jose Rodrigues (MAN), und so belegten Vrsecky und Albacete in der <br />
Endabrechnung die Positionen 5 und 6. <br />
Die Dramatik des Rennens lag diesmal aber nicht in der Aufholjagd Albacetes, sondern spielte sich vorn an der Spitze ab. Der fliegende Start schien etwas umstritten. Polesetter Hahn soll kurz vor dem Überqueren der Startlinie das Tempo stark gedrosselt haben. Bösiger fuhr auf den Mercedes auf, während Oestreich das eingeschlagene Tempo weiter fuhr. Dadurch hatten die auf der linken Seite fahrenden Piloten einen ungeheuren Vorteil. Oestreich übernahm die Führung, Hahn hing direkt an seinem Heck. Im Schlepptau des Fuldaers zog Körber auf den dritten Rang, und dahinter kam auch noch Markus Altenstrasser (MAN) nach vorn. Der hinter Bösiger fahrende Vrsecky gab dem Schweizer MAN-Piloten dann zum Ende der ersten Runde noch so einen heftigen Schlag aufs Heck, dass die Hinterachse aus der Verankerung sprang, das Rennen war für Bösiger beendet. Anschließend wurde Oestreichs Durchstarten als Frühstart gewertet. Der Deutsche musste einmal durch die Boxengasse und fiel dadurch gleich um fünf, sechs Plätze zurück. Rundenlang kämpfte Oese sich dann an Jose Rodrigues heran, hing dem Portugiesen lange Zeit förmlich auf der hinteren Stoßstange, kam dann endlich an dem roten MAN vorbei und lag nun dem 4.Platz. Nun blies Oestreich zum Angriff auf Altenstrasser. Doch um auch den Österreicher aus dem Allgäuer-Team zu überholen reichte es dann doch nicht mehr. Im Ziel musste sich Oese um eineinhalb Sekunden geschlagen geben. Währenddessen bauten die beiden Spitzenreiter ihre Führung weiter aus. Vor Körber fuhr Hahn schließlich sicher seinem ersten Cup-Sieg dieser Saison entgegen und übernahm damit auch die Führung in der Gesamtwertung. <br />
Adam Lacko ist übrigens in Nogaro nicht am Start. In Albacete war der Tscheche von der FIA-Kommission noch ermahnt worden, er dürfe sich keine weiteren Eskapaden mehr leisten. Mittlerweile hat er sich allerdings bei einem Rennen im Oktavia-Cup an der Hand verletzt, zudem ist der MAN durch die diversen Crashs so verzogen, dass das Matejovsky-Team die Meldung für Nogaro zurück gezogen hat.