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Misano Drumherum

Misano Drumherum

31. Mai 2006Zunächst herrschte erst einmal Abschiedstimmung. Carlos Funes wird künftig eine andere Position innerhalb der FIA einnehmen, bei der FIA European Rally Cross Championship. Als verantwortlicher Technischer Delegierter hatte Carlos, wie er im Paddock nur genannt wurde, zwar eigentlich mit jedem Fahrer oder Team immer wieder mal im Clinch gelegen, doch jetzt als der Abschied des Brasilianers bevorstand, kam dann doch eine Menge Wehmut auf. Buggyra-Racing-Managerin Seline Hellmonds hatte eine Collage zusammengestellt mit Photos aus Carlos Funes'' Truckracing-Zeit. <br />
Ansonsten war das beherrschende Thema in Misano ausnahmsweise einmal nicht die seit jeher umstrittene – in Misano bekanntlich ja besonders problematische – Geschwindigkeitsmessung per GPS, sondern weiterhin der Ärger darüber, dass die Rennen in Misano und die in Albacete binnen Wochenfrist anberaumt worden sind. Von den Vertretern des Circuito di Santamonica konnte auch niemand erklären, warum man vom traditionellen Misano-Termin, dem 3. Mai-Wochenende, abgewichen und um eine Woche nach hinten gerückt war – zumal die Strecke frei gewesen wäre. Denn erst durch diese Terminverschiebung sind die Teams nun zu einer solchen Gewalttour von 1.800 km in zwei, drei Tagen gezwungen. Einige wollen die Reise eher erholsam gestalten und mit der Fähre von Genua nach Barcelona übersetzen. Da aber allein die reine Fahrtdauer 17 Stunden beträgt, und man spätestens um 19:00 Uhr am Montagabend in Genua sein musste, werden die Meisten allerdings den zeitlich kürzeren Landweg an der Riviera entlang einschlagen. Fraglich bleibt jedoch, ob sie ausreichend Muße haben, die Schönheit der Landschaft zu genießen. <br />
Thema Nummer zwei war dann allerdings natürlich die Geschwindigkeitsmessung. Außergewöhnliche Vorfälle wurden nicht bekannt, zumal ja auch wieder mit Radarpistolen zusätzliche Kontrollen durchgeführt worden sind. Eine dieser Messungen wurde dann auch im Zeitenprotokoll veröffentlicht. Warum aber gerade an der Stelle die Radarpistole eingesetzt worden ist, bleibt unergründlich, lagen doch die gemessenen Werte häufig auch nicht nur annähernd in dem kritischen 160er Bereich. Aber vielleicht gehören all diese Probleme um die GPS-Messung schon bald der Vergangenheit an. Wie schon berichtet, testete ein Team von Siemens VDO einen für das Truckracing modifizierten digitalen Fahrtenschreiber. Dieses Gerät wird beim Truck Grand Prix am Nürburgring einzig zur Überwachung des Tempolimits eingesetzt und vielleicht in der kommenden Saison ja auch schon in sämtlichen Läufen der FIA European Truck Racing Championship. <br />
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Der fliegende Start bleibt auch in dieser Saison wieder umstrittener Diskussionspunkt. Hier ist es dringend notwendig, einheitliche Maßstäbe zu erarbeiten und diese dann auch konsequent anzulegen. Im Zweifelsfall muss der Start eben abgebrochen und so lange wiederholt werden, bis auch der Letzte kapiert, wie es läuft. Und wenn dann immer noch jemand glaubt, zucken oder etwas früher aufs Gas gehen zu müssen, bietet das Regelwerk ja auch Sanktionsmöglichkeiten. Wichtig ist vor allem, eine offensichtlich einheitliche Handhabung, damit der Eindruck verschwindet, einzelne Piloten würden bevorteilt, während andere wiederum immer das Gefühl haben, benachteiligt zu werden. Ebenso ist bei der Beurteilung des Schwarzrauchs eine einheitliche Vorgehensweise dringend notwendig. Die Regeln sagen ganz eindeutig, dass ein Truck mit starker Rauchentwicklung, in die Box zu fahren habe. Immer noch ziehen manche Trucks insbesondere in der Beschleunigungsphase dicke Rußwolken hinter sich her, und manchmal gibt es die schwarze Flagge und manchmal eben auch nicht. <br />
Zum Schluss auch noch etwas Erfreuliches. Schon am Donnerstag hatten sich Mitglieder der Technik-Kommission mit Vertretern der Nutzfahrzeughersteller zusammengesetzt und das technische Reglement für die kommende Saison diskutiert. Nach Meinung der Beteiligten habe sich die lange Sitzung wirklich gelohnt. Soviel Einigkeit habe es schon lange nicht mehr gegeben, es bliebe jetzt nur noch zu hoffen, dass man seitens der Entscheidungsträger der FIA dem Ganzen nicht noch einen dicken Strich durch die Rechnung mache.