Donnerstag, 20.02.2020 | Deutsch | English

Der Samstag am Nürburgring

19. Juli 2003Nürburg - Bei weiterhin höchstsommerlichen Temperaturen schien Titelverteidiger Egon Allgäuer es noch nicht verwunden zu haben, dass ihn Stuart Oliver im Zeittraining der Racetrucks am Freitag um gerade einmal 13 Hunderstel Sekunden in die zweite Startreihe verbannt hatte. Im morgendlichen Warm-Up distanzierte der Österreicher seinen britischen Markenkollegen denn auch gleich um 3 Zehntel. Hochmotiviert legte der gelbe MAN beim ersten Qualirace los. Polesetter Lutz Bernau hatte einen Traumstart erwischt, gleich dahinter startete Allgäuer diverse Angriffe auf den vor ihm liegenden Oliver. Schon in der zweiten Kurve drängte Egon den Castrol-Truck immer weiter nach Außen, doch Stuart hielt voll dagegen. Quer liegend und wie aneinander geschweißt schoben die beiden MAN durch die nächste Kurve. Profit aus diesen Aktionen zog nur Lutz, er setzte sich noch weiter ab. Noel Crozier schaffte es noch nicht, an den beiden Kontrahenten auf Platz 2 vorbeizuziehen. Nach der scharfen 180 Grad-Kehre der Kurzanbindung startete Allgäuer allerdings seinen nächsten Angriff, erwischte Oliver hinten links ziemlich hart, beide MANs drehten sich und landeten im Kies. Als das komplette Feld sie passiert hatte, legten die Beiden zur Begeisterung der Fans eine unglaubliche Aufholjagd hin, der Atkins-Racing MAN vornweg, Allgäuer immer knapp dahinter. Schließlich schaffte es der Engländer noch auf Platz sechs, Allgäuer musste sich mit Rang 8 zufrieden geben. Noch mehr Begeisterung als dieser Zweikampf löste der Auftritt von Heinz-Werner Lenz aus, der bei seinem ersten Rennen in diesem Jahr gleich den fünften Platz eroberte. Vor ihm lagen nur noch Frankie Vojtisek und Jochen Hahn. Da Crozier nicht zur EM gemeldet hatte, freute sich Jochen über die volle Punktzahl für den zweiten Platz. <br />
Auch das Cup-Rennen wurde mit einem erneuten Start-Ziel-Sieg wieder zu einem Triumphzug für Lutz Bernau. Seine beiden ärgsten Konkurrenten in der Meisterschaft verloren weiter an Boden. Stuart Oliver begnügte sich den dritten Platz zu verteidigen, der zweitplatzierte Noel Crozier konnte ihm keine EM-Punkte wegnehmen. Jochen Hahn verpasste mit Rang 4 knapp das Podium. Zur Freude der vielen Lenz-Fans konnte Heinz-Werner vor Egon Allgäuer erneut den fünften Platz erobern. Der Titelverteidiger hatte allerdings auch keine Veranlassung sich noch auf harte Zweikämpfe einzulassen, die 10 Punkte für die EM-Wertung waren ihm ja sicher, da auch Lenz in diesem Jahr nicht zur Europameisterschaft gemeldet hat.<br />
Höhepunkt bei den Superracetrucks war das 40-minütige Qualifikationstraining. In den vorherigen Läufen zum Freien Training hatte Gerd Körber den in der EM-Gesamtwertung mit einem Punkt vor ihm liegenden Markus Oestreich immer in Schach halten können, und das sollte dem Rheinauer auch in der Qualifikation gelingen. Dass aber nicht er, sondern seine beiden Markenkollegen Antonio Albacete und David Vrsecky die Plätze in der ersten Startreihe belegten, wurmte den Titelverteidiger doch mächtig. Bis zur letzten Sekunde nutzte der silberne Buggyra alle Möglichkeiten, es blieb aber beim dritten Startplatz neben Markus Oestreich. <br />
Bei den Racetrucks stand außer den FIA-Rennen noch der ADAC-Mittelrhein-Cup auf dem Programm, traditionell eine Domäne der Franzosen und Engländer, die in diesem Rahmen auch wieder Läufe zu ihrer nationalen Meisterschaft austrugen. Überraschend hatte Egon Allgäuer mit seinem letztjährigen Meisterschaftswagen gemeldet, und hier feierte er auch sein erstes Erfolgserlebnis an diesem Wochenende vor dem Franzosen Jean-Loup Fournier und Heinz-Werner Lenz. <br />
Doch damit war der Wettbewerbshunger des Österreichers und des Deutschen noch lange nicht gestillt. Beide hatten sich auch noch für den Go-and-Stop-Contest angemeldet. Zuvor gab es aber den Wettkampf der lizenzfreien Piloten. Gegen 21 mitfahrende Männer holte sich hier die einzige Dame im Feld, Andrea Schneider aus Münster, den siebten Rang. Die langjährige Teilnehmerin hatte auch den absolut lautstärksten Fan-Club mit dabei. Den Sieg holte sich Marc Stohlmann vor Sascha Wellnowski..<br />
Bei den Profis traten von den zwölf Gemeldeten leider nur noch 6 an. Das erste Halbfinale entschied der erklärte Favorit Erwin Klein-Nagelvoort, dessen Scania Renntruck älter ist als er selbst, knapp vor Ross Garrett für sich. Den anderen Lauf gewann Allgäuer vor Lenz, der in seinem Übereifer einfach zuviel Pylone mitgenommen hatte. Im Rennen um Platz drei markierte der Plaidter die absolute Tagesbestzeit und gab Garrett das Nachsehen. Im Finale blieb dann der gelbe Allgäuer-Truck schon nach wenigen Metern stehen, so war dem blauen Scania aus Holland der Sieg sicher. Die Siegerehrung schien ein Allgäuer-Lenz-Versöhnungsfestival, bekanntlich hatten sich ja gerade diese beiden jahrelang besonders hart beharkt. Um all dem noch eine besondere Note zu geben, hatte Heinz-Werner Lenz gleich noch seine persönliche Cheerleader-Gruppe mitgebracht.