Freitag, 15.10.2021 | Deutsch | English
Der Samstag in Alastaro

Der Samstag in Alastaro

31. Juli 2004Alastaro - Wieder einmal war es gottlob nicht so gekommen, wie die finnische Wetterkarte es am Tag zuvor prophezeit hatte. Die RaceTrucks begannen schon um acht Uhr mit dem ersten Freien Training, eine relativ klare Angelegenheit für Stuart Oliver. Im zweiten dominierte nicht ganz erwartet Jochen Hahn. Lutz Bernau, eigentlich der beste Kenner der schwierigen Strecke in Alastaro, belegte nur den fünften Rang. Im anschließenden Zeittraining konnte sich der Triumphator vom Ring zwar noch auf Rang 3 vorschieben, die Spitzenzeiten des Polesetters Oliver und von Jochen Hahn verfehlte er allerdings erheblich. <br />
Im ersten Quali-Race nutzte der Engländer seine Poleposition, übernahm sofort die Führung und gab sie bis zum Zieldurchlauf auch nicht mehr ab. Bernau setzte Hahn gleich kräftig unter Druck, ging noch vor der Spitzkehre am Mercedes vorbei und fuhr ebenso sicher vor Hahn seinen zweiten Platz nach Hause. Dramatisch verlief das Geschehen dahinter. Egon Allgäuer war wegen eines Vorfalls im Training, als er ein Stop-and-Go-Signal nicht beachtete hatte, von der zweiten Startreihe ans Ende des Feldes verbannt worden. In scheinbarem Übereifer verpasste der Österreicher dann nach dem fliegenden Start bereits in der zweiten Kurve offensichtlich den Bremspunkt, kam leicht von der Strecke, krachte mit seiner linken Front auf das Heck des Teamkollegen Adam Lacko, und der arme David Jenkins hing auch noch dazwischen. Dessen Sisu blieb gleich liegen, Allgäuer schleppte sich schwer gezeichnet bis in die Box, Lacko nahm mit einem Platten hinten rechts die Verfolgung des enteilten Starterfeldes auf und wurde schließlich noch Siebter. <br />
Hinter den drei Erstplatzierten behauptete Frankie Vojtisek lange Rang 4, bis sein Renault zu schwächeln begann, und er noch hinter Ross Garrett und Vincent Crozier auf den 6. Platz zurückfiel. <br />
Im folgenden Cuprennen zog Stuart Oliver zunächst erneut von der Pole auf und davon. Doch schon bald saß Lutz Bernau dem Briten im Nacken und setzte seinen MAN-Markenkollegen permanent unter Druck. Zum Entsetzen seines Teams ließ der Bayer seinen RaceTruck dann aber schon in der dritten Runde ausrollen, zwei verschmorte Kabel verhinderten seinen weiteren Vorwärtsdrang. Da Bernau allerdings die absolut schnellste Rennrunde auf die Piste gelegt hat, lässt sich nur erahnen, was den Zuschauern an Spannung entgangen ist. Hahn behauptete unbedrängt seinen zweiten Platz. Um Rang 3 gab es einen Kampf, der allein schon das Zuschauen gelohnt hat. Von der letzten Position aus war der im Quali-Race so arg gebeutelte Allgäuer durchs Feld geprescht, hatte einen nach dem anderen überholt, bis er auf Ross Garrett traf. Der Engländer leistete erbitterten Widerstand, hatte Vorteile in der Beschleunigung, doch bei jedem Anbremsen hing ihm der Österreicher wieder auf der Pelle. Mehrfach versuchte der MAN-Pilot, mal innen, mal außen an dem Foden vorbeizukommen. Mit fortlaufendem Rennen verlor der MAN jedoch immer weiter an Ladedruck, so dass Garrett letztendlich jeden Angriff wieder parieren konnte und aufs Podium fuhr. Erneut Pech hatte Adam Lacko, der sich nach anfänglichen sehr guten Rundenzeiten am Daumen verletzte, und erneut nur den 7. Platz belegte. <br />
<br />
Die SuperRaceTrucks treten erstmals in dieser Saison mit einem „Einheitsreifen“ an. Seit den guten Erfahrungen am Ring sowohl des Deutsche Post World Net Teams als auch von Buggyra mit dem neuen Goodyear „Truckracing“, der zuvor eigentlich nur auf der Vorderachse der RaceTrucks zum Einsatz gekommen war – bekanntlich müssen hier Neureifen gefahren werden – setzen hier in Finnland beide Teams ganz und gar auf Goodyear. Dem Vernehmen nach haben die bisherigen Ausstatter der SuperRaceTrucks für die nächste Zeit schon Weiterentwicklungen angekündigt, der Reifenkrieg geht also weiter.<br />
Das 1. Freie Training war eine eindeutige Angelegenheit von Markus Oestreich, dessen VW-Titan fast 8 Zehntel schneller war als der schnellste Buggyra. Im 2. Trainingslauf sah es dann nicht mehr so eindeutig aus, aber trotz eines geplatzten Ladedruckschlauchs erzielte der Fuldaer auch hier die schnellste Zeit. Im dritten Freien Training hatte sein VW-Titan dann Bremsprobleme, und so absolvierte Oese nur zwei langsame Runden. Der zweite VW-Pilot Ralf Druckenmüller machte seine Prophezeiung von Nogaro war, endlich konnte er einen Buggyra packen. Leider allerdings nur im Freien Training. Im Zeittraining musste sich der Mendiger zwar wieder den Buggyras geschlagen geben, hat aber nur eine knappe halbe Sekunde Rückstand. Druckis Teamkollege Oese langte dafür allerdings noch einmal richtig hin. Nach dem Desaster im 3. Freien Training ereilten seinen VW-Titan erneut Bremsprobleme. Das Deutsche Post Team leistete jedoch ganze Arbeit und verhalf dem SuperRaceTruck zu seiner alten Bremskraft. Oestreich bedankte sich auf seine Weise, indem er permanent bessere Rundenzeiten auf den Asphalt legte und in der letzten Runde als einziger eine Zeit unter 1:30 hinlegte.