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Der Sonntag in Nogaro

Der Sonntag in Nogaro

20. Juni 2004Nogaro - Der Tag hätte für Lutz Bernau perfekt werden können, für KRAIBURG war er nahezu perfekt, und Markus Oestreich hätte es perfekter kaum laufen können.<br />
Bei leicht bedecktem Himmel holte sich Bernau am Morgen überlegen die Pole im Zeittraining mit mehr als einer Sekunde Vorsprung vor Egon Allgäuer. Knapp dahinter folgte Adam Lacko und dann erst der Gesamtführende, Stuart Oliver, allerdings auch nur mit gerade mal 2 Hundertstel Abstand. Beim fliegenden Start im Quali-Race setzte sich der Brite gleich vor den jungen Tschechen und nahm die Verfolgung Egon Allgäuers auf. Lutz Bernau verteidigte nicht nur seine Spitzenposition, innerhalb kürzester Zeit erfuhr er sich einen beruhigenden Vorsprung und verteidigte diesen auch locker bis ins Ziel. Oliver versuchte mehrfach seinen österreichischen MAN-Markenkollegen zu passieren, doch Allgäuer konterte jeden Angriff. Lacko hatte letztendlich keine Chance in diesen Kampf mit einzugreifen, allerdings machte ihm auch niemand seinen vierten Rang streitig. Um Platz 5 gab es das spannendste Duell des ganzen Rennens zwischen Jose Rodrigues und Jochen Hahn. Immer wieder machte sich der Schwabe mit seiner bekannt burschikosen Art bei dem jungen Portugiesen bemerkbar. Doch dieser ließ sich nicht beeindrucken, fuhr beinahe fehlerfrei und brachte seinen blauen MAN knapp vor dem grau-weißen Mercedes ins Ziel.<br />
Pünktlich zum letzten FIA-Lauf des Wochenendes, dem Cup-Race der RT, begann es kräftig zu regnen, und das war Gift für Lutz Bernau. Wie sagte doch anschließend Bernaus Mechaniker-Original Hervé, seit Jahren mit dem Bayern auf sämtlichen Rennstrecken Europas unterwegs, in seinem unnachahmlichen französisch gefärbten Englisch: „It has nothing to do with the truck, it is a problem in the head of the boss.“ Den Start verlor Bernau schon gegen Allgäuer, auf Rang 3 folgte Lacko, der den Regenspezialisten Oliver schon in der ersten Kurve überholen konnte. Im Nachhinein wurde klar, das Atkins-Team hatte keine optimale Reifenwahl getroffen, mit solch einem heftigen Regenschauer hatte man nicht gerechnet. Bernau hingegen erwischte es noch wesentlich ärger. Nach bereits 2 Runden landete er bei der Verfolgung Allgäuers eingangs der letzten Kurve voll im Kies, das Rennen war für den Bayern zu Ende. Nun begann der große Auftritt des Adam Lacko. Als Egon Allgäuer die Boxengasse durchfahren musste, übernahm er die Spitze und baute seinen Vorsprung ständig aus. Selbst ein Plattfuß hinten links, der ihn kurz vor Schluss ereilte, konnte den sicheren Sieg des Tschechen vor seinem „Boss“ Allgäuer nicht mehr verhindern. Die Spitzengruppe war weit auseinander gezogen, mit fast einer Minute Rückstand holte sich Oliver den dritten Podiumsplatz, vor dem zum Schluss noch stark aufkommenden Jochen Hahn. Das Rennen war noch reich an weiteren spektakulären Szenen. Bernaus MAN wäre beinahe von Vincent Crozier abgeschossen worden, der knapp neben dem Deutschen durchs Kiesbett ging. Orsini drehte seinen Landsmann Conti, in den dann wiederum Eduardo Rodrigues krachte. Dessen Sohn Jose zeigte eine durchaus sehenswerte Querfeldein-Passage und Bruno Ramonas kam bei einem etwas überzogenen Beschleunigungsversuch anfangs der langen Gegengeraden derart ins Schleudern, dass sich der Phönix-Man zunächst um die eigene Achse drehte, bevor er seitwärts in die Begrenzungsmauer krachte.<br />
Die SuperRaceTrucks brachten ihre Rennen noch auf trockener Piste zu Ende. Aber auch Regen hätte die Siege Markus Oestreichs nicht verhindern können, gilt der Fuldaer doch allgemein als bester Regenfahrer seiner Zunft. Auch im Trockenen konnte ihm in Nogaro letztendlich niemand das Wasser reichen. Von der Pole aus gestartet setzte sich der Deutsche Post-Pilot gleich an die Spitze verfolgt von den drei Buggyras mit David Vrsecky, Ludo Faure und Antonio Albacete. Beim Kampf der Verfolger landete der Spanier gleich im Kies und Ralf Druckenmüller übernahm die vierte Position. Leider ereilte den Mendiger ein Getriebeschaden, es standen nicht mehr alle Gänge zur Verfügung, sodass er letztendlich wieder hinter Albacete zurückfiel. An der Spitze versuchten Vrsecky und Faure mit aller Macht Oese doch noch den Sieg streitig zu machen, doch souverän konterte der Routinier sämtliche Angriffsversuche.<br />
Noch eindeutiger fiel der Sieg im anschließenden Cuprennen aus. Oese setzte seinen VW-Titan gleich an die Spitze und gab diese bis ins Ziel auch nicht mehr ab. Im klaren Abstand folgten Vrsecky, Faure und Albacete. Erneut großes Pech hatte der zweite Postler, Ralf Druckenmüller.<br />
Das neue Getriebe war scheinbar etwas zu hart eingestellt, blockierte gleich in der ersten Runde, der gelbe VW-Titan drehte sich um die eigene Achse und stand quer auf der Piste. Endlich löste sich das Getriebe wieder. Drucki setzte zu einer eindrucksvollen Verfolgung an, passierte bald die beiden DAF, konnte dann aber nicht mehr weiter aufschließen. Immerhin erreichte der Mann aus der Eifel Rundenzeiten auf Buggyra-Niveau und prophezeite: „Auf dem Ring ist ein Buggyra fällig.“