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Buggyra hat Truck-Weltrekord fest im Visier und große Pläne für 2004

Buggyra hat Truck-Weltrekord fest im Visier und große Pläne für 2004

04. Dezember 2003Frankfurt - Buggyras neuer Deutschland Repräsentant, Martin Hocke von Complex Marketing, hatte zur Pressekonferenz ins Steigenberger-Hotel in Langen bei Frankfurt geladen. Etwa zwanzig Medienvertreter waren der Einladung gefolgt. Mit Helmut Radermacher war auch ein Vertreter der Veranstalter und Organisatoren anwesend. So gab es denn nicht nur das bei solchen Gelegenheiten übliche Frage-und-Antwort-Spiel, sondern es entwickelte sich eine manchmal recht lebhafte Diskussion gerade auch zu Themen, die nicht Buggyra speziell, sondern die Entwicklung des Truckrennsports schlechthin betrafen. Da passte es natürlich sehr gut, dass mit Peter von Saalfeld, jahrelanger Präsentator und Co-Producer der Truckracing-Berichte auf Eurosport, sowie Thomas Paul Göttl und Bert Brandenburg vom ETM-Verlag auch Journalisten zugegen waren, die die ganze Entwicklung der Szene über Jahre haben beobachten können. Gemeinsam zeigte man sich recht zuversichtlich, dass es mit dem Truckracing wieder bergauf gehen werde, man müsse nur wieder mehr Vertreter der Nutzfahrzeughersteller mit ins Boot ziehen können. Allein der Aufwand, den die Industrie betreibe, um beim Truck Grand Prix am Nürburgring immer wieder präsent zu sein, zeige, dass man letztendlich auch in diesen Kreisen das Interesse am Truckracing nicht verloren habe. Der Rückzug der beiden großen Protagonisten des FIA European Truck Racing Cups in der Vergangenheit, MAN und Mercedes-Benz, habe die Szene gerade zum schlechtest möglichen Zeitpunkt getroffen, dem Beginn der Rezession in der Nutzfahrzeug-Industrie. Unabhängig davon sei aber auch mitentscheidend, dass die Rennen zur Truck-EM derzeit in den Medien und da speziell im TV so sehr unterrepräsentiert seien. Vom Nürburgring, der mit der kompletten Systemausstattung von Wige ja auch optimale Verhältnisse zu bieten habe wie sonst kein anderer Circuit innerhalb der Serie, würden ja sogar noch eine ganze Reihe von einzelnen Berichten in den unterschiedlichsten TV-Stationen gesendet. Doch von all den anderen Rennen des Cups sei einfach nichts zu sehen. Dabei, so Peter von Saalfeldt, sei gerade Truckracing im Fernsehen optimal zu präsentieren. Meistens ginge es recht spektakulär zu, ohne dass den Fahrern ernsthaft etwas passiere, die Fahrzeuge seien auf dem Bildschirm wirklich formatfüllend und - da griff er eine Anregung von LuK-Marketing-Chef Gerd Eggebrecht auf - die Trucks böten eine solch riesige Werbefläche wie kein anderes Rennfahrzeug, das müsste doch auch die Sponsoren auf den Plan rufen.<br />
Europameister Gerd Körber schilderte noch einmal seinen &quot;Leidensweg&quot; im ersten Buggyra-Lehrjahr, als er mehr Schuhsohlen als Reifen verschlissen habe, er sei ja schließlich so gut wie nie ins Ziel gekommen. Um so unglaublicher dann der Fortschritt im Jahr 2002, als er dann in einer der spannendsten Truckracingentscheidungen im letzten Moment dem führenden Harri Luostarinen noch den Titel entrissen habe. Ähnlich dramatisch sei es ja auch in dieser Saison zugegangen, als Markus Oestreich ihm permanent im Nacken gesessen habe, und er erst im letzten Rennen in Le Mans den Titel unter Dach und Fach hätte bringen können.<br />
Buggyra-Konstrukteur und Technik-Chef Mario Kress, langjähriger Weggefährte von Gerd Körber, wies daraufhin, dass man letztendlich ein reines Privatteam sei - ohne Herstellerunterstützung - und all seine negativen Erfahrungen erst einmal persönlich machen müsse. Der Motor sei vom Ursprung her ein Caterpillar aber mit gerade einmal 350 PS. Ihm und seiner Mannschaft obliege es nun 1300 bis 1400 PS daraus zu machen, wobei die Maschine dann natürlich dennoch ausreichend standhaft bleiben müsse. Dabei schieße man auch schon mal über das Ziel hinaus. Bestes Beispiel sei das Wochenende am A1-Ring gewesen, wo Buggyra trotz Überlegenheit die Podiumsplätze der Konkurrenz habe überlassen müssen, weil ein Truck nach dem anderen den Geist aufgegeben habe. Danach habe man alles wieder um eine Nuance zurückgeschraubt und ein solches Desaster auch nicht mehr erlebt.<br />
Über den FIA European Truck Racing Cup hinaus suche Teamchef Martin Koloc aber immer wieder neue Herausforderungen und eine solche sei nun die Erringung des Geschwindigkeitsweltrekords für Trucks. Buggyra Medien-Manager Martin Pouva berichtete, dass ein elfköpfiges Team mit seinen drei Trucks just an diesem Morgen die Grenze nach Saudi-Arabien auf seinem Weg nach Dubai passiert habe. Dort soll im Rahmen des Shopping-Festivals vom 2. bis 8. Februar der neue Weltrekord unter FIA-Bedingungen aufgestellt werden.<br />
David Vrsecky schilderte seine Erfahrungen von den ersten Speedtests auf einem tschechischen Flugplatz, als er den gültigen Rekord von Boje Ovebrink gleich um 50 km/h überboten hatte. Bei nahezu 280 km/h öffneten sich allerdings fast die Kohlefasertüren, die durch den einströmenden Fahrtwind oben immer weiter von der Fahrerkabine weg gedrückt würden und von vorn wie Hasenohren ausgesehen hätten. Das war der Ansatzpunkt für Mario Kress, die enormen aerodynamischen Probleme aufzuzeigen, die dieser Weltrekordversuch mit sich bringt. Bei den Tests sei man sehr schnell an die Grenzen der Aerodynamik des aktuellen Renntrucks gestoßen. Der jetzige Cw-Wert läge bei nicht besonders strömungsgünstig 0,85. Bei der gegenwärtigen Höchstgeschwindigkeit in den EM-Läufen von 160 Km/h spiele das auch kaum eine Rolle. Beim Weltrekordversuch verhalte sich das aber ganz anders. Deshalb habe man ein Studienprojekt an der Prager Universität in die Wege geleitet, bei dem 30 Studenten an der Verbesserungen des Cw-Werts arbeiteten, Ziel sei letztendlich ein Wert von 0,46. Auch die notwendige Leistungssteigerung des Motors auf 1800 PS bei 2900 U/Min sei nicht ganz einfach. Auf dem hauseigenen Motorenprüfstand könne man maximal 1750 PS prüfen und das auch nur über längstens 10 Sek. Bei den Rekordversuchen müsste der Truck aber mindestens 40 Sekunden unter Volllast fahren. Die Strecke sei 6 Km lang, auf einem Abschnitt von einem Kilometer würden dann die Messungen durchgeführt. Und dasselbe liefe dann noch einmal in die andere Richtung ab, und das Mittel der beiden Messungen gelte als die gefahrene Geschwindigkeit. Nach den Berechnungen der Prager Uni seien 317 Km/h durchaus möglich.<br />
Über den Weltrekordversuch hinaus bereite man sich natürlich auch wieder intensiv auf die kommende Saison vor. Gerd Körber Sponsor LuK überreichte dem Champion bei dieser Gelegenheit durch Marketing-Chef Gerd Eggebrecht u.a. eine goldfarbene Servopumpe für die Lenkung, damit der Rheinauer immer gut und schnell durch die Kurven komme und so seinen Titel verteidigen könne. Und darauf zielt auch die ganze Planung hin. Mario Kress ließ verlauten, eventuell bringe Buggyra gar noch einen vierten Superracetruck an den Start. Aber auch in der Racetruckklasse werde man sich engagieren, und einen amerikanischen Freightliner - ebenfalls ein Hauber - mit einem Cat Motor bauen.<br />
Doch das nächste Ziel sei nun erst einmal der Weltrekordversuch in Dubai, und dorthin werde auch eine Buggyra- Delegation im Rahmen der Dubai-Motorshow vom 11. bis 16. Dezember 2003 fliegen.