Truckracing
160
Km/h Höchstgeschwindigkeit, noch zeitgemäß ?
Seit Jahren gibt es Bestrebungen und Ambitionen die 1989 vom Internationalen
Automobilsportverband aus Sicherheitsgründen eingeführte Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit
auf 160 Km/h für das Truckracing wieder abzuschaffen.
Die Rennen würden wieder erheblich interessanter, es gäbe mehr Überholvorgänge
und dadurch auch mehr Action an der Spitze. Die Fahrer müssten gefühlvoller
mit dem Gaspedal umgehen und könnten nicht mehr, wie an manchen Rennkursen schon
üblich, einen Großteil der Rennrunden mit Vollgas fahren, und dann käme auch
wieder mehr das fahrerische Element zur Geltung. So die Befürworter eines uneingeschränkten
Tempos beim Truckracing. Jahr für Jahr habe es bei den Renntrucks immense Innovationen
nicht nur hinsichtlich der Motorleistung und Straßenlage gegeben - offensichtlich
direkt ablesbar an den jährlich verbesserten Rundenzeiten auf den einzelnen
Rennkursen, sondern auch gerade in Punkto Sicherheit hätten die Fahrzeuge im
letzten Jahrzehnt enorme Fortschritte gemacht.
Tatsächlich sind in den letzten Jahren immer mehr Sicherheitselemente aus anderen
Bereichen des Automobilsports übernommen worden. Die Gurte entsprechen denen
der Formel 1, die Sitze denen der Renntourenwagen. Die Fahrerkabine ist komplett
umgeben von einem Überrollkäfig aus einem speziell gehärteten Stahl. Die Windschutzscheiben
sind aus Verbundglas, bei einer Beschädigung fallen keinerlei Glassplitter in
den Kabinenraum. Die Seitenscheiben bestehen aus völlig bruchsicherem Spezialkunststoff,
und zusätzlich sind dort noch Sicherheitsgitter angebracht. Das Chassis ist
mehr als doppelt so steif, wie bei den Serienfahrzeugen, an den Seiten dienen
direkt unter der Verkleidung liegende, rund sieben Zentimeter kräftige Streben
ebenso dem Schutz des Fahrers wie dicke Rammschutzvorrichtungen unter der vorderen
Stoßstange und am Heck. Der Notausschalter, der die komplette Elektrik unterbricht
und damit sämtliche Funktionen am Fahrzeug sofort stoppt, ist natürlich ebenso
selbstverständlich.
Für die Sicherheit scheint alles getan, und wie sicher die Renntrucks tatsächlich
sind, bewies Jordi Gene schon 1998 bei seinem spektakulären Überschlag im spanischen
Jarama. Und seitdem ist die Sicherheitstechnik noch weiter entwickelt worden.
Dennoch wehren sich die Verantwortlichen weiterhin gegen eine völlige Aufhebung
der Tempobeschränkung und verweisen auf das enorme Gewicht der Renntrucks von
5 Tonnen. Wenn solch eine Masse nach einem Unfall außer Kontrolle gerate und
dieses dann bei einer Geschwindigkeit von weit mehr als 230 Km/h, die die Superracetrucks
mit ihren mittlerweile über 1400 PS und rund 5000 Nm Drehmoment bestens erreichen
könnten, würde man sich kaum vorstellen wollen, welche Kräfte all das niederwalzen
würden, was den Trucks im Weg stünde. Es sei fraglich, ob die derzeitigen Schutzvorrichtungen
für die Streckenposten und Zuschauer auf den meisten Rennkursen dann noch ausreichend
dimensioniert seien.
Alternativ zur völligen Geschwindigkeitsfreigabe wird derzeit über die sogenannten
"Speed Buttons" diskutiert. Sie sollen dem Fahrer ermöglichen, quasi in jeder
zweiten Runde - tatsächlich ein Halb mal soviel wie das Rennen Runden hat -
die Höchstgeschwindigkeit von 160 Km/h bis maximal 180 Km/h kurzfristig für
ca. 4 Sekunden zu überschreiten. Dieses würde sicher in vielen Situationen eine
völlig neue Renntaktik erfordern und vielleicht dadurch auch wieder spannendere
Rennverläufe zur Folge haben. Derzeit sind dem aber allein durch die Technik
noch Grenzen gesetzt, denn erst wenn - wie der Gerätehersteller verspricht -
zukünftig die Auswertung der zur Geschwindigkeitsüberwachung dienenden Blackbox
innerhalb weniger Minuten nach dem Rennen möglich ist, könnte dieses System
praktikabel sein.