Donnerstag, 09.09.2010

Truckracing

160 Km/h Höchstgeschwindigkeit, noch zeitgemäß ?

Seit Jahren gibt es Bestrebungen und Ambitionen die 1989 vom Internationalen Automobilsportverband aus Sicherheitsgründen eingeführte Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 160 Km/h für das Truckracing wieder abzuschaffen.
Die Rennen würden wieder erheblich interessanter, es gäbe mehr Überholvorgänge und dadurch auch mehr Action an der Spitze. Die Fahrer müssten gefühlvoller mit dem Gaspedal umgehen und könnten nicht mehr, wie an manchen Rennkursen schon üblich, einen Großteil der Rennrunden mit Vollgas fahren, und dann käme auch wieder mehr das fahrerische Element zur Geltung. So die Befürworter eines uneingeschränkten Tempos beim Truckracing. Jahr für Jahr habe es bei den Renntrucks immense Innovationen nicht nur hinsichtlich der Motorleistung und Straßenlage gegeben - offensichtlich direkt ablesbar an den jährlich verbesserten Rundenzeiten auf den einzelnen Rennkursen, sondern auch gerade in Punkto Sicherheit hätten die Fahrzeuge im letzten Jahrzehnt enorme Fortschritte gemacht.

Tatsächlich sind in den letzten Jahren immer mehr Sicherheitselemente aus anderen Bereichen des Automobilsports übernommen worden. Die Gurte entsprechen denen der Formel 1, die Sitze denen der Renntourenwagen. Die Fahrerkabine ist komplett umgeben von einem Überrollkäfig aus einem speziell gehärteten Stahl. Die Windschutzscheiben sind aus Verbundglas, bei einer Beschädigung fallen keinerlei Glassplitter in den Kabinenraum. Die Seitenscheiben bestehen aus völlig bruchsicherem Spezialkunststoff, und zusätzlich sind dort noch Sicherheitsgitter angebracht. Das Chassis ist mehr als doppelt so steif, wie bei den Serienfahrzeugen, an den Seiten dienen direkt unter der Verkleidung liegende, rund sieben Zentimeter kräftige Streben ebenso dem Schutz des Fahrers wie dicke Rammschutzvorrichtungen unter der vorderen Stoßstange und am Heck. Der Notausschalter, der die komplette Elektrik unterbricht und damit sämtliche Funktionen am Fahrzeug sofort stoppt, ist natürlich ebenso selbstverständlich.

Für die Sicherheit scheint alles getan, und wie sicher die Renntrucks tatsächlich sind, bewies Jordi Gene schon 1998 bei seinem spektakulären Überschlag im spanischen Jarama. Und seitdem ist die Sicherheitstechnik noch weiter entwickelt worden.

Dennoch wehren sich die Verantwortlichen weiterhin gegen eine völlige Aufhebung der Tempobeschränkung und verweisen auf das enorme Gewicht der Renntrucks von 5 Tonnen. Wenn solch eine Masse nach einem Unfall außer Kontrolle gerate und dieses dann bei einer Geschwindigkeit von weit mehr als 230 Km/h, die die Superracetrucks mit ihren mittlerweile über 1400 PS und rund 5000 Nm Drehmoment bestens erreichen könnten, würde man sich kaum vorstellen wollen, welche Kräfte all das niederwalzen würden, was den Trucks im Weg stünde. Es sei fraglich, ob die derzeitigen Schutzvorrichtungen für die Streckenposten und Zuschauer auf den meisten Rennkursen dann noch ausreichend dimensioniert seien.

Alternativ zur völligen Geschwindigkeitsfreigabe wird derzeit über die sogenannten "Speed Buttons" diskutiert. Sie sollen dem Fahrer ermöglichen, quasi in jeder zweiten Runde - tatsächlich ein Halb mal soviel wie das Rennen Runden hat - die Höchstgeschwindigkeit von 160 Km/h bis maximal 180 Km/h kurzfristig für ca. 4 Sekunden zu überschreiten. Dieses würde sicher in vielen Situationen eine völlig neue Renntaktik erfordern und vielleicht dadurch auch wieder spannendere Rennverläufe zur Folge haben. Derzeit sind dem aber allein durch die Technik noch Grenzen gesetzt, denn erst wenn - wie der Gerätehersteller verspricht - zukünftig die Auswertung der zur Geschwindigkeitsüberwachung dienenden Blackbox innerhalb weniger Minuten nach dem Rennen möglich ist, könnte dieses System praktikabel sein.

Meritor
Haldex Brake Systems Europe
MAN Nutzfahrzeuge
DKV Euroservice
Renault Trucks
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