Donnerstag, 21.06.2018 | Deutsch | English
Misano Drumherum

Misano Drumherum

02. Juni 2018Das war ein ziemlich heißer Auftakt zur diesjährigen Saison der FIA European Truckracing Championship auf dem Misano World Circuit an der italienischen Adria – in mehrfacher Hinsicht. Auch wenn häufig leichte Wolken am Himmel zu sehen waren, war es doch sommerlich warm, so an die 30 Grad. Wie kraftvoll die Sonne brannte, sah an den geröteten Gesichtern, Armen, Schultern und Rücken und nicht zuletzt an den Asphalttemperatur, die auf der Zielgeraden zeitweise über 50 Grad erreichten.
Ganz heiß ging es aber zu, als aus dem MAN-RaceTruck des Tschechen Frankie Vojtisek im ersten Rennen hohe Flammen schossen. Herumfliegende Metallstücke der gebrochenen Kardanwelle verursachten weitere Schäden am Truck. Öl und Diesel traten aus, trafen wohl auf heiße Bremsscheiben oder auch auf den heißen Auspuff, und schon zog der MAN ein richtiges Flammenmeer hinter sich her. Riesige schwarze, von weitem sichtbare Rauchfahnen zogen in den blauen Himmel. Die im Netz dazu kursierenden Videos sind schon recht beeindruckend. Am meisten beeindruckte aber die Reaktion von Vojtisek, nachdem er den Truck endlich zum Stehen gebracht hatte. So cool bleibt man in solch einer Situation wohl auch nur mit mehr als 30jähriger Truckracing-Erfahrung – zu sehen auf einem Video eines Truckracing-Fans, das dieser von der Tribüne aus aufgenommen hatte.
Wiederum angenehm warm war es am Sonntagabend dem vierfachen Champion Jochen Hahn, als er das Wochenende noch einmal Revue passieren ließ. Noch im letzten Jahr erlebte der Schwabe am Misano-Sonntag sein persönliches Waterloo, als der Motor seines Iveco-Renners komplett streikte – und am Ende war es dann nur eine Kleinigkeit. Der spätere Champion Adam Lacko dagegen triumphierte in voller Breite und holte 58 von 60 möglichen Punkten.
Diesmal erwischte es nun den tschechischen Buggyra Freightliner-Piloten. Wegen Komplikationen nach einem operativen – eigentlich – Routine-Eingriffs war er körperlich eh nicht unbedingt in Bestform, und dann kam noch viel Pech dazu. So gab es am Sonntag für den 9. Platz gerade mal zwei Pünktchen und im zweiten Rennen fiel Lacko ganz aus.
Etwas Frust herrschte auch beim tankpool24-Tean nach diesem ereignisreichen und spektakulären ersten Rennen. Zunächst wurde der Ungar Norbert Kiss als Dritter gefeiert und anschließend disqualifiziert.
Nach den Rennen werden einzelne Trucks noch einmal gewogen, der Mercedes von Kiss wurde als zu leicht befunden. Der Wassertank für die Bremsenkühlung war komplett leer, im Dieseltank befand sich auch kaum noch ein Tröpfchen. Statt der eigentlich 12 Rennrunden und der einen Formationsrunde hatten die RaceTrucks wegen des Neustarts insgesamt ja nun mehr Runden zurücklegen müssen und die Wassertanks konnten aufgrund der kurzen Zeit zwischen Zeittraining und Rennen nicht mehr komplett gefüllt werden. Am Sonntag konnten Norbert Kiss und das tankpool24-Racing Team dann aber mit dem dritten Platz im ersten Tagesrennen zeigen, dass die gute Performance vom Vortag nicht am Untergewicht lag.
Ein ganz starkes Wochenende zeigte auch Steffi Halm. Nach dem Wechsel zum Iveco-Team Schwabentruck begann der Ernst des Truckracing-Lebens in Misano für die junge Deutsche allerdings gar nicht so verheißungsvoll. Mit eingedrückter Frontscheibe – infolge eines Steinschlags – verpasste Steffi Halm erstmals seit sehr, sehr langer Zeit die SuperPole. Im anschließenden Rennen kam sie nur wenige Hundert Meter weit, bevor sie mit dem französischen MAN-Piloten Anthony Janiec eine äußerst unangenehme Begegnung hatte.
Beide Trucks humpelten anschließend auf platten Reifen über die Piste – und dann „erlöste“ sie der Rennabbruch. Beide durften ins Fahrerlager zum Reifenwechsel, mussten aber beim Neustart dem Feld aus der Boxengasse hinterher düsen. Dabei fuhr die einzige Dame im Fahrerfeld wohl eines ihrer besten Rennen und am Ende noch auf den 4. Platz vor.
Für Sascha Lenz (GER) war Misano sicherlich das Rennwochenende schlechthin in seiner ja noch relativ kurzen FIA ETRC-Historie. Erster Sieg, dazu noch ein zweiter Platz und drei Podiumsplätze – darunter zweimal ganz oben – für das Team „Reinert Adventure“, das der MAN-Pilot mit seinem Markenkollegen und Landsmann René Reinert bildet, das war mehr als man sich bei SL-Trucksport im Vorfeld erhofft hatte.
Die Championatswertung ist nach einem Rennwochenende zwar nur wenig aussagekräftig, doch es geht ungemein eng zu. Hinter dem führenden Hahn liegen die fünf Verfolger – von Steffi Halm bis Kiss – gerade mal neun Pünktchen auseinander. Wäre dem ungarischen Mercedes-Piloten nicht dieses Missgeschick mit dem Untergewicht passiert, läge er statt auf dem sechsten Platz auf dem zweiten.
Und die Rennen auf dem Hungaroring – nächster Lauf der FIA European Truck Racing Championship – standen bisher klar im Zeichen des Lokalmatadors. Für Hochspannung ist also in jedem Fall gesorgt.

Impressionen:

Misano Drumherum
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