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Smolenskring Drumherum

Smolenskring Drumherum

02. August 2013Das Überraschendste beim 6. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship am Smolenskring war sicherlich das Wetter, denn für die Truckracer waren die Rennen hier im Westen Russlands gleichbedeutend mit Hitze, Hitze und noch einmal Hitze. Insbesondere 2010, während der ersten „Truck Battle Russia“, als in Russland ja auch die verheerenden Waldbrände herrschten, wusste man kaum, wie man der Probleme, die die extremen Temperaturen so mit sich brachten, Herr werden sollte. Wer sich noch einmal die Bilder von damals anschaut, wird sich dann auch erinnern, wie die Teams die Minuten zwischen den Zeittrainings und der anschließenden SuperPole nutzten, um den Piloten mit Gebläsen Frischluft sowie den Motoren und Reifen mit Wasser Kühlung zu verschaffen. Und nun wurde in diesem Jahr nicht einmal die 20-Grad-Marke erreicht. Nachts wurde es dann gar so kalt, dass die Teammitglieder, die in den Fahrerhäusern der Trucks schliefen, mit den Gedanken spielten, die Standheizung einzuschalten.
Wenn die Truckracer dann hörten, dass in der Heimat exakt die Temperaturen herrschten, die sie für den Smolenskring erwartet hatten, dann waren sie häufig schon der Meinung, für die Rennen die besseren Bedingungen zu haben – solange es trocken blieb. Und es blieb trocken, auch wenn es gerade am Sonntag immer mal wieder so aussah, als könnten bald kräftige Schauer den Smolenskring heimsuchen.
Zwölf RaceTrucks waren am Start, darunter als einzige bis dahin punktlose Fahrer, der Russe Iurii Egorov (Buggyra Freightliner) und der Portugiese Jose Fernandes Teodosio (Renault). Sollte nun einer von den Trucks aus der TopTen-Gruppe, die den Rest des Starterfeldes ausmachten, ausfallen, bestünden also beste Chancen für mindestens einen der beiden Außenseiter erste FIA-Punkte dem eigenen Konto gutschreiben zu können. Am Ende konnte sich Teodosio über zwei und Egorov gar über vier Zähler freuen, sicherlich mehr als sie im Vorfeld erwartet hatten.
Weiter vorn, beim Kampf um die Meisterschaft freut man sich auch über jeden Punkt, man kalkuliert dort aber dennoch in anderen Dimensionen. Auf den ersten Blick sieht es hier zwar ganz nach einem Duell zwischen den beiden MAN-Piloten Jochen Hahn, dem Titelverteidiger aus Deutschland, und dem Spanier Antonio Albacete aus, liegt der Cepsa-Pilot derzeit gerade mal 17 Pünktchen vor dem deutschen Castrol-Piloten. Doch an einem Rennwochenende kann ein Fahrer im günstigsten Fall 60 Punkte einfahren, und vier solcher Wochenenden haben wir noch vor uns.
Das bedeutet selbst für die beiden MAN-ler Markus Oestreich (GER) und Norbert Kiss (HUN) sowie den Buggyra-Freightliner-Piloten David Vrsecky (CZE), die zwischen 40 und 60 Punkte hinter Hahn liegen, dass sie ihre Ambitionen, bei der Titelvergabe noch ein Wörtchen mitsprechen zu wollen, noch längst nicht aufgeben müssen. Wie schnell sich nämlich das Blatt wenden kann, musste Kiss erst wieder am Sonntag erfahren. Als er und sein tschechischer Kollege Adam Lacko (MKR-Renault) nach dem spektakulären Unfall wegen der massiven kurzfristig irreparablen Schäden an ihren Trucks völlig punktelos blieben. Davon – siehe oben – profitierten dann natürlich wiederum Egorov und Teodosio.
Wie wichtig es ist, gerade auch Punkte in kleinerem Maße und nicht nur Siege zu sammeln, zeigt auch der Blick auf die Statistik. Der Gesamtführende Albacete hat von den bisherigen 24 Rennen allein sieben gewonnen, Titelverteidiger Hahn dagegen erst zwei, dennoch hat der Spanier gerade mal 17 Zähler Vorsprung.
Im 1. Tagesrennen gibt es für den Sieger 20 Punkte und im zweiten deren 10, ein Ausfall kann die Reihenfolge also schon wieder erheblich durcheinander wirbeln – es geht extrem eng zu.
Am Samstag, den 3.August, gibt es um 18:00 Uhr auf Sport 1 die komplette TV-Reportage von TRO-TV. Zuvor kann man sich aber schon auf unserer Facebook-Seite einen 17-Sekunden-Ausschnitt ansehen – mit dem spektakulären Crash zwischen Kiss und Lacko.

Impressionen:

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