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Der Samstag in Misano

Der Samstag in Misano

22. September 2007Misano - Ein strahlend blauer Himmel, Temperaturen von um die 25 Grad, (auf dem Asphalt gar bis zu 36 Grad) ließen fast so etwas wie Urlaubsfeeling aufkommen. Da am Freitag nur die Fahrzeugabnahme anstand, hatte man zudem auch noch ausreichend Zeit und Muße, über Gott und die Welt zu sinnieren. Zwischenzeitlich war ja auch bekannt geworden, dass der Protest des Buggyra-Teams gegen den Wertungsausschluss beim Sonntags-Quali in Most abgewiesen worden war, über den von Cepsa wird erst später verhandelt. (Siehe Berichte über Most.) Derzeit hätte also Markus Bösiger 12 Punkte gegenüber Antonio Albacete eingebüßt. Doch bevor diese Entscheidung noch nicht offiziell bestätigt worden ist, werden die Punktelisten noch weitergeführt wie zuvor. Von all den Querelen unberührt gaben die drei Protagonisten Bösiger, David Vrsecky (beide Buggyra Freightliner) und Albacete (MAN) auch in den Freien Trainings wieder den Ton an. Einzig Jochen Hahn (Mercedes-Benz) konnte da noch mithalten – bei seinem möglicherweise vorletzten Rennen im Mercedes-Axor.
Auch im Zeittraining war dieses Vierergrüppchen eine Klasse für sich. Bereits zu Anfang verbesserte sich Bösiger gegenüber dem Freien Training um 3 Zehntel auf 2:01.058 Min. Damit hatte er sich auch schon die Pole gesichert, im Freien Training hatte Vrsecky zuvor allerdings nur 2:00.635 Min für die Runde gebraucht. Hinter dem Schweizer sicherte sich Albacete den zweiten Startplatz, mit gerade mal 3 Hundertstel Vorsprung vor Vrsecky. Das Führungsquartett vervollständigte Hahn, diese vier Piloten trennten schließlich gerade mal 4 Zehntel. Noch für viel Aufregung in der Schlussphase des Zeittrainings sorgte Bösiger, als er unvermittelt und sehr spektakulär von der Piste gegen einen Reifenstapel rutschte. Die Bremsscheibe vorn links war gerissen. Anschließend stellte man fest, dass auch die Scheibe auf der anderen Seite kurz vorm Exitus stand.
Die Reparatur stellte für das Buggyra-Team kein größeres Problem dar. Rechtzeitig zum Quali-Race sah der Freightliner aus wie neu. Auch Bösiger selbst nahm das Ganze relativ gelassen. Er nutzte seine Pole und legte einen wesentlich besseren Start auf die Piste als in den letzten Rennen. Er übernahm gleich die Führung vor Albacete und fuhr letztendlich einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein. Einige Male schien es so, als wolle der Spanier zum Überholen ansetzen, doch souverän meisterte Bösiger jeden Angriffsversuch. Beim Kampf um den dritten Platz ging es da schon wesentlich dramatischer zu. Hahn hatte Vrsecky die dritte Position abjagen können, doch der Tscheche gab sich natürlich nicht geschlagen. Immer wieder setzte er zum Angriff an, und konnte denn auch schon bald den Mercedes-Piloten wieder überholen. Während sich das Spitzentrio leicht absetzte, musste sich Hahn nun ständiger Attacken Gerd Körebers erwehren. Der MAN-Pilot wollte dem Schwaben unbedingt den 4. Platz streitig machen, schließlich geht es ja auch um den Titel des besten deutschen Piloten. Mit 2 Zehntel Vorsprung rettete Hahn sich schließlich ins Ziel.
Um den 6.Platz lieferten sich Markus Altenstrasser (Renault), Jean-Phillip Belloc und Chris Levett (beide MAN) die spektakulärsten Kämpfe des Rennens. Knapp vor dem Franzosen und dem Engländer überquerte der Österreicher schließlich als Sechster die Ziellinie. Egon Allgäuer und sein Gastfahrer Hans-Joachim Stuck (beide MAN) vervollständigten die Top-Ten.
Und auch im abschließenden Cup-Race ließ Bösiger von Anfang an keine Zweifel aufkommen, dass er weiterhin den Titelgewinn fest im Visier hat. Ebenso war auch Albacete gleich klar, dass es in diesem Rennen für ihn keinen Weg am Schweizer vorbei gab – wenn nicht die Technik des Buggyra versagen würde. Doch sie versagte nicht. Dafür waren die Kämpfe um die weiteren Plätze umso abwechslungsreicher. Körber, Hahn und Vrsecky fighteten bis zum Äußersten. Schließlich konnte sich Körber doch noch absetzen und hinter Bösiger und Albacete klar den dritten Podiumsplatz einfahren. Hahns und Vrseckys Kampf wurde derweilen so heiß, dass schon Flammen aus dem Auspuff des Freightliners schlugen. Am Ende hatte der Deutsche knapp die Nase vorn. Levett holte sich knapp hinter dem Tschechen und mit sicherem Abstand zu Belloc den 6. Rang. Altenstrasser, Allgäuer und Stuart Oliver belegten die restlichen Punkteplätze.
Bösiger vergrößerte seinen Vorsprung zu Albacete in der Gesamtwertung auf 41 Punkte, lässt man die Eventualitäten, die sich aus Most ergeben könnten, außer Acht. Die Teamwertung ging an Buggyra vor Allgäuer und Hahn.
Reifenprobleme wie noch Le Mans gab es diesmal nicht. Rigdon hatte danach sämtliche Altreifen eingestampft, ein neues Material und auch ein neues Profil entwickelt. Die Fahrer zeigten sich außerordentlich zufrieden, und es gab auch keine offensichtlichen Probleme.